Von Mediolanum zu Mailand

Der Dom von Mailand

https://youtu.be/-K2j7aESQXQ

 

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Die Göttin von Montserrat.

Mare de Déu de Montserrat, Foto José Luiz Bernardes Ribeiro 

Durch der wundersame Fund einer geschnitzten Madonnenfigur Im Jahr 880 wurde das Bergmasiv bei Barcelona zu einem Zentrum von Gläubigen. In diesem Jahr fanden zwei Schafhirten nach einer geheimnisvollen Lichterscheinung in der Cova del Montserrat die Statue. Als die jedoch in einer feierlichen Prozession ins Tal getragen werden sollte, wurde sie immer schwerer, so dass sich der örtliche Bischof entschloss, ihr zu Ehren am Fundort eine Kapelle zu erbauen. Im Jahr 888 fand sie auch erstmalig eine Erwähnung in einer Urkunde. Eine Legende berichtet über die Madonna, dass sie der Evangelist Lukas noch höchst persönlich geschnitzt habe. Doch diese, heute in der Basilika ausgestellte Figur `Mare de Déu de Montserrat´, Mutter Gottes von Montserrat, stammt aus dem 12. Jhd., der Zeit also, in der das Kloster gegründet wurde. Wegen ihrer schwarzen Oberfläche wird sie auch `La Moreneta´, die kleine Braune genannt.

Das Kloster in der umgebenden Landschaft, Foto Misburg3014

Die Entdeckung der Figur ereignete sich in einer Epoche, die von wachsenden Kämpfen in Spanien geprägt war und der Ausgang von Schlachten oft durch wund- ersame Ereignisse bestimmt wurde. Begonnen hatte die Rückeroberung Spaniens mit der Schlacht von Covadongo, die in der Nähe des gleichnamigen Mariengheiligtums erfolgte. Während der Schlacht gegen die Sarazenen soll sich durch die Macht dieses Heiligtums das Schlachtenglück zugunsten der Spanier gewendet haben. Doch nicht nur die Jungfrau Maria sorgte während der Reconquista für das Schlachtenglück, auch Jakobus soll durch seine wundersame Erscheinung zum Sieg der Spanier während der Schlacht von Clavigo im Jahr 844 verholfen haben. In der gleichen Zeit sahen die Katalanen ihr Vorbild in der Gestalt des Heiligen Georg. Als unerschrockener Märtyrer und Kämpfer für den Glauben soll Georg, der in Katalonien Jordi genannt wird, einer Sage zufolge den Königen bei der Eroberung Mallorcas geholfen haben. Zahlreiche Kirchen und Kapellen wurden ihm geweiht und unter seinem Zeichen auch ein Ritter- orden gegründet. Deshalb beschloss das katalonische Parlament im Jahr 1456, den Jorditag als offiziellen Festtag einzuführen. Beide Heilsgestalten scheinen auch in der 1580 errichteten Klosterkirche von Montserrat miteinander verbunden zu sein. Ihre Bauachse ist auf den Sonnenaufgang über dem Sant Llorenç del Munt gerichtet, einem ähnlich zerklüfteten, im 4. Jtds. v. Chr. ebenfalls besiedelten Bergmassiv. Auch hier war einst ein heiliger Ort, an dem noch die Ruinen einer im 11. Jhd. errichteten, dem St. Laurentius geweihten  Benediktiner Abtei zu sehen sind. 

Ausrichtung der Basilika von Montserrat

So entsprach die Baulinie in der Zeit der Errichtung der Basilika noch genau der Winkel- halbierenden zwischen den Sonnenaufgangspunkten am Jorditag und an Maria Himmel-fahrt. Durch den 2 Jahre später eingeführten Gregorianischen Kalender hat sich die Situation geändert: Heute zielt die Bauachse genau auf den Sonnenaufgang am 27. April, dem Feiertag der Madonna von Montserrat. Dieser Aspekt lässt aber noch einen anderen Schluss zu: Die geplante Zeitkorrektur des wenige Jahre nach Baubeginn ein- gegeführten Gregorianischen Kalenders war den Erbauern der Kirche bereits bekannt. Als Schlachtenlenkerin während der Reconquista trug die Madonna ebenso zum Erfolg bei, wie bei den Eroberungen der Spanier auf dem amerikanischen Kontinent. Doch dauerte es bis zum Jahr 1881, ehe Papst Leo XIII., am 11, September Maria neben Sant Jordi zum Schutzpatronen Katalaniens erklärte. Die aus Pappelholz geschnitzte Figur der Madonna von Montserrat ist ca. 95 cm groß und bis auf das schwarze Gesicht und Hände vollständig in Gold gefasst. In ihrer formalen Erscheinung gleicht sie dem byzant-inischen Madonnentyp der Nikopoia, der thronenden Madonna. Sie wird durch eine Frauenfigur verkörpert, die in königlicher Haltung auf einem Thron sitzenden und einen meist stehenden Jesusknaben mit einer Siegesgeste hält.

Die Schwarze Madonna von Montserrat, F. Dep.de Premsa, Comunicació de Montserrat

In dem Datum des 27. April lässt sich trotz des wundersamen Ereignisses der Erschein- ung aber auch das Weiterführen älterer Feste erkennen, denn bereits in römischer Zeit wurde am 28. April ein sehr beliebtes Fest gefeiert. An diesem Tag wurde mit dem Fest Floralia die altitalische Vegetationsgöttin Flora gefeiert, der bereits vom sabinischen König Titus Tatius einer der ersten Kulttempel auf dem Quirinal in Rom errichtet wurde. Trotz der Beliebtheit stand Ihr Kult immer aber im Schatten der viel bedeutenderen Ge- treidegöttin Ceres und war nur während der unsteten Witterung am Ende des April von Bedeutung. Mit dem wundersamen Fund der Madonnenfigur wurde auf dem Montserrat wohl auch die Tradition einer Kultstätte von Muttergottjheiten weitergeführt, die weit in die Geschichte zurückreicht. Ein Bindeglied zu dieser Tradition stellt hier ein römischer Tempel her, in dem einst die Göttin Venus verehrt wurde. Archäologische Fund auf früherer Zeit zeigen aber, dass die zahlreichen hier vorhandenen Höhlen auf dem Montserrat bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. besiedelt waren. Dessen zerklüfteten Fels- en, die wie von Zyklopen aufgeschichtet erscheinen, weckten seit jeher die Fantasie der Menschen. So tragen einige unter ihnen Namen wie das Kamel, der Elefantenrüssel, oder der verzauberte Riese. Das Kamel des Sant Jordi, des heiligen Hieronymus, einem der vier Kirchenväter, hat die Gestalt eines Kamelhöckers und ist von drei, in einer schnurgeraden Linie aufgereihten Felsgipfeln oberhalb des Klosters gut zu sehen.

Der hl. Hieronymus in seiner Studierstube, Werkstatt Pieter Coecke van Aelst (um 1530)

Dieser Höcker erinnert an eine Episode aus der Legende des Heiligen als er in seinem Kloster in Bethlehem lebte. Dort hatte er einmal einem hinkenden Löwen von einem Dorn befreit. Der nun friedliche Löwe stürzte sich aber eines Tages auf eine Karawane von Kaufleuten, die mit Kamelen und Eseln nach Bethlehem zogen und vertrieb sie. Anschließend brachte er die Kamele und Esel ins Kloster. In der Antike waren beide Tiere auch Attribute von Fruchtbarkeitsgöttinnen. Das Kamel war das Reittier der im nordarabischen Raum sehr beliebten Göttin Al-Lāt, die bereits im 5.Jhd. v. Chr, von Herodot beschrieben wurde. Der Esel jedoch war ein Attribut der im gallischen Raum verbreiteten, späteren Pferdegöttin Epona.

al-Lāt reitet auf einem Kamel. Relief aus Ta’if in Saudi-Arabien, um 100 n. Chr.

Beide wiesen auch ähnliche Aspekte auf, wie die orientalische Muttergöttin Magna Mater. Hatten sich diese Bilder hier vermischt, so bekam das Kamel des Saint Jordi in der Zeit Herodots einen ganz anderen Sinn. Stand man am 4. April am nördöstlichen der drei Gipfel, so sah man am Morgen die Sonne über dem Kamelrücken aufgehen und in der Fluchtrichtung der Felsgipfel am Abend zum ersten Mal den Stern Sirius auf- leuchten. Später begannen bei den Römern an diesem Tag dann die Kultfeiern die der Magna Mater gewidmet waren. Nach dem heiligen Hieronymus, dem Verfasser der ersten maßgeblichen Bibelübersetzung, ist auch der höchste Berggipfel des Montserrat benannt. Er stellt damit ein sichtbares Zeichen dar, dass die Heilssuche auf dem Berg mit Maria ein neues Bild erhielt, denn über sie schrieb er ja einst, dass in ihr alle Gnade vereinigt sei.

Sant Jeroni, Magna Mater und die Sonnenwende

Bilder: Wikipedia, Mare de Déu de Montserrat, Foto José Luiz Bernardes Ribeiro / CC BY-SA 3.0 / Das Kloster in der umgebenden Landschaft, Foto Misburg3014 / Die Schwarze Madonna von Montserrat, Foto Departament de Premsa i Comunicació de Montserrat – Departament de Premsa i Comunicació de / Der hl. Hieronymus in seiner Studierstube, Werkstatt Pieter Coecke van Aelst (um 1530) Pieter Coecke van Aelst und Werkstatt – Walters Art Museum: / al-Lāt reitet auf einem Kamel. Relief aus Ta’if in Saudi-Arabien, um 100 n. Chr.

 

Der Meteroiten-Kult – Verehrung der „göttlichen Himmelszeichen“ — Treue und Ehre

Zitat

Ursprünglich veröffentlicht auf das Erwachen der Valkyrjar: Nur 25 Meteoriten treffen jährlich auf festen Boden und nur extrem wenige von diesen schlagen in der Nähe besiedelter Gebiete ein. Daher ist die Wahrscheinlichkeit ein solches Ereignis mit eigenen Augen zu sehen ziemlich unwahrscheinlich. Aus diesem Grund dachte man in der Vergangenheit, wenn man einen…

über Der Meteroiten-Kult – Verehrung der „göttlichen Himmelszeichen“ — Treue und Ehre

St. Martin und seine Gänse

St.Martin und der Bettler,El Greco, 1597/99, National Gallery of Art, Washington D.C.

Neben der bekannten Legende des Martin von Tours, in der er als Soldat der kaiserlichen Garde in Amiens seinen Mantel teilte, gibt es auch zwei unterschiedliche Legenden, die ihn mit den Gänsen in Verbindung bringen. Eine von ihnen unterstreicht seine viel gerühmte Demut und Bescheidenheit, in dem sie von seiner Flucht in einem Gänsestall berichtet. Dort soll er sich versteckt haben, als er für im Jahr 371 das Bischofsamt in Tours ausgewählt wurde. Eine andere bereitete das heute so beliebte Gänsemahl vor. Sie berichtet dass Gänse ihn immer wieder bei der Predigt störten, worauf er befahl sie zu schlachten. Geht man weiter zurück in der Geschichte, so wird von Römern und Germanen ähnliches berichtet. Sie schlachteten Gänse weil die Winterfütterung nicht gewährleistet war. Nur ein Zuchtpaar durfte für das nächste Jahr am Leben bleiben.

Eine gefiederte Bande (Adolf Schmidt 1827-1880), Düsseldorfer Auktionshaus

Dieses Gänsemahl hätte auch an anderen Tagen geschehen könne, doch der 11. November ist als 315. Tag im Jahr ein ganz besonderer Tag. Von diesem Tag gibt es noch eine Spanne von 40 Tagen bis zur Wintersonnenwende und zugleich wurde der Tag auch als Ende des Bauernjahres gewählt. Dass die Gans mit St, Martin in Verbind- ung gebracht wurde hat wohl mehrere Gründe, die seine Legenden nur verschleiert erklären. Gänse waren die heiligen Tiere de chonthischer Fruchtbarkeitsgöttinnen und standen mit ihrer Symbolik für Wärmen, Behüten, Nähren, und Fruchtbarkeit. Somit waren sie Symbole der positiven Aspekte von Muttergottheiten. Noch in keltischer und der frühen römischen Zeit wurde dieses Datum aber auch deutlich sichtbar im Osten markiert. An diesem Tag war zum ersten Mal wieder das Gestirn der Plejaden am Abendhimmel zu sehen, jene 7 Schwestern die unermüdlich von Orion verfolgt wurden. Bereits in der frühen Geschichte der Menschheit wurden sie durch ihren Frühaufgang im Frühling zu Zeitmarkern, die das erneute Aufblühen der Natur ankündigten.

Um 500 BC, Wiederauftauchen der Plejaden am Abend des 11. November. erste Sicht in Ostrichtung

Mit der patriarchalen Erfindung der Martinsgans werden, zumindest symbolisch, die alt- en Symbole antiker Fruchtbarkeitsgöttinnen geschlachtet und sie damit aus dem Be- wusstsein verdrängt. Dieses hemmungslose Schlachten im Vorfeld der Martinstages hält bis heute an.

Bilder: Wikipedia / Der heilige Martin und der Bettler (El Greco, 1597/99, National Gallery of Art, Washington D.C.)El Greco – 1. The Yorck Project (2002) / Eine gefiederte Bande (Adolf Schmidt), Adolf Schmidt (1827 Dresden – 1880 München) – Düsseldorfer Auktionshaus, Simulation stellarium