Der Ipf – ein Berg der Sterne

Die Projektion des Himmels auf Bildern wie denen von Lascaux war wahrscheinlich der Beginn einer Vorstellung die den Kosmos als Ganzheit begriff. Sie trug dazu bei. die Geometrie des Himmels auch auf der Erde abzubilden und damit einen Gleichklang von Formen zu erhalten. Die Aufteilung der Gaue im alten Ägypten bietet einen ersten Anhaltspunkt dafür, dass bereits dort ein System existierte bei dem das Land ent-sprechend den Himmelsgestirnen aufgeteilt wurde, Nach den Untersuchungen des Astronomen Andis Kaulins verweist die ägyptische Hieroglyphe ´sp3t`, die mit `Gau` übersetzt, auf die Existenz eines Bodenhimmelsystems, denn die fast identische Hiero-glyphe `sb3t´ wird mit Stern übersetzt. Dabei entsprachen die unterägyptischen Gaue den Sternen unterhalb der Sonnenbahn und die oberägyptischen Gaue denen oberhalb der Sonnenbahn. Wie Kaulins die Entstehung von geographischen Namen in Afrika schlüssig von Sternbildern herleiten konnte, lassen sich diese auch in unsren Breiten viel eindeutiger unter der Einbeziehung der einst auch hier verwendeten Bodenhimmel bestimmen. In der Zeitschrift Einhorn Nr. 149 schreibt Michael Rau über die Suche nach der Abstammung des Namens Ipf, die sich im Dunkel der Geschichte verliert. In Urkunden taucht es zum ersten Mal auf einer römischen Karte als Ortsname `opie´ auf. Am Ende seiner Analyse kommt Rau zum Schluss, dass sich der Name des Berges auf den Wortstamm `op´ zurückführen lässt, dessen Wurzeln im indogermanischen Sprachraum liegen. Dort wurde das Wort `op´ in seiner Bedeutung als `ok´ verwand und stand für `ins Auge fassen oder blicken´. Durch diese geschichtliche Entwicklung sieht Rau den eigentlichen Ursprung des Namens in einer Zeit die weit vor der keltischen Epoche liegt. Doch die nähere Betrachtung der Geometrie der heute noch erhaltenen Anlagen auf dem Ipf bestätigt Raus Vermutung. Eine erste Besiedlung des Ipf- Plateaus wird in der Jungsteinzeit vermutet, also einem Zeitraum von 3000 v. Chr. Bis 1800 v. Chr, wobei die Wallanlagen für ein Zeugnis keltische Kultur gehalten werden. Bei der Größe der Anlage ist zu vermuten, dass der Umriss einem konkreten Bild folgte das ihren Zweck überhöhte. Bei einem Vergleich mit Sternbildern des Nordhimmels ergibt sich die sinnfälligste Über-einstimmung in Geometrie und Zeit beim Sternbild Bärenhüter Er ist ein auffälliges Sternbild mit Arktur, dem hellsten Stern des Nordhimmels, das dem Sternbild des Großen Bären als zirkumpolares Sternbild folgt. Bei den Römern wurde der Bären-hüter, auch Bootes der Ochsentreiber genannt der sein Gespann immer im Auge behält. In seinen Händen hält er eine Sichel, einen Hirtenstab oder eine Lanze. Eine Erklärung der Entstehung der Sternbilder großer Bär und Bärenhüter bietet die griechische Mythologie mit der Legende von Kallisto, der schönen Tochter des Lyakon. Bereits in der Antike gehört der Bärenhüter zu den 48 Sternbildern die vom griechischen Mathematiker und Astronom Claudius Ptolemäus beschrieben wurden. Doch in der Antike gebräuchliche Name des Hauptsternes lautete im Griechischen ursprünglich: Arktophylax. Reinhard Klokow schreibt in der Neuauflage von Philipp von Zesens Schriften über Arktophylax und Arkturs. Er sieht in den Begriffen gleichbedeutende Wörter für den Aufseher des Großen Bären. Als Wortstamm sieht Klokow die Herkunft in dem aus der altgriechischen Sprache stam-menden Wortes `σκοπέω´, das mit sehen, vorsehen und kümmern übersetzt wird. Es sind die Haupteigenschaften des Bärenhüters, der das vorauseilende Sternbild des Großen Bären immer im Auge behält. Wird das Sternbild des Bärenhüters auf den Grundriss der Wallanlagen projiziert, zeigt sich, dass nun sämtliche Umrisslinien über Geraden durch die Sternmittelpunkte oder deren Parallelen konstruiert werden können. Dabei über-nehmen die Sterne die Rolle von Geometerpunkten die die Grundlage der Konstruktion bilden. Auch für die mäandernde Großform auf dem Plateau lässt sich durch Näher-ungskreise, deren Mittelpunkte durch die Visierrichtung der Großen Mondwende Süd be-stimmt werden, eine Antwort finden. Da das Sternbild sich konstant um den Himmelspol dreht, stellt sich nun die Frage nach dem Zeitpunkt, in der das Bild auf den Boden projiziert wurde. Eine Simulation zeigt, dass es im Zeitraum um 3900 v. Chr. um Mitternacht, am Tag der Wintersonnenwende so am Nordhimmel zu sehen war, Als markante Figur am Nachthimmel kündete sie den Beginn des neuen Jahres an. Die erste zeitliche Einschätzung der Besiedelungsgeschichte des Ipf bestätigt sich also durch den Boden-himmel auf dem Berg. Doch diesem Umriss liegt nicht nur eine Momentaufnahme des Nachthimmels zugrunde in der sich der Code der Entstehung verbirgt, sondern auch noch ein weiterer Zeitpunkt. Der Bärenhüter zeigt beim ersten wichtigen Fest des neuen Jahres, dem späteren keltischen Imbolc am 01.02, dem Tag in der Mitte zwischen Wintersonnen-wende und Frühjahrsäquinox eine weitere Übereinstimmung mit dem Grundriss in nördlicher Richtung.

Wie wie aus den Betrachtungen ersichtlich wird, ist die Geometrie der Wallanlagen auf dem Ipf nicht durch Gesichtspunkte der Verteidigung oder der örtlichen Gegebenheiten bestimmt, sondern allein durch die Lage und die Geometrie des Sternbildes Bärenhüter an zwei wichtigen Tagen. Da das Sternbild diese Position in der Folgezeit an diesen Tagen nicht mehr einnimmt, wäre es nicht nur der Schlüssel für die Entstehungszeit der Anlagen, sondern der Grund für den Namen Ipf. Er liegt im `Sehen´ des Bärenhüters, eines der wichtigen Sternbilder einer bäuerlichen Kultur der Jungsteinzeit.

Ipf neu A be

Ipf –  Sternbild Bärenhüter um 3900 v. Chr, am 21.12  um 24 Uhr

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