Der Stuifen Teil 2 – ein Jenseitsberg

                                             Das Stuifenplateau mit dem Horn

Als höchster der Drei Kaiserberge hat der Stuifen die außergewöhnliche Gestalt eines Tafelberges mit einem nach allen Seiten asymetrisch sitzenden, markanten Horn. Auch der Stuifen gilt in der geologischen Forschung als ein Zeugenberg, der den einstigen, weiter nördlichen Rand der Schwäbischen Alb dokumentieren soll. Vor ungefähr 120 Millionen war die schwäbischen Schichstufenlandschaft noch eine ebene, erhabene Fläche, die erst durch das Aufschieben der afrikanischen Landmasse auf die Eurasische Kontinentalplatte nach Südosten kippte. Zahlreiche Trockentäler auf der Alb zeigen noch dass Flüsse durch das Kippen der Platte ihre Richtung wechselten. Über die eigentliche Entstehung herrscht auch heute noch keine Einigkeit und auch für Rückwanderung der Schwäbischen Alb in einem über Jahrmillionen dauernden Prozess gibt es nur spärliche Belege , wie das in einem der Tuffschlote des Schwäbischen Vulkan bei Scharnhausen gefunden Weißjuragestein. Die charakteristische Form des Stuifens mit einem nahezu exakten Längen und Breitenverhältnis von 2 zu 1 wird heute mit einem Grabenbruch erklärt, der als Schwäbisches Lineament in die Geologiebücher Einzug hielt. Eine Gesteinsabsenkung und die dabei entstehenden Scher- und Druckkräfte sollen die Ursache des Berges gewesen sein. Bis zum 19.Jahrhundert war der Berg , wie auch die beiden andren Berge nur mit spärlichem Gestrüpp bewachsen und dienten der Ziegenhaltung.Allein dies lässt auf einen massiven Kern schließen der einer längren Erosion widerstand. Erstaunlicherweise sind auch beim Stuifen die für den Weißjura typischen, gebankten Kalkschichten in Höhen zu finden, in denen sie auf Grund der Neigung der heutigen Alb nicht auftauchen können. Doch diese geologische Anomalie ist nicht die einzige die bei der Betrachtung des Berges auffällt. über den die Geschichte kaum etwas zu berichten weis. Auf dem nur ein seinen Stirnseiten zugänglichen steilen Berg gab es nie Erzählungen über eine Fluchtburg oder einen Herrensitz, wie sie von den beiden benachbarten Bergen Graneggle ud Rechbergle exsistieren. Wie sein eigen-tümliches Profil mit dem auf der Tafel einseitig aufgesetzten Horn zeigt auch der Name Stuifen eine ungewöhnliche Verbindung zweier Silben. Der Name Stuifen klingt zwar ähnlich wie das heutige Wort Stufe, das die Verwandtschaft zum Begriff Stufenlandschaft andeutet. Doch in Grimms Wörterbuch wird das Wort Stufe aus dem althochdeutschen Wort ´stoufe abgeleitet. Dieser´Begriff ist jedoch zweifach besetzt und kann auch für Trinkbecher stehen. Hier stellt sich die Frage weshalb bei der scheinbar klaren Ausgangs-lage die Silbe `ui´ in den Namen integriert wurde. Eine Erklärung bietet das althoch-deutsche Wörterbuch von Gerhard Koebler. Das Wort `ufir´wird hier mit emporsteigen oder auferstehen übersetzt. Durch eine Verbindung beider Worte ergäbe der Name Stuifen einen Sinn: Der Ort des Emporsteigens. Viele Tafelnerge, die meist auch als Zeugenberge gelten, sind durch Funde als frühgeschichtliche Kultorte belegt. Dass auf dem Plateau des Stuifen einst ein Kultort war bestätigt eine geomantische Analyse, denn unweit des neu erstellten Stuifenkreuzes finden sich die ersten Reihengräber. Zu Gruppen zusammen-gefasst zeiht sich die Anlage über das gesamte Plateau. Durch den jahrzehntelang wachsenden Baumbestand sind die Gräber in den Kalkstein gehauenen Gräber mittler-weile bis zur Unkenntlichkeit mit Biomasse überdeckt. Für das bloße Auge sind sie nur an vereinzelten Erdeinbrüchen am Rande der Vertiefungen zu erkennen, Diese Anlage, die ungefähr 220 Gräber umfassen dürfte, ist der eigentliche Grund für den Namen. in dem Stufe und emporsteigen vereinigt sind. Er zeigt die damaligen reiligiösen Vorstellungen, in denen ein leichterer Übertritt in die Jenseitswelt vom Plateau des Stuifen aus für möglich gehalten wurde. Dieser Friedhof war wohl auch der Grund, dass die benachbarte Reiterles Kapelle zum Ort der düsteren Sage einer wilden nächtlichen Jagd gemacht wurde. Diese Sage, die mit ihren Bildern an die Wilde Jagd des obersten germanischen Gottes Wodan in der Zeit der Rauhnächte erinnert, verlieh der Landschaft um den Stuifen einen verwunschen Charakter, der Menschen von ihm fernhalten sollte. Aber trotz allen Anstrengungen, die Landschaft so durch Bewaldung zu verändern, dass auch die letzten Spuren der Geschichte verschwinden, ist im Namen des Berges der Rest jener Vorstellungen noch vorhanden diie einst zu der Anlage eines Friedhofes auf dem Stuifen und einer Siedlung an seinem Bergfuß führten.

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