Die Limburg – Der Kopf des Drachen

Wie bei vielen Bergen der Goldenen Landschaft rankt sich auch um die Limburg bei Weilheim an der Teckjeine Sage. Sie erzählt von einem gefräßigen Drachen der einst in einem Felsenloch auf der Limburg hauste. Auf seinen zahlreichen Beutezügen fraß er die Bewohner in der Umgebung auf. Von der dauernden Todesgefahr mürbe gemacht, zogen viele Menschen aus der Gegend von Welheim und der Limburg weg. Als der Kaiser von diesem Unglück hörte und kein Ritter bereit war, den schrecklichen Drachen zu töten, befahl er jeden Tag per Los zwei Menschenopfer zu bringen, um den Drachen zu besänftigen. Eines Tages traf das Los die schöne Tochter des Kaisers. Und obwohl der Kaiser große Macht hatte, konnte er ihr nicht helfen und seinen vorher gegebenen Befehl aufheben. Im Land kehrte große Trauer ein. Als das Mädchen aber geopfert werden sollte, eilte ein fremder Ritter auf einem Schimmel herbei. Nach einem langen Kampf gelang es dem Ritter mit seiner Lanze das Herz des Drachens zu treffen und diesen zu töten. Das Volk brach in Jubel aus, und ehe sie sich fragten, wer dieser Ritter sei, ist dieser in aller Stille verschwunden. Man hat nie erfahren, wer dieser Ritter war, die einen sagen es wäre der Heilige Georg gewesen, die anderen meinen der Erzengel Gabriel hätte die Menschen vom Schrecken des Drachen befreit. Aus Dankbarkeit bauten die Menschen dem Ritter zu ehren eine Kapelle auf dem Gipfel der Limburg. In Urkunden wird die um 1060 erbaute Hügelburg erstmals im Jahr 1077 urkundlich erwähnt. Die Burg gilt seitdem als Stammburg des durch den Erbauer Berthold I begründeten Geschlechts der Zähringer. Erst nach der Verlegung des Adelssitzes auf die neue Burg Zähringen im Breisgau, verschwand der Titel Graf von Lintburg. In dem Name ist der indogermansche Wortstamm `lint´ deutlich zu erkennen. Hier wird es noch als Lindwurm oder Schlange übersetzt, während es in der späteren althochdeutschen Sprache zur Linde wird. Doch im Kampf Siegfrieds, der den Drachen Fanfir unter einer Linde tötet, wird der alte Bezug zum Ursprung des Wortes wieder sichtbar. Die Limburg ist mit ihrem Basaltkern Teil des schwäbischen Vulkans, der vor 17. Millionen Jahre im Umkreis von Bad Urach einige Bergkegel wie die Limburg und zahlreiche Vulkanschlote entstehen ließ. Eine genauere Betrachtung des Berges zeigt, dass er zusammen mit dem benachbarten kleineren Egelsberg und der Südspitze des Reutenberges ein gleichschenkliges Dreieck bildet, das einen Öffnungs-winkel von 100° Grad besitzt. Beide Seiten des Dreiecks liegen auf Linien die zum Sonnenaufgangs – und Untergangspunkt während der Winter-sonnenwende weisen. Vom Egelsberg aus betrachtet, liegt die Limburg exakt in der Richtung des Sonnenaufganges am Tag der Winter-sonnenwende, während vom Reutenberg ausgesehen, der Sonnen-untergang über der Limburg erfolgt, Im Althochdeutschen Wörterbuch von Gerhard Koebler findet sich das Wort ´eggo´, das mit sieh oder also seht übersetzt wird. Dieser Wortstamm wäre dann auch eine sinnfällige Erklärung für die eigentliche Funktion des Berges: Die Beobachtung und Feier des Sonnenaufganges. Nicht nur die exakte geometrische Ausrichtung des Egelsberges zu den beiden anderen Anhöhen weckt Erstaunen, sondern auch ihre Maßbeziehungen. Während die beiden Eckpunkte des Dreieckes Egelsberg und Reutenberg 3425m entfernt sind, sind sie zur Spitze auf der Limburg jeweils 2228m entfernt. In das im Altertum verwendete Urmaß der Nippur Elle umgerechnet, wären dies Entfernungen von 6600 und 4300 Ellen. Beide Werte beinhalten die symbolischen Zahlen 6, 3, 4, sowie auch die im Winkel enthaltene Zahl 100. In der Wintersonnenwende vollzog sich das alljährliche Schauspiel, in der die Dunkelheit wieder vom zunehmenden vom Licht besiegt wurde. Wie das indogermanische Wort `Lint´ ,lässt sich auch die Drachen-mythologie bis auf orientalische Ursprünge zurückverfolgen. Hier galten Drachen als Bewacher der Quelle des Lebens und beschützten ihren Ursprung. Wie das Höhlenmotiv der Sage schon andeutet, muß in der Frühgeschichte dieser Quell in der Limburg gesehen werden, Als Vulkanschlot bot er die Verbindung zur Wurzel des Weltenbaumes der Erde, aus der er entwachsen war. Vor diesem Hintergrund wird aus der Luft betrachtet, der eigentliche Grund der überlieferten Sage klar. In der jüngeren Eisenzeit, etwa um 900 v. Chr. nahm das Sternbild Drache am keltischen Feiertag der Toten, Samhain, genau die Position ein die es mit der Landschaft verband. Der Kopf des schützenden Drachens lag auf dem Plateau der Limburg, während der Hals sich über den Reutenberg legte und sich sein Körper über den Egenfirst, den Butzenberg und Erckenberg schwang. Im Namen Butzenberg, in dem noch das altdeutsche Wort Butze, ´Schreckgespenst steckt, ist die Transformation des Drachen zur dämonischen Figur ebenso zu erkennen wie beim Name Reutenberg. Hier scheint das germanische Verb ´reutan´ durch, das mit mit brüllen oder schreiben übersetzt wird. Nur im Erkenberg tritt die ursprüngliche Bedeutung des auf den Boden projizierten Zeichens noch zu Tages. Hier ist das althochdeutsche Wort `erknaz´, erhaben heilig noch zu erkennen. Eine dem Drachen ursprünglich zugeordnete Eigenschaft. Nur die Lindach, die entlang der Höhenlinie Richtung Weilheim fließt, trägt den Namen des Lindwurmes unverblümt zur Schau. Aus diesem Grund dürfte auch der in der Nähe des Reutenberges liegende Drackensteiner Hang seinen Namen erhalten haben.

Auf Grund der Maßbeziehungen und den Fixpunkten für die Sonnenbeobachtungen kann die Limburg bei Welheim also ursprünglich keine Fliehburg gewesen sein, wie vielfach vermutet wird. Sie muss Teil einer monumentalen frühgeschichtlichen Zeremonialanlage gewesen sein, deren Zentrum im Kopf des Drachen lag. Erst in christlicher Zeit wurde dieses Symbol umgedeutet und wie an vielen anderen Orten auch, durch die Legende des Heilgen Georg, dem Drachentöter ersetzt. Ihm wurde einst auf dem Plateau der Limburg die in der Sage erwähnte kleine Kapelle errichtet um die Spuren der Vergangenheit auszulöschen. Doch die Namen und die Geometrie der Orte sind Teil eines kollektiven Gedächtnisses, das einen Blick zurück in ihre Geschichte erlaubt.

Limburg - Drache

Limburg – Drache

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