Geisberge

Viele Berge sind mit Sagen verknüpft, in denen ihre eigentliche Geschichte verschleiert zum Ausdruck kommt. So sind auch die Drei Kaiserberge zum Gegenstand von Sagen geworden. Nach einem Streit unter Riesen soll Gott selbst den Hohenstaufen erbaut haben, der Geist eines Klopfers treibt sich auf Rechberg herum und am Stuifen ist der Geist eines Hauptmannes mit seinen kopflosen Hunden durch eine Kapüelle verbannt worden.

Doch auch der Name Drei Kaiserberge selbst, der im 19. Jahrhundert zur besseren Vermarktung des einsetzenden Tourismus geschaffen wurde ist Gegenstand von Spekulationen Sicher ist in erster Linie das Geschlecht der Staufer für den Namen verantwortlich, dessen Glanz auf die andren beiden Berge stahlen sollte. Vielfach wird der Name aber als Hinweis verstanden, dass in den weithin sichtbaren Erhebungen drei Vorzeitkaiser ruhen sollen. Doch der Name Kaiserberg zeigt wie viele Namen eine Überlagerung mehrerer Bedeutungen

Eine Spurensuche führt zum Gaisberg in der Nähe von Salzburg. Um 700 n. Chr, wird der Berg mit Keizprch und Gaisloperch erwähnt. Über die Herkunft des Wortes herrscht Uneinigkeit. Während einige Sprachforscher das Wort aus das indogermanische Wort `ghaido´ die Ziehe zurückführen sehen andere den Ursprung im keltischen Wort gais, das heilig oder tabu bedeuten soll. Doch Obermüllers Deutsch- Keltisches Wörterbuch von 1872 weist für das Wirt `gais´ oder `gos´, die Übersetzungen weiss und grösser aus. In der vergleichenden Grammatik indogermanischer Sprachen von A. Meillet findet sich für unter dem Wort heilig die Übersetzung hagó und für das Wort ziege die Übersetzung ajáh,

Eine bessere Erklärung bietet sich im Heinrici summarium, einem lateinischen Schulkompendiums des 11. Jahrhunderts. Hier wird neben dem Wort geiʒ auch gleichbedeutende lateinische Name `capra` und `capella´ genannt. Die Ziege könnte also doch der eigentliche Ursprung für die Namen der Gais-, Gois- oder Kaiserberge gewesen sein.

Enki mit Ziege

Der sumerische Stadtgott Enki

Bereits der sumerische Gott Enki, der Herr der Erde, der als Gott der Handwerker, Künstler und Magier galt, wurde immer mit einer Ziege dargestellt. Auch mit dem obersten Gott der griechischen Mythologie ist eine Ziege verknüpft, denn die Nymphe Amalthea zog ihn mit der Milch einer Ziege auf. Diese Legende wurde später auch in der römischen Mythologie übernommen. Gerade diesen obersten Göttern wurden bei wichtigen Feiertagen Ziegenopfer dargebracht. Im Gegensatz zum Gaisberg bei Salzburg, wo die Spuren in die Vergangenheit noch eindeutiger zu verfolgen sind, überlagerte sich beim Name `Drei Kaiserberge´ die ursprüngliche Bedeutung.

Gaisberg

Der Gaisberg bei Salzburg

( in einer ähnlichen Perspektive wie der Rechberg aus Süd-Westen )

Die Bezeichnung `Gaisberge´ steht für eine langandauernde Ära, in der Anhöhen errichtet, oder Berge zu `Götterberge´ umgeformt wurden. Erst im 16. Jahrhundert, mit dem Verschwinden der moundbuilders in Nordamerika fand sie ihr Ende. Dass die Berge am Ende abwertend nur als Ziegenberge bezeichnet werden, verbindet sie in ihrer Namens-gebung durchaus mit anderen Epochen. So entstand der Begriff Wort Barock aus dem portugiesischen Wort `barroco´, das mit schief und merkwürdig übersetzt wird. Auch das Wort Gotik galt noch bis zum 18.Jahrhundert noch als Inbegriff des schlechten Stiles. Den Begriff hatte der Kunstschriftsteller Giorgio Vasari um 1540 geprägt. Schon das italienische Wort ´gotico´ (barbarisch) deutet an, dass für Vasari die klassische antike Kunst der barbarischen nördlichen weit überlegen war.

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Ein Gedanke zu „Geisberge

  1. Hi, sehr schöner Blog, gefällt mir prima.
    Ich denke Keizprch und Gaisloperch stehen für Geis´le-Perch und Geiser-Perch
    Perchten ist ein alter österreichischer Brauch bei der fantasievolle Tiergestalten sowas wie Geister darstellen. Die aus der Zwischenwelt Auslauf kriegten (auf der Pirsch waren), mit den Leuten Schabernack trieben und nach einigen Tagen wieder in die Zwischenwelt zurück mussten. So eine Art Knecht Ruprecht/wilde Horde.
    Da es spezielle Perchtgestalten für Ziegen und Steinböcke gibt und jedes Tal andere Perchtgestalten entwickelte, hat man sich hier wohl für Ziegen entschieden.
    Vielleicht gabs da auch noch eine Legende von Ziegen und seinem Almhirten dazu.

    Gaisloperch klingt eher wie Ostgermanisch, vielleicht ein Überbleibsel von Goten, Langobarden, Sueben, Gepiden, Thüringer – keine Ahnung wer da unterwegs war. Das zweite ist wohl eher Westgermanisch also fränkisch, bayrisch würd ich sagen. Die sprachen etwas härter.
    Ich würde das eher ins Mittelalter platzieren, so 8-12 Jhd. vielleicht oder sogar noch später.

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