Der Rosenstein – ein Observatorium Teil 3

Unter den bekanntesten `Sonnenlöchern´ in den Alpen ist die Mittags-scharte am Untersberg und das Martinsloch am Tschingelhorn über der Gemeinde Elm in Graubünden zu erwähnen. Dort leuchtet der Mond alle 18,6 Jahre am Beginn des Frühliungs durch das Fenster und 12 Stund- en später folgt ihm die Sonne.

Martinsloch 02

Das Martinsloch

In früheren Zeiten wurde die Wintersonnenwende als die tiefste Nacht des Jahres bezeichnet. Noch in der althchdeutschen Sprache hieß sie die ´Modra-necht´, die Mutternacht. In dieser Nacht gebar die Göttin tief in der finsteren Erde, in der stillsten aller Stunden das wiedergeborene Sonnenkind. Mit den ersten Strahlen, die aus dem Rosenstein drangen kündigte sich dieses Kind an. In allen alten Kulturen wurde diese Wied- ergeburt des Liichtes gefeiert. In Ägypten war es Isis die das Horus Kind gebar und im römischen Reich verkündete der von römischen Legionär- en aus Persien importierte Mithraskult den gleichen Gedanken. Mit ihm wurde die Wintersonnenwende zum Staatsfeiertag im Römischen Reich erhoben und der Geburtstag des `sol invictus´, der unbesiegbar- en Sonne.gefeiert.

Sol Invictus

Darstellung Sol Invictus

Maria, in Gestalt der `Schmerzhaften Mutter´, der Mater Dolorosa, die sich zeit ihres Lebens um ihren Sohn sorgt, bildete mit der auf dem 8. September verlegten Geburt nun den Gegenpol zum Sonnenkind das im Graben des Rosenstein erschien. Dieser auf den September gelegte Tag beruht auf der theologischen Erklärung für die Erlösungsbedürftig- keit des Menschen. Der im 13. Jahrhundert lebende Franziskanertheol- oge Johannes Duns Scotus sah Maria schon vor ihrer Geburt von der Erbsünde befreit und schreibt über sie : `Maria ist die Ersterlöste der Schöpfung und im Hinblick auf Jesu Verdienste von der Erbsünde befreit´. 1477 war mit der durch Papst eingeführten Erhöhung Marias zur Immaculata, ihre theologische Entwicklung abgeschlossen. Ihre Feste am 8. dem 12 und auch dem 15. September ersetzten nun das früher gefeierte Fest des Herbstäquinox. Dies war der Feiertag der Herbst Tag-und Nachtgleiche nach, der der Hauptteil der Ernte zu leisten war. Damit wird auch die Funktion der paralell zur wachsenden Marienverehrung aufgetauchte Figur des Hainricus miles de Rosen- steain offensichtlich. Grimms Wörterbuch weist den Namen `Heinricus´ als Nachfolgename für Heimerich aus, den reichen Herrn. Er verkörp- erte die neue Macht, wenn auch nur auf dem Papier. Mit dem Zusatz `Rosenstain´ zeigt er in welchen Händen sich die alte Kultstätte nun befindet und dass sie nun ebenfalls zum neuen theologischen Pro- gramm Marias gehört. Zwar enthielt die Sage noch den Gedanken der Sonne, doch im Kern solte sie durch ihre Abschreckung jede Erinner- ung an die alte Funktion unterbinden.

Rosenstein PostkarteRosenstein um 1915

An dieser Stelle stellt sich die Frage der Entstehung dieses Grabens. Die Gabungen zwischen 1904-1906 , die vom Pionier der prähistor- ischen Forschung im Südwesten, Friedloch Hertleins durchgeführt wurden, zeigten einen weitläufiges Wallsystemm am Fuß des Rosen- stein, im Stil des von Cäsar beschrieben Murus Gallicus. Teile dieser Anlage wurden auf die Zeit um 1500 v. Chr. datiert.Doch bereits Hert- leins Knochenfunde in der an der Ostspitze des Rosenstein gelegen Großen Scheuer zeigen dass das Plaeau seit dem Neolithikum be- siedelt war.

Dass die astronomisch präzis ausgerichteten Bergöffnungen wie das erwähnte Martinsloch rein zufällig enstanden sind, scheint kaum glaubhaft. Eher ist der Grund in einer frühen Entwicklungsphase der Astronomie während des Mittelneolithikums zu suchen, als in Mittel- europa zahlreiche Sonnenobservatorien entstanden. Die Eintiefungen in den Felsen waren Orte  eines Sonnenkultes und  dienetn zugleich der  Kalenderrechnung.

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