Pfullinger Sagenwelt – der Ursulaberg Teil 1

Wenn die Nebel Schleier weben.
Um Gebirg und Flur,
Regt in der Natur
Sich ein anderes Leben.
Mit dieser Strophe beginnt ein Gedicht Gusatv Schwabs in dem er die Sage vom Ursaulaberg verarbeitet. Gerade diese Sagenwelt bietet ein Fülle von Möglichkeiten die alten Bezüge der Landschaft wieder zu re- konstruieren. Dies zeigt, dass die Orte, die damit verknüpften Namen und Handlungen nicht zufälliger Natur waren. Meist verfolgten sie einen erzieherischen Zweck der auch eine abschreckende Wirkung entfalten sollte , sich dem Orte nicht mehr zu näheren. Erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Intention der Sagen. Der Historiker Klaus Graf sieht ihm aufkeimenden schwäbischen Patriotismus mit einen Grund für die wachsende Beliebtheit in jener Zeit In der verklär- enden Romantik erkennt er er kennt er auch das Bestreben sich auf volkstümliche Werte zu konzentrieren, die als Gegenpol zum wachs- enden Militarismus und der Bürokratie dienen. Von Region zu Region ist die Fülle an überlieferten Sagen recht unterschiedlich und zumeist wen- igen Forschern oder Literaten zu verdanken die sie zu Papier brachten.

urschlenberg Pfullingen

`Urschlenberg´ Pfullingen

Sicher waren es die zahlreichen Burgen, Felsen und Berge die den Raum um Pfullingen zu einem Gebiet machten, dessen Sagen nicht ohne Grund zu den bekanntesten Volksagen zählten. Unter ihnen zählt der Sagenkreis um den Ursulaberg zu den beliebtesten. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort urus, der Bär ab und bedeutet mit dem Suffix `ula´ die kleine Bärin. Damit gleicht er dem keltischen Name Artula, dessen Ursprung artos im griechischen Wort für Bär liegt. Währ- end des frühen Mittelalters trug die Legende der heiligen Ursula, die durch irische Mönche in den deutschen Raum importiert wurde, zur Verbreitung des Namens bei. Sie war eine britannische Königstochter, die ihr Leben Christus geweiht und Jungfräulichkeit gelobt hatte. Als ihr der heidnische König Anglia einen Heiratsantrag stellte macht sie dessen Taufe und eine dreijährige Frist zur Bedingung. In der Zwisch- enzeit reist sie mit ihren Begleiterinnen nach Rom, wo sie die Prophe- zeiung eines Martyriums erhält. Auf der Rückreise gelangt sie nach Köln, das von Hunnen belagert wird. Als sie sich deren Fürsten ver- weigert wird sie der Legende zufolge brutal ermordet. Doch dann sollen 11000 Engel das Heer der Hunnen in die Flucht geschlagen haben. Aus diesem Grund wird Ursula in Köln am 21. Oktober als Schutzheilige verehrt. Auch die Flammen im Wappen der Stadt erinnern noch an das Eingreifen der himmlischen Heerschar. Im Volksmund heißt der Berg jedoch immer noch der Urschelberg, das einer Verballhornung des Namens gleicht.

Heilige Ursula

Heilige Ursula
Ein Berg ähnlichen Namens gibt es bei Eisenach in Thüringen der dort im Volksmund Hörschelberg genannt wird, der Hörseelenberg. Er wird auch das Umwohnern das Nachtfräuleinsloch genannt, in dem die alte Spinnenfrau vom Hörseelenberge wohnt. Auch im Ursulaberg soll ein weiblicher Geist wohnen der einst einen Pfullinger Bürger verführte. Als der von dem Schatz im Berg hörte entschloss er sich eines Nachts die Höhle aufzusuchen. Dort erschien ihm der Geist in Gestalt einer Nonne, und lud ihn ein, mit ihm drei Nächte hintereinander zu speisen, ohne sich zu fürchten, und ohne einen Laut von sich zu geben. Dann so pro- phezeite ihm der Geist werde er erlöst sein und er den ungeheuren Schatz erhalten.
In der ersten Nacht erschien der Geist in seiner gewöhnlichen Gestalt als Nonne; der Pfullinger Bürger schmauste ohne Furcht und Rede bei ihm. Doch in der zweiten Nacht erschien aber statt der Nonne eine  gräs sliche Schlange vor dem wohlbesetzten Tisch und bäumte bäumte sich vor ihm auf während sie zischend von den Speisen leckte Der Mann überwand sein Grausen, und unterdrückte den Schrei des Ent- setzens, der über seine Lippe wollte; des Morgens kehrte er zur Stadt und in sein Haus zurück. Als aber die dritte Nacht heran kam, die das Abenteuer enden sollte, da fand man ihn tot auf seinem Lager: der Schrecken der zweiten hatte ihn umgebracht. Drei Motive die die hier zu einem Schreckensszenario verarbeitet wurden, waren in vorchristlicher Zeit Attribute einer weiblichen Gottheit: Die Höhle, die Schlange, sowie der reich gedeckte TIsch der hier als Symbol der erwachenden Natur gelten kann. Mit der Georgslegende, dem heiligen Schlangentöter, ver- bindet das Motiv der Schlange den Ursulaberg mit dem Georgenberg bei Reutlingen. Betrachtet man den reichgedeckten Tisch den der Pfullinger Bürger während den drei Nächten zu Gesicht bekam als Datum, so offenbart sich ein Konzept aus Sonnen- und Mondvisuren die einem gleichschenkligen Dreieck entsprechen. Die Eckpunkte dieses Drei- eckes werden durch den bereits erwähnten Georgenberg, dem Ursulaberg und dem Drackenberg bestimmt.

Pfullingen Sagenweg

Pfullingen, Sagenweg

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