Der Bernhardus – die Höhensiedlung

Noch immer erfeut sich die Wallfahrt auf den 774m hohen Bernhardus einer großen Beliebtheit. Auch hier spricht die Legende von Wundern die sich einer Kapelle auf dem Berg ereignet hätten. Deshalb wurde nach dem Beginn der ersten Wallfahrt 1728 mit dem Bau der Wallfahrtskirche St. Bernhardus begonnen, die sich nach ihrer Fertigstellung 1733 zu einem überregionalen Anziehungspunkt entwickelte. Nach einer Hungersnot Ende des 17. Jahrhunderts litt der Patronatsherr der Pfarrei auf dem Rechberg, Maximilian Emanuel von Rechberg, unter einem finanziellen Engpass, so dass das Bistum in Konstanz die Wallfahrt trotz großer Proteste der Bevölkerung auf den Rechberg verlegte. Der heilige Bernhard von Clairvaux, der um 1090 auf der Burg Fontaine-lès-Dijon geboren wurde, war einer der bedeutensten Mönche des Zisterzienserordens. Doch trotz seiner Verdienste für den Orden war er eine zwiespältige Person, denn mit  seiner Rhetorik entfachte er am Beginn des 11.Jahrhunderts bei allen Gläubigen Stürme der Begeisterung für die Kreuzzüge, die im Jahr 1095 mit dem Aufruf Papst Urbans II begannen. Mit seinem Brief 457, der sich im Jahr 1147, in ganz Europa verbreitete, rechtfertigte er als erster die Gewaltmission der Kreuzritter in Palästina. Doch der andere Teil seiner Person widmete sich ganz der geistigen Welt, wo er sich den Ruf des `Doctor marianus´, eines der großen Mariologen des Mittelalters erwarb.  In Briefen und Predigten beschäftigte er sich mit der Mutterschaft Marias, deren theologische Entwicklung im frühen Mittelalter ihren Höhepunkt erreichte. Im frühen Mittelalter bot die Marienverehrung der Zisterzienser einen ideales Gegengewicht, um die alten, noch aus der Römerzeit stammenden Matronenkulte entgültig zu ersetzten.

st. Bernhardus Kapelle

Wallfahrtskapelle St.Bernhardus

Auch auf dem Bernhardus erfolgt die Errichtung der Kapelle, wie es oft bei Kapellen im Alpenraum noch heute festzustellen ist, auf einer Höhle, die wahrscheinlich einst den Kultort begründete. Doch bei der Errichtng wurde nur ihre physikalische Eigenschaft in Anspruch genommen, denn die vom Gestein ausgehende Störstrahlung sollte die Gläubigen während des Gottesdienstes wachhalten. Einen ähnlichen Gedanken verfolgten röm- ische Baumeister auch beim Kastell in Köngen, wo Legionäre am Vor- abend der Schlacht in den Teil der Anlage verlegt wurden, der über der Störstrahlung von zahlreichen Wasseradern lag. Auf dem Bernhardus nimmt der Gang ungefähr ¼ der Breite des Gebäudes ein und führt axial unter der Anlage hindurch. Er besitzt zwei Ausgänge an der Nordflanke des Plateaus, die an den  Resten eines äußeren Steinwalles im enden, der zahlreiche Wachtürme besaß. Verfolgt man dessen Spur, zeigt sich, dass der Wall einst Teil einer Höhensiedlung mit einer Fläche von ca.8ha ge- wesen sein musste. Deren religiöses Zentrum befand sich wahrscheinlich schon an dem Ort, wo heute die Kapelle steht. Der Beginn der Wallfahrt auf den Bernhardus dürfte also viel weiter zurückliegen als sie die offizielle Geschichte datiert.

Bernhardus b

Bernhardus Plateau – Wall und Höhlengang

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Ein Gedanke zu „Der Bernhardus – die Höhensiedlung

  1. Interessant zu lesen. Auch die Historie um B. Clervaux herum. Besuchte vor langer Zeit einmal die Abtei in Clervaux, luxemburgisch Clerf. Mitten in den Ardennen. Wunderschön.Beeindruckend, auch die gregorianischen Gesänge.

    Bewusst wurde auf Störstrahlungen gebaut, um die Menschen wach zu halten?

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