Pfullinger Sagenwelt – der Ursulaberg Teil 3

Die Sachsen verehrten eine Göttin Ursel (auch Horsel). Diese Bären- und Mondgöttin hatte eine Entsprechung in der griechischen Göttin Artemis. In der griechischen Mythologie war sie die Göttin der Jagd, des Waldes und die Hüterin der Frauen und Kinder. Die `Vielbrüstige´ wie sie auch genannt wurde, wurde in Ephesus dem größten Heiligtum der Arteim auch als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt. Um etwa 460, v. Chr. wurde dort mit dem Bau eines Tempels begonnen. Kurz nach dessen Brand wurde an der gleichen Stelle ein größerer Tempel errichtet, der in die Liste der Weltwunder von Antipatros auf genommen wurde. Die Heilige Ursula gilt als Gegenentwurf der Mondgöttin Ursel, was sich auch in Details der Ordensgründung der Ursulinerinen niederschlägt. So wurde der Orden im Jahr 1506 von Angela Merici zu Ehren der Heiligen Ursula begründet. Merici soll ihre Vision im Mondschein erhalt- en haben und den Orden zunächst auf 28 Mitglieder, der Zeitdauer des Mondzyklus begrenzt haben.
Der Ursulaberg eignet sich im Zusammenspiel mit dem Georgenberg hervorragend um mit Hilfe der Sonne einige wichtige Tage des Jahres zu markieren. Mit dem Lichterfest am 1. Februar, feierten die Kelten die erwachende Natur, das nach der Christianisierung zu Maria Lichtmess umgewandelt wurde. Am 22. Februar geht die Sonne über dem nördlich- sten Punkt des Berges auf, dem Tag, der in manchen Gegenden als Frühlingsbeginn gefeiert wird. Die Kirche begeht den Tag mit dem Ge- denken an die Besteigung des Bischofstuhles des Apostels Petrus. Doch der Lostag der bäuerlichen des fußt auf einer alten Tradition die während der Christianisierung umgedeutet wurde. Germanen hielten an diesem Tag eine Seelenspeisung ab und auch im römischen Reich wurde ein Stuhl für Verstorben freigehalten. `Peterstag und Damian,
Hängt der ganze Langes dran!´. heißt eine der Bauernregeln für diesen Tag und veranschaulicht dass an Petristuhl das Wetter für die kom- menden Wochen des Frühlings bestimmt werden kann. Aus diesem Grund waren die Orte auf dem Ursulaberg nicht nur Kultstätten, eines Fruchtbarkeitskultes betrachtet werden sondern zugleich als Beobacht- ungspunkte für den richtigen Zeitpunkt der Aussaat. Aber der nördlich- ste Punkt des Ursulaberges ist auch für die Sonnenbeobachtung am Tag der Wintersonnenwende geeignet, denn von hier aus kann der Sonnenaufgang über dem Ursulahochberg verfolgt werden und ihr Untergang vom Drackenberg. Als letztes und zugleich erstes Fest des Jahresrades war es die „Weihenächte“ oder die „Nacht der Mütter“ Das Yulfest wie es im Norden genannt wird, war der Inbegriff der Zuwendung des Lebens, der guten Mutter. Dies wurde im Reichtum des paradies- ischen Essens und des Feierns an diesem Tage ausgedrückt. In Diesem Sinn lässt sich auch der reich gedeckte Tisch verstehen, den der Pfullinger Bürger im Berg zu Gesicht bekam. Auch die drei goldene Schlüssel mit den drei versunkenen Schlössern lassen sich durch die Mythologie der Fruchtbarkeitsgöttin erklären, die auch noch in der Spätzeit als göttliche Triade auftrat. In der römischen Provinz Noricum dem heutigen Österreich wurde sie als als die drei Bethen Ambeth, Wilbeth & Borbeth verehrt. Erd-, Mond- und Sonnenfrau waren sie die Schenkenden des Lebens und der Gesundheit und galten auch als Beschützerinnen der Mütter und deren Kinder. Die alten Rituale waren immer mit einer Höhle verknüpft die Sage berichtet, dass der Eingang zur Urschel auf dem Hörnle am Fuß des Berges liegt. Mit dessen Entdeckung könnte ein weiterer Schritt zur Erklärung der Uschel-Sage getan werden.
Ursulaberg Sonnenvisur a

Der Ursulaberg und die Sonne

Teil 4: der Schönberg bei Pfullingen

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