Pfullinger Sagenwelt – die Gründungslegende

In der Literatur wird der Ursprung des Stadtnamens mit Phulo, einem alemannischen Stammesfürsten in Verbindung gebracht. Er soll in der Zeit der alemannischen Land- nahme, also um das Jahr 260, eine Hundertschaft angeführt haben, die die Keimzelle des heutigen Ortes bildete. Doch der Name, wie auch der Begriff Hundertschaft deuten viel eher auf eine Gründungslegende hin, wie sie seit der Antike  von zahlreichen Städten bekannt ist..
Ursprung dieser Gründungslegenden waren die griechischen Kolonien die im 5. Jhd. v. Chr. im Mittelmeerraum gegründet und deren Anführer nach dem Tod als Halbgötter verehrt wurden. Aber auch viele keltische Ansiedlungen führten ihre Gründung auf eine Verbindung einer keltischen Fürstentochter mit dem Halbgott Herakles zurück. Diesen Gründungsmythos nährt auch der Name Phulo, der eine auffällige Ähnlichkeit zum König Phulos, dem letzten der 45 Chaldäer Königen hat. Wie Phulo seinen Stamm zum neuen Ort führte, so berichtete auch der antike Geschichtsschreiber Polyhistor davon, dass Phulos sein Volk nach Judäa führte. Doch der Name Phulo verweist nicht nur auf diesen letzten mythischen König, sondern spiegelt auch eine Reihe von Eigenschaften wieder, die den Ort Pfulligen auszeichnen. Im Jahr 937 erfolgte die erste bekannte Erwähnung des Ortes unter dem Name Pfullichgouue“. Das Wort Pfullich entstand aus dem althochhoch- deutschen Wort `Phuol´ das Sumpf bedeutet. Noch heute gibt es mehre Feuchtgebiete rund um Pfullingen die an diese frühe Sumpflandschaft erinnern. Dabei wurde Sumpf in vorchristlicher Zeit keinesfalls als unwirtliche Gegend betrachtet. Nach den Erkenntnissen des schweizer Anthropologen Jakob Bachofen wurde dort den Muttergöttinnen wie der Aphrodite gehuldigt, die durch Vögel die Gans oder die Ente verkörpert wurden. Mit ihrer Fruchtbarkeit stellten sie den wachstumsfördernden Aspekt des lebensspendenden Prin- zips dar. In der germanischen Mythologie war Frigg eine der wichtigsten Göttinnen der Asen und die Tochter der Erd- und Atmosphärengöttin Fjorgyn und ihr Gatte war Odin, der Göttervater.
Sein Name schafft eine weitere Verbindung zum Wort `Phuol´, denn in dem Wort ist auch sein alter Name Phol enthalten. Der Name Phol, der mit Odin gleichzusetzen ist, wird im 2. Merseburger Zauberspruch erwähnt In diesem Zauberspruch, der in einer Handschrift aus dem 9. Jahrhundert entdeckt wurde, handelt es sich um Beschwörungsformeln aus der germanischen Mythologie die erstmals 1842 von Jakob Grimm kommentiert wurden. Phol, Odin verfügte über einen Mantel, dem Symbol des Schutzes und ritt auf seinem Zauberpferd Sleipnir. Während der Christianisierzung wurde das Bild seines Schutz- mantels übernommen und lebte in der Legende des heiligen St, Martin weiter. Neben der Sage von Wilden Jagd, die in den Raunächten vom Schemberg hinab durch die Pfullinger Heergasse reiten soll, offenbart sich hier eine weiter Spur die zum Ursprung des Namens Pfullingen führt. Die um 700 errichtete Martinskirche, die mittlerweile mehreren Neubauten weichen musste, ist die älteste Pfarrkirche Pfullingens. Sie steht nur einen Steinwurf entfernt von jener Heergasse die auf den heutigen Schönberg zuführt.Als markanter Berg prägt der das Panorama im Süden der Stadt. Wo von der Ansiedlung aus die Sonne am höchsten stand wäre nur natürlich gewesen, den Berg als Sitz der höchsten Gottheit zu sehen Wurde Phol durch durch st. Martin ersetzt, so kann das Wort Phouln in Bezug auf Pfullingen auch als ein wohlkalkuliertes Wortspiel verstanden werden. In dem neuen Name war der alte Klang zwar noch enthalten, doch mit der Bedeutung Sumpf wurde im ein neuer Inhalt vermittelt.

Odin sleipnir

Odin auf seinem Pferd

St-martin-beuron

St. Martin,  Fresko Kloster Beuron,

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