Der Salvator in Schwäbisch Gmünd

Im Jahr 1483 hielt sich er weitgereiste Dominkanermönch Felix Fabri in Jerusalem und erinnerte sich dort beim Anblick der Jakobshöhle, etwas ähnliches auf dem Eberstein bei Gmünd in Schwaben gesehen zu haben. Die Jakobshöhle gehört zu einer Gruppe von Grabmälern vornehmer Bürger aus Jerusalem , die zwischen dem Tempel und dem Öl- berg liegt. Im Stil östlich- hellenistischer Kunst errichtet, handelt es sich bei der Gruppe um acht aus dem Fels gehauene Grabmäler die wahrscheinlich Ende des 1. Jahrhunderts errichtet wurden.

Absalom Jakobshöhle

Eine erste detailliertere Beschreibung des heutigen Salvators stammt einer auf das Jahr 1620 datierten Schrift dessen Original verloren ging. Sie stammt von dem Gmünder Jurist Dr. Leonhard Friz der in seiner „Beiläufige Beschreibung des Eppersteins oder Salvatoris“ in der er über den Ort schreibt: `Soviel die Ältesten denken und von ihren Eltern und Vor- eltern gehört hätten, ist der Ort liederlich verlassen und wüst dagelegen. `Die Höhlen dort hätten sich gar zu Verstecken für Räuber entwickelt,´ schreibt e un berichtet weiter, dass trotz den Schändungen des dortigen Heiligtums noch Bilder erhalten geblieben seien. Darunter zählt in der großen unteren Höhle noch einen Altar mit einem Kreuz, sowie eine Mariendarstellung. Auf Grund einer in den Fels gehauenen Lilie mutmaßte Friz, dass es sich hier um ein Symbol der französischen Könige handelte und die christliche Kultstätte also in der Zeit des Frankenkönigs Chlodwigs um 482 entstanden sein könnte. Doch erst als der Gmünder Pfarrer Heinrich Pfeningmann am 12. April 1616 200 Gulden hinterließ zur `Reparierung´ des Eppersteins hinterließ konnte der heute bekannte Wallfahrtskirche entstehen. Bereits im Sommer 1618 konnten die durch den Bildhauer und Baumeister errichteten Altäre der Felsenkapelle geweiht werden. Der eine wurde zu Ehren des Er-lösers , St. Salvator und die er andere zu Ehren des Hl. Johannes. Vogt erbaute auch die obere Kapelle, die im Jahr 1623 geweiht wurde. 1636 fand der aus Fels gehauene Ölberg die die große Bewunderung Kaiser Ferdinand III und er gab Vogt den Auftrag eine Gruft als Nachbildung des Heiligen Grabes erstellen. Streitigkeiten zwischen dem Kaiser und der Reichstadt hinterließen eine unvollendete Gruft, die Anfang 2013 bei Sanierungsarbeiten wieder freigelegt wurde.

Salvator Postkarte

Salvator Felsenkapelle

Während Fabri noch von einem Ort berichtete der den Namen Eberstein trug, hatte er sich Name im Laufe der Jahrhunderte zum ähnlich klingen Epperstein verwandelt. Das Wort `epper´ wird in Grimms Wörterbuch noch als alemannische Redensart aufgeführt, mit der geringe eine höher gestellte Person anredeten. Im Schweizerischen Dialekt bedeutet es sinngemäß `Gott wohl auch` In der Literatur wird die heutige geografische Bezeichnung Nepperberg auf das Wort `näber´, den Bohrer bezogen, das in den nieder- und oberdeutschen Dialekten zu hause ist. Auf Grund der zahlreichen Stollen wurde hier vorschnell der Schluß zur Tätigkeit des Bohrens im Sandstein gezogen, was aber hier völlig verfehlt ist. Der frühe Stollenbau erfolgte mit Schlegel und Eisen. Erst als mit Schwarzpulver gesprengt werden konnte, wurden Bohrlöcher zum Vortrieb benötigt.
Der Ursprung des Wortes `Näber´das von `Näb´, die Nabe, dem Drehpunkt des Rades stammt bietet hier den Schlüssel zum Verständnis des Nepperberges. Der liegt in dem während der Gartenschau zugänglichen Stollen, in dem ein Mithräum, ein spätantike Sonnenkultstätte vermutet wird. Der lange Gang entspricht in seiner Ausformung keines- falls dem weit verbreiteten Typ eines Mithräums, das mit seiner gewölbten Decke als als Versammlungsort diente, um die Wiedergeburt des Mirthras zu feiern Mit einer Länge von 27 m erinnert der Stollen auf dem Nepperberg an den 22m langen Gang im 5000 Jahre alten Hügelgrab von Newgrange, im Boyne Valley. In ihm kann ein ähnliches Lichtphäno- men wie auf dem Nepperberg beobachtet werden Hier fällt am Tag der Wintersonnen- wende das Licht der über dem Bernhardus aufgehenden Sonne ein und der Lichtstrahl erreicht wie in Newgrange das Ende des Ganges.

Wintersonnenwende hintere Stollenwand a

Salvator Wintersonnenwende (Foto v. Marlene Bullinger)

Newgrange-9-Uhr

Newgrange  Wintersonnenwende um 9 Uhr

Newgrange Gang

Newgrnage, Schnitt durch den Gang

Mit seiner Ausrichtung nach Südwesten bot der Nepperberg einen Idealen Ort für die Beo- bachtung der Winntersonnenwende. Diese Ausrichtung ist auch bei zahlreichen Grab an- lagen zu beobachten die von der Kupfersteinsteinzeit bis zur Hallstattzet errichtet wurden. Alle besitzen Eingänge die nach Südwesten gerichtet sind. Die Ähnlichkeit der Anlage auf auf dem Nepperberg, die auch eine seitlich abzweigende Kaverne verfügt, lässt vermuten, dass der Stollen einst ebenso Teil einer Grabanlage war wie die in Newgrange. Wie schon der  Ursprung des Wortes Nepperberg andeutet, war sie zusammen mit weiteren Stollen gleichzeitig Teil eines Sonnenkultortes auf dem die spätere Wallfahrtskirche errichtet wurde.

Sonnen- Mondenstand Nepperberg

Nun wird auch das Wort Nabe verständlich, denn es deutet auf den alten, noch heute in ländlichen Gegenden ausgeübten Brauch hin, Sonnenräder an den Naben zu entzünden um sie dann brennend den Hang hinabrollen zu lassen. Da keine sichtbaren Zeichen mehr vorhanden sind kann eine Interpretation der Maße etwas über ein mögliches Entstehungs- datum sagen. Die Breite des Ganges beträgt mit Geringfügigen Abweichungen 2.34m und seine Höhe 2.07m. Bei einem römischen Fuß von 29,62 cm der 16 digiti (Finger) von 1.851cm entspricht das einer Höhe 112 und einer Breite 127 digiti. Doch diese Anzahl digiti ergäbe dann eine Breite von 2.351m. Auch die Länge mit 91.15 römischen Fuß bietet kein rational nachvollziehbares Maß. Ein weitaus besseres Ergebnis ergibt der Vergleich mit der Nippur Elle, einen Maß dessen Entstehung für das frühe 3.Jahrtausend v. Chr. über- liefert ist. Anders als der römische Fuß gliedert sich die Nippur Elle von 51,83cm in 30 digiti zu 1.727cm. Mit diesem Maß besitzt die Höhe des Stollens 120 und die Breite 136 digiti, während die Länge des Ganges exakt 52 NE entspricht. Damit verkörpert seine Länge die Zahl der Wochen eines Jahres. Nicht nur die Form des Ganges, auch die Maß- verhältnisse zeigen, dass er wesentlich früher entstanden sein muss.

Yulrad

Yulrad, Brauchtum in Schweden
Auch der frühere Name Eberstein verweist bereits auf den Eber, dem heiligen Tier des germanischen Sonnengottes Freyr. Die Blickbeziehung zum Bernhardus, dessen Kultstätte innerhalb einer Höhensiedlung bereits Gegenstand eines früheren Artikels war, verweist ebenfalls darauf, dass das Bauwerk nicht erst in römischer Zeit entstanden sein konnte. Sie musste in einer Zeit angelegt worden sein, in der auch die Grabanlage von Newgrange entstand.

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Ein Gedanke zu „Der Salvator in Schwäbisch Gmünd

  1. Also, was du so alles in Schwäbisch Gmünd entdeckst, ist wirklich beeindruckend.
    Sehr spannend zu lesen. Danke,… auch die Parallelen…Jerusalem, Newgrange…
    Grimms epper „Gott wohl auch“, Bedeutungen, die hinter den Worten stecken und die wir so selbstverständlich nutzen. Wirklich interessant!

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