Schwäbisch Gmünd, die Marienstadt

Auf Grund der Strenggläubigkeit der Schwäbisch Gmünder Einwohner erhielt die Stadt vor langer Zeit den Spottnamen Schwäbisch Nazareth. Den tief vewurzelten Glauben in der Stadt unterstreichen nicht nur das Münster, sondern auch die zahlreichen Klosterbauten innerhalb der Stadt die nach der Säkularisation aufgelöst wurden.

Münster 01 Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd

Die im 13. Jahrhundert begonnene Hallenkirche überragt weithin sichtbar die Dächer der Stadt und wurde zu einem Sinnbild der Marienverehrung. Schon seit der Vorgängerkirche galt Maria als Schutzpatronin der Stadt und diese Bedeutung verlor sie auch nicht nach der Verleihung des zweiten Patronziniumsan das Münster, dem  `Heilig-Kreuz´ . Wie beide  die Ausrichtung des kichenschiffes beeinflussten zeigt eine nähere Betrachtung   Sie legt auch alte Bezüge innerhalb des Stadtgrundrisses offen, die wahr scheinlich noch auf vorrömische Zeit stammen. Da der Sonnenaufgangspunkt während des Jahres in einem Winkel von ca. 80° am Horizont pendelt, wird dieser Punkt bei der Ausrichtung von Kirchen benutzt, um mit einem Lichtereignis den Patroziniumstag der Kirche zu unterstreichen. So kann morgens, während der ersten Messe das Son- nenlicht durch die Chorfenster scheinen und das Kirchenschiff erhellen. Diese Ausrichtung nach der Sonne führte die alten Prinzipien fort, nach denen jahrtausendelang in allen Kulturen Siedlungen oder Tempelan- anlagen angelegt wurden.

Beim Heilig-Kreuz-Münster wurde der Chor in einem flachen Winkel aus der Ost-Westachse nach Norden gedreht und auf den Sonnenaufgangs- punkt am 21.05. über dem Herlikofer Berg ausgerichtet. Der Tag liegt zwar in der Nähe des Auxiliums , doch dies Marienfest wurde erst 1814 Papst Pius VII. Als Dank für die Befreiung aus der Napoleonischen Gefangen- schaft eingeführt. Doch für die gewählte Ausrichtung bieten sich drei Gründe an.  Da die Kirche mehrmals von einer Heilig-Kreuz- zur einer Marienkriche wechselte könnte das Fronleichnamsfest, das frühesten am 21 Mai gefeiert werden kann ein Grund sein. Doch wahrscheinlicher könnte das Datum der Grundsteinlegung ausschlaggebend gewesen sein: Das Pfingstfest 1320, dem vermuteten Baubeginn der Kirche. Aus Sicht der Heiligen Schrift ist dies der Tag, wo um Jesus und Maria noch einmal aufeinandertreffen. Lukas, der sein Evangelium mit Maria begonnen hatte, erwähnt hier zum letzten Mal Maria. So schreibt er:
`Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern« (Apg 1,14).
Maria steht hier als Symbol für den Beginn des irdischen Lebens von Jesus , ebenso wie für die Geburt der Kirche an diesem Tag. Die Aus- richtung weist aber noch einen weiteren wichtigen Tag im Leben der Maria auf, den Sonnenuntergang am 21. November, dem gebotenen Feiertag Maria Tempelgang. Zugleich war dieser Tag ein wichtiger Lostag, an dem das Wetter des kommenden Winters abgeschätzt werden konnte.

Gmünd Plan 3

 Sonnenaufgangsrichtung am 21.05.

Der Ort Herlikofen fandt ein knappes Jahrhundert vor dem Bau des Münsters in einer Urkunde eine erste Erwähnung. In der am 28. April 1225 in Schwäbisch Hall von König Heinrich unterzeichneten Schriftstück wurde ein `Ritter´ Ru*degerus de Herlekoven als Eigentümer der Burg  aufge- ührt. In der althochdeutschen Sprache gibt es das ähnlich klingende Wort herlih, das mit erhaben und stolz übersetzt wird. Die Wurzeln des Namens herle dürften jedoch in der germanischen Sprache liegen, denn noch heute wird der Herleke in Nordfrankreich als der Anführer des wilden Heeres ge- sehen, das vergleichbar mit dem Wodansheer der germanischen Mytho- logie ist. Allein die Namenswahl zeigt, dass der Ort einst eine wichtige Bedeutung in Bezug zur Kernstadt besessen haben musste. Doch die Kirchenachse des Münsters kann nicht isoliert betrachtet werden. Wie bei anderen Stadt grundrissen auch, war sie bestimmend für die Stadtent- wicklung bis zur Gegenwart. So verläuft der leicht geschwungene stauf- ische Marktplatz um 90° zur Achse gedreht auf das Spitalgebäude zu. Da die Fläche um das Münster die Keimzelle der Stadt bildete, war die Kirch- enachse auch ein wichtiges Maß für die Flächeneinteilung der Stadt. Sie teilt die Strecke zwischen den beiden äußersten Punkten in einem Verhältnis 24 zu 29 teilen. Da im Mittelalter Zahlen eine symbolische Bedeutung beigemessen wurde, können sie gemäß der biblischen Interpretation gedeutet werden

Gmünd Plan 01a Schwäbisch Gmünd, zweite Stadtmauer 1238

Die Zahl 24 ist nicht nur ein Verweis auf die Stunden eines Tages, sondern verweist als Produkt der Zahlen 2x3x4 auch auf die Vollkommenheit der Schöpfung. In anderer Form wird dies auch durch die Zahl 29 dargestellt. In der 29 erkannte der römische Schriftsteller und Philosoph eine so herausragende Bedeutung, dass er in ihr das Bild höchster gött- licher Seinswirklichkeit sah. Dass die Zahl eine wichtige Bedeutung hat zeigt sich schon im ersten Kapitel der Heiligen Schrift. Ihr erstes Kapitel weckt die Erwartung auf den kommenden Sohn Gottes. Mose 1 enthält 31 Verse und gliedert sich in die beiden An- fangsverse und die darauf folgenden 29 Verse die das Sechstagewerk beschreiben. Mit der 31 bildet die 29 einen Primzahlzwilling der 30 umschließt und als Summe 60 ergibt. In der Heiligen Schrift sind die beiden Jahresangaben 30 und die 12 die beiden einzigen Zahlen , die das Leben Christi beschreiben, Die Subtraktion ergibt die Differnezahl 12. Mit ihr bildet die 30 das Verhältnis 30 : 18 = 5 : 3. Das gleiche Verhältnis findet sich auch in der Struktur des Sechstagewerks. In dessen 29 Versen finden wir 10mal die Formulierung `und Gott sprach´ an den 6 Tagen: 10 : 6 = 5 : 3. Auch die Bundeslade, die ein Sinnbild für Christus ist, hat das gleiche Seitenverhältnis von Länge zu Breite: 2 ½ Ellen : 1 ½ Ellen = 5 : 3. Die Gesamtlänge 53 Einheiten stellt in der Heiligen Schrift die die Zahl des Wirkens des Menschensohnes. Sein Wirken und sein Kraft stehen in Verbindung mit seinem Vater. Deshalb taucht die Zahl 53 in Verbindung mit den Eltern auf. So beginnt sein  Wirken im 53. Vers des Johannes-Evangeliums mit dem 1. Wunder bei der Hochzeit zu Kana. Sein letztes großes Wirken wird in der der Offenbarung des Johannes beschrieben. Hier erfolgt die Entscheid- ungsschlacht von Armaggedon bei dem Ort Megiddo und in diesem Wort erkennt der Religionswissenschaftler W. J. Pasedag im hebräischen Alphabet den Buch- stabenwert 53. In der der Betrachtung des Längs- maßes zeigt bereits die symbolische Wirkung der Stadtfigur die mit ihren Proportionen auf Maria, ihren Sohn und sein Wirken verweisen will.
Mehrere Straßen und Gassen im Stadtkern, sowie zwei bestimmende Verkehrswege werden noch von diesen alten Richtungen bestimmt. So folgen die Rems und die Rems- straße über eine weite Strecke der symbolträchtigen Ausrichtung der Kirchenachse. Auch die Baldungstraße und ein Teil der alten Bundesstraße, die den alten Stadtkern im Westen abschließen, folgen der Ausrichtung des Marktplatzes. Im Luftbild wird deutlich, dass noch weitere Straßen und Gassen der Kernstadt durch die Ausrichtung der Kirchenachse bestimmt wurden. Die Anlage der Stadt, sowie ihre Einteilung lassen erahnen wie der Glaube einst die Planung der Stadt bestimmte. Doch bei der näheren Betrachtung wird deutlich, dass allein die Aufteilung mittels symbolischer Zahlenwerte nicht zur Form des Stadtgrundrisses führen konnte. Doch dieses Rätsel kann nur in dem ursprünglichen Namen der Stadt, `Gamundia´- die Freude der Welt  ver- borgen sein.

Stadtpaln Gmünd: 800 Jahre Stadt Schwäbisch Gmünd / Einhornverlag  Zahlenmythologie: http://www.zeitundzahl.de

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