Das Wappen der Achalm

Plan Wappen Achalm 01Mit der Achalm rückt ein weiterer Berg ins Blickfeld dessen Name zu zahlreichen Interpreationen seines Ursprungs geführt hatte. Die wohl populärste Interpretation des Namens liefert die Ballade Ludwig Uhlands, die Sage von der Schlacht bei Reutlingen thematisiert. Am Fuße des Berges ruft der tödlich getroffene Ritter Graf Egino `Ach Allm..´, doch sein vorzeitiger Tod unterbindet den Ausruf `Ach allmächtiger`. Diese Begebenheit soll schließlich zum Namen des Berges geführt haben. Doch Heimatforscher sehen eher einen Zusammenhang mit dem althoch-deutschen Wort aha, das mit Wasser oder Fluß übersetzt wird. Einige der Quellen, die rund um die Achalm entspringen, dienen als Hintergrund dieser Interpretation, doch bislang blieben diese Überlegungen mehr oder weniger Spekulation. Eine Möglichkeit, zu den Ursprüngen dieser Deutung zu gelangen, ist die antike Mythologie des Wassers.

Achalm von Pfullingen 2                                                     Achalm von  Pfullingen

In der keltisch-germanischen Welt waren Gewässer die Heimstatt von Flußgottheiten, die meist weiblicher Natur waren. Ihre Begleittiere waren häufig Gänse oder auch Enten, in deren Gestalt sie sich auch verwandeln konnten. Doch in Griechenland herrschte eine andere Sicht. Dort wurden Flussgötter, beeinflusst von den Vorstellungen orientalischer Völker, häufig in Stiergestalt oder in Schlangenform darstellt. Beispiele dafür sind der Flußgott Acheloos, der im Kampf gegen Herakles als Stier oder als Mischwesen mit einem Stierhaupt abgebildet wird. Auch die beiden Götter Poseidon und Dionysos wurden häufig als Stiere dargestellt, oder werden in Texten als solche bezeichnet. Die Ursache dieser Symbolik liefert die indogermanische Sprache. Hier wird das Tier noch als Brüller bezeichnet. So könnte es das menschliche Ohr gewesen sein das dem Wasser dias Symboltier Stier zuordnete. Die Geräusche ds Wasser wie das Rauschen eines tosenden Flusses oder Dröhnen des Wasserfalls konnte die Vorstellung hervorrufen, dass ein göttlicher Stier im Gewässer wohne. Dieser Stier taucht auch bereits in verschieden Schöpfungslegenden auf. Innerhalb der babylonische Mythologie verkörpert ihn das gehörnte Ungeheuer Tiamat dass das alles bedeckende Urgewässer symbolisiert. Im in späteren persischen Großreich Reich wird das Ungeheuer zum Urstier das das Urgewässer am Beginn der Schöpfung darstellt.
Die eigentliche Uursache für die Rolle des Stieres als Fruchtbarkeitssymbol hat jedoch auch astronomische Gründe. Durch die Schiefe der Erdachse rückt ungefähr alle 2150 Jahre ein anderes Sternbild des Tierkreises in den Frühlingspunkt der Sonne. Im Jahr 4250 v. Chr. war dies das Sternbild des Stieres. Der Kulturwissenschaftler Gerhard Bott sieht in der Gestalt des Stieres auch den Ausdruck einer Neuausrichtung der Götterwelt. Bott glaubt dass das kräftigte Tier, das eine ganze Herde befruchten und sie beschützen kann, während des Wandels vom Nomadentum zum Ackerbau zu einem Identifikat-ionsobjekt der Männlichkeit wurde und damit die Abkehr vom matriarchtsbestimmten Götterkult auslöste.
Die Vorstellungswelt des Mittelalters entwickelte diese Symbolsprache weiter oder griff auf  alte Motive zurück. So berichtet die Gründungslegende der Merowinger von der Zeugung ihres Stammvaters Merowech durch ein Meeresungeheuer, das halb Mensch und halb Stier war. Auch die christliche Lehre bediente sich des Stieres, der nun mit Flügeln zum Symbol des Evangelisten Lukas wurde. Als vornehmstes Opfertier steht es in der Heiligen Schrift ebenfalls für Stärke und Fruchtbarkeit.

Der eingangs erwähnte Graf Egino von Achalm und sein Bruder Rudolf ließen die Burg zwischen 1030 und 1050 erbauen. Sie wurde im 11. Jahrhundert mit einer Unterburg erweitert und gelangte über die Welfen 1376 in die Hände der Grafen von Württemberg. Ende des 15. Jahrhunderts wurde sie baufällig und schließlich 1650 abgebrochen. Die Geometrie von Bauwerken verrät jedoch viel über die Epoche ihrer Entstehung und die geistigen Vorstellungen des Erbauers. Dies offenbart auch der Grundriss der Burg Achalm. Natürlich kann die schiefwinklige Geometrie auf Zwänge am Gipfel des Berges zurückgeführt werden, doch schon die Ausrichtung des Tores auf den Untergangspunkt der Sonne zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende zeigt, dass der Grundriss sorgfältiggeplant wurde.

Achalm Plan 04                                                     Achalm – Sonnenwenden

 

Achalm Plan 02

Achalm Plan 03                                          Achalm Postitionen des Sternbildes

Die Erweiterung der astronomischen Betrachtung offenbart die Komplexität der Anlage, die gleich mehreren Positionen des Sternbildes Stier am Tag der Wintersonnenwende vor ungefähr 1000 Jahren entspricht. Die Sterne des Stiere bestimmen jeweils einzelne Punkte der Mauern oder Zugänge die dann zusammengesetzt das Gesamtgefüge ergeben. Besaß der Stier also nicht nur eine mythologische Schutzfunktion und war am Ende vielleicht ebenso Ausgangspunkt einer Gründ-ungslegende, ähnlich den Merowingern? Eine ähnlichen Gedankengang zeigt der Artikel zur Teck. Auch das Wappen der Grafen von Achalm offenbart diesen Gedanken, Die Proportionen der schrägen Balken, sowie die Verwendung von drei Sterngruppen unterschiedlicher Größe passen ideal mit dem Sternbild des Stieres überein. Dennoch konnte sein Schutz die Burg nicht vor dem Verfall bewahren. Damit bietet sich eine direkte Verbindung zum Flußgott Acheloos, dessen Name nicht nur im Name Achalm enthalten ist, sondern auch auch in Gestaltung des ersten Wappens der Grafen von Achalm.

Plan Wappen Achalm 02

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