Die Legende Göppingens

Ältestes Bild Göppingen 1534                                            Ansicht aus Filstalpanorama 1534

Wie bei vielen anderen Städten beruht auch der Ursprung des Stadtnamens Göppingen auf Vermutungen. Auf Grund unsicherer Quellen greifen Historiker deshalb oft auf ein bewährtes Muster zurück und suchen aus dem ersten urkundlich erwähnten Namen einer Stadt einen Anführer herauszulesen. Auch Falle Göppingens wurde dieser Weg einge- schlagen. Ein alemannischer Fürst mit dem Namen Geppo gilt als heute als allgemein akzeptierte Erklärung ohne weiter über ihre Sinnfälligkeit nachzudenken. Doch ist es sehr verwunderlich, dass lange nach der Landname durch die Alemannen und dem Untergang des alemannischen Adels während des Cannstatter Blutgerichtes, den Staufern der Name Geppo noch vertraut gewesen sein soll. Auf ihn wird die erste Erwähnung der Stadt zu- rückeführt, die  mit dem Namen `Geppingen´ erstmalig in einer Urkunde auftaucht, die Kaiser Barbarossa im Jahr 1154 unterzeichnete.

Ein Fürst oder Anführer als Namensgeber erinnert an die Legenden bei Städtegründungen der Antike. Mit einer Legende stärkten damals griechische Kolonisten des 6. Jahrhunderts v. Chr. die Bedeutung ihrer neu gegründeten Niederlassung in Kleinasien gegenüber dem Mutterland und dessen Hauptstadt Athen. Meist entstanden sie nach dem Tod des An- führers, der dadurch seinen Einzug in die mythologische Wellt der Götter erhielt. Die Mode fand Gefallen und in der Folgezeit bildete sich eine Flut von Legenden von denen die be- kannteste wohl die von Romulus und Remus ist, den beiden Gründern Roms.

Oberhofenkirche                                                            Oberhofenkirche

Das Datum der Urkundenaufstellung fiel in eine Epoche wachsender Konsolidierung in Europa, denn das Augenmerk der Herrscher war seit den ersten Kreuzzug 1095 auf die Rückeroberung Palästinas gerichtet. In dieser Zeit begann ein wirtschaftlicher Aufschwung der zu einer Expansion der Städte führte. Ein wichtiger Ort für die Spurensuche in Göppingen sind die beiden Kirchenbauten. Nach Aussagen von Archäologen steht die älteste Kirche Göppingens, die Oberhofenkirche, auf einem geschichtsträchtigem Boden. In ihrem Umfeld soll sich bereits ein keltisches Heiligtum befunden haben, das später einem römischen Gutshof weichen musste. Bereits im 7. Jahrhundert wurde die erste Kirche errichtet, die Maria und dem heiligen Martin geweiht war. Schon vor dem 14. Jahrhundert gab es hier organisierte Marienwallfahrten , die von einer Bruderschaft betreut wurden. Auf Grund des Zustroms von Pilgern musste die romanische Kirche 1446 auf Veranlassung von Graf Ulrich V. der heutigen gotischen Hallenkirche weichen. Während die Oberhofenkirche ein zentraler Ort der Gläubigen wurde, entstand die heutige Stadtkirche erst 1618 auf den Mauern einer kleinen Johanniskapelle. Obwohl von hier aus die Sonnenwende über dem Hohenstaufen zu sehen ist, erreichte der Ort nicht die Bedeutung wie sie die außerhalb der Stadtmauer gelegene Oberhofenkirche besaß.

Eine Antwort darauf bietet der Sonnenaufgangspunkt am 1. Mai. An diesem Tag entsteht eine Linie, die vom Christophsbad über die Oberhofenkirche bis zum Stuifen reicht, der dann wie der Zeiger eines Ziffernblattes nach Nord-Osten weist. Die Perfekte Ausrichtung des Stuifens könnte ein Hinweis darauf ein, dass dieses Datum gegenüber anderen Sonnenaufgangspunkten eine ganz wesentliche Bedeutung hatte.

Göppingen SonnenaufgangGöppingen Panorama                                             Sonnenaufgang über dem Stuifen

Das Fest am ersten Mai war der Beginn des Sommerhalbjahres, an dem nach heutiger Vorstellung die Vereinigung der Fruchtbarkeitskönigin mit dem Sonnenkönig gefeiert wurde. Doch die eigentlichen Wurzeln liegen weiter zurück in der Geschichte. An diesem Tag gab es in Rom auch ein Fest der Bona Dea der Guten Göttin. Sie ist mit der griech-ischen Göttin Maia gleichzusetzen oder der Rosmerta die im keltischen Raum. Ihre Attribute waren das Füllhorn und eine Tasche. Der Name taucht in fast allen Sprachen In mit ähnlicher Bedeutung auf, so in der arabischen wo er Quelle oder Fluss bedeutet. Maia gilt heute als altitalische Schöpfungsgöttin deren mythologie um 1200 v. Chr enstand und  deren Urbild aus dem asiatischen Raum stammt. Sie wurde als große Erdgöttin, Früh- lingsgöttin, Heilgöttin und Hebamme verehrt. Ihr Name wird auch als Symbiose der Worte magnus und Magie interpretiert. Da auch die Rolle der Heilgöttin durch die in Göppingen vorhandene Quelle gegeben war, ermöglicht die Bedeutung der Linie Stuifen, Oberhofen bis zum Christophsbad eine neue Sicht zur Namensentstehung der Stadt.

Bona Dea                                             Bona Dea – römische Darstellung

Längst vergessen sind die meisten Frauennamen des Mittelalters die in den Liedern Neitharts von Reuenthal auftauchten. Ermelint, Friderun, Geppe oder Gisel sind nur einige die Neidhart Ende des 12. Jahrhunderts immer wieder für Bäuerinnen und Edelfrauen verwandte. In dem Namen Geppe, der auch als Kürzel des germanischen Namens Gebwins auftauchte stecken die althochdeutschen Worte `gebo´ oder `gëbe´, die mit Spender oder Spenderin übersetzt werden. Der Frauenname Geppe kann also als ein Verweis auf einstige Göttin gesehen werden, der Spenderin von Ernte und Fruchtbarkeit. Sie wurde im frühen Mittelalter durch Maria ersetzt, deren Kosename heute noch Maia ist.
Das am 11. August 1650 eingeführte Göppinger Maienfest erinnert nun gleich im doppelten Sinn an die alten Bezüge. Es findet zwischen dem alten Fest der Bona Dea und dem späteren Fest Maria Himmelfahrt statt. Aus diesem Grund ist der Stuifen für Göppingen ebeno wichtig wie der Hohenstaufen. Mit Geppo statt Geppe erschufen Historiker dann später, ganz im Stil der Antike, jenen legendären Anführer mit dem bis heute die Stadtgeschichte beginnen soll.

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