Sonnenkalender des Hohenstaufen

Dem Glauben der Ägypter nach entstand die Schöpfung, während der Ur-Hügel aus dem Chaos des Meeres emporstiegen. Ein dreifach abgestufter Berg versinnbildlichte diesen Gedanken in Inschriften als abstraktes Zeichen. Nahezu identisch wurde er in den ersten Stufenpyramiden wie in Sakkara verwirklicht. Diese Schöpfungsmythologie tauchte in einer Epoche auf, als sich Völker aus dem Norden mit der ägyptischen Kultur vermischten. Ein Grund für diese Vorstellung könnte das Sinken des Meeresspiegels um ca. 120m während der letzten Eiszeit gewesen sein, als riesige Landstriche freigelegt wurden. Doch die plötzliche Klimaerwärmung ab 12000 v. Chr. setzte dem ein Ende und der Anstieg bis 4000 v. Chr. um etwa 1,5m alle 150 Jahre musste ein nachhaltiges Trauma verursacht haben, das sich in zahlreichen Flutlegenden niederschlug.

Berge galten wohl deshalb als Orte der Zuflucht und wurden damit auch zu heiligen Orten für die Kulturen der Frühzeit. Europas wohl bekanntester heiliger Berg ist der Olymp, von dem der griechische Dichter Hesiod schrieb: `Zeus thront umtönt von unsterblichen Weisen apollinischer Musik, erfüllt vom seligen Glück der göttlichen Unsterblichkeit“ in der Runde seiner Götter auf dem griechischen Olymp.´ Auch der Hohenstaufen weist auf Grund seiner perfekten Lage und Höhe die Eigenschaften eines frühgeschichtlichen Kultplatzes auf. Dies verdeutlichen nicht nur die Spuren zahlreicher Langhäuser die rund um den Berg zu finden sind, sondern auch das Bild von Andreas Kieser aus dem Forstlagerbuch.

Sonnenkalender 01                                              Hohenstaufen – Sonnenkalender

Seine Lage ermöglichte einen nahezu lückenlosen Sonnenkalender der die früheren Feiertage markierte. Einen ersten markanten Visierpunkt bietet der Stuifen der auf dem gleichen Breitengrad liegt wie der Hohenstaufen. Von hier aus betrachtet stiegt die Sonnen während des Frühlings- und Herbstäquinoktiums neben dem Horn auf. Die Zeit des Äquinoktiums war 5000 Jahren in den mesopotamischen Kulturen. Die Feiertage des Frühlings und der Ernte. Weiter im Norden markiert die Lage des Rechbergs markiert den Sonnenaufgang. an dem irisch-keltischen Feiertag Beltane. Zusammen mit Imbolc am 01.02, Lughnasadh am 01.08 und Samhain am 01.11 war dieses Fest eines der vier großen Feste der keltischen Kultur die den Zyklus der Landwirtschaft bestimmten. In der römischen Mythologie wurde der 1. Mai mit der Verehrung der großen Göttin Bona Dea adaptiert. Ihr zu Ehren gab es zwei Feste: Am 1. Mai und am 8. Dezember.Ihr Kult geht auf einen altitalischen Göttinnenkult zurück der eine Mischung aus Vorstellungen unterschied-licher Kulturkreisen bestand. Heute wird neben dem Tag der Arbeit der 1. Mai an manchen Orten noch das nicht kanonisches Marienfest Maria Königin gefeiert. Wie stark der Bona Dea Kult die späteren Marienfeste beeinflusste zeigt ein weiteres Marienfest das am 8. Dezember gefeiert wird, denn neun Monate vor Mariä Geburt, wird „Concepcion“, das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau gefeiert.
Heute ist der Rechberg eine Marienwallfahrtstätte deren Ursprung auf das frühe Mittelalter zurückgeht. Auch die die Anlage der Burg wurde durch diesen Wallfahrtsort bestimmt. Sie liegt nicht nur an entscheidender Stelle um den Zugang zu kontrollieren, sondern wurde auch auf ein bestimmtes Datum ausgerichtet: Den Sonnenaufgang am 24. Mai dem Schutzmantelfest der Maria.

Burg Plan 02                                        Burg Rechberg – Sonnenausrichtung
Dies stellt die Frage nach dem Ursprung des Namens. Allgemein wird er auf das zahlreiche Rotwild zurückgeführt das im Wald des Rechbergs, sowie den umliegenden Wäldern anzutreffen war. Doch bos zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Berg völlig kahl. Auch die umliegenden Flächen wurden nach den Verwüstungen des 30 jährigen Krieges erst im 18 Jahrhundert wieder aufgeforstet. In der althochdeutschen Sprache gibt es das Wort `rech´ das einen steilen Abhang bezeichnet, doch diese Namenserklärung für einen Ort der seit vorchristlicher zeit eine Bedeutung hatte greift viel zu kurz. Eine Spurensuche in der Burg der Grafen von Rechberg zeigt dass der Name einen viel komplexeren Hintergrund hat.

Baumesiter Rechberg  1805                                            Sebald Baumeister, Rechberg 1805

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