Das Zeichen der Burg Rechberg

Nicht nur der Name des Rechberges steht in Verbindung mit der mythologischen Gestalt des Hirsches, auch in der Geometrie der Burg ist ein weiterer Aspekt des Symboles von Fruchtbarkeit und Wiedergeburt enthalten. Symbole und Zeichen waren im Mittelalter allgegenwärtig um der Angst zu begegnen, die durch den Glauben an die Kräfte dunkler Mächte und Dämonen ausgelöst wurde. Deshalb gab es zu dieser Zeit auch eine große Zahl von Hilfsmittels um diese abzuwehren. Amulette, magische Quadrate mit einem festgelegten Zahlenzauber oder Schutzzeichen wie das Pentagramm sollten diese dunklen Mächte abwehren. Das wohl bekannteste Schutzzeichen war das Pentagramm. Doch das einstige Zeichen der Pythagoreer das in der Antike die Volkommemheit der Schöpfung ausdrückte wurde im Mittelalter als Druidenfuß, zur Abwehr von Zauberkräften missbraucht.

Sator Quadrat                                                            Sator Quadrat

Ebenso mächtig galten aber auch die zahlreichen magischen Quadrate, deren unter-schiedliche Zahlen Zauberformeln enthielten. Ihre Ursprünge reichten bis in die Antike zurück. Das Sator Quadrat mit der lateinischen Wortfolge Die lateinische Wortfolge SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS, ist heute noch an vielen öffentlichen Bau- werken, aber auch in Kirchen zu sehen. Zur Übersetzung des Quadrates gibt es unter-schiedliche Interpretationen. Eine davon lautet `Der Sämann hält die Werke – es hält die Werke der Sämann´. Diese Furcht spiegelte sich auch bei der Errichtung von Bauwerken für deren Ausrichtung nicht nur die Richtungen von Sonnen- und Mondwenden, sondern auch astrologische Berechnungen herangezogen wurden um einen günstigen Einfluss der Gestirne zu erreichen. Ein Typisches Beispiel für diese Einbeziehung der Sonnenrichtung offenbart die Burg Rechberg mit der Ausrichtung auf den Sonnenaufgang am Schutzmant-elfest Marias.
Doch ihr Grundriss offenbart noch einen weiteren Mythos der sich im mittelalter großer Beliebtheit erfreute: Der griechisch-römische Halbgott Herakles. Er galt mit seiner Unbe- siegbarkeit nicht nur als Vorbild edlen Kriegertums, sondern durch seine 12 gelösten Aufgaben auch als `Kulturschöpfer´. Gleichfalls diente er ähnlich wie zur Zeit der Kelten, Adelshäusern als Ausgang einer Gründungslegende in dem der Stammbaum auf den griechisch-römischen Halbgott direkt oder auf seine zahlreichen Nachkommen bezogen wurde.

Burg Herakles                                      Grundriss der Burg mit Sternbild Herkules

Herakles Hirschkuh                                    Herakles bezwingt die Kerynitische Hirschkuh
Auch der Halbgott  Herakles hat einem Bezug zum Hirsch, dem Namensgeber des Rechberges. Seine  3  von 12 Aufgaben bestand darin, die Kerynitische Hirschkuh zu bezwingen. die auf den Feldern Arkadiens waidete. In der Legende verfolgte er die Hirsch-  kuh, die zu den Begleiterinnen der Jagdgöttin Artemis zählte bis zu den Quellen des Ister, der heutigen Donau. Es gelang ihm die Kuh die schneller war wie ein Pfeil zu bezwingen, doch im Streit mit Artemis entkam die Hirschkuh wieder. Vergleichbar mit einem mittel-alterlichen Amulett bestimmt nun die Figur des Sternbildes in der Ausrichtung zur großen Mondwende Süd und zum 01. Mai wesentliche Teile der Burggeometrie. Durch seine Lage mit dem Fuß zum Eingang ausgerichtet ist das Sternbild gleichsam als Allegorie der Abwehrbereitschaft seinesr Erbauers zu sehen. Mit den Kräften des Herakles ausge-stattet, bedarf es nur einen Fußtritt um Eindringlinge wieder aus der Burg hinauszube-fördern.
Mit dem Bezwinger der KerynitischHirschkuh, dem Sinnbild der ungezähmten Natur erhält die Symbolik des Hirsches eine weitere Ebene. Herakles Sieg über die  Natur war gleich-zeitig auch ein Sinnbild für den Übergang von Nomadentum zur bäuerlichen Gesellschaft zu sehen die die Landschaft kultivierte. Der mythologische Schutz des Herakles scheint der Burg aber genutzt zu haben, denn sie überdauerte mehrere Belagerungen und selbst den Bauernkrieg. Es ist fast als Ironie der Geschichte zu bezeichnen, dass erst ein Blitz im Jahr 1865, als der Glaube an mythische Zeichen erneut erwachte, den Sitz des Zeus- sohnes Herakles zerstörte.

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