Palmyra

Im englischen Wappen verkörpert der Löwe das Symbol königlicher Herrschaft. Darstell- ungen reichen zurück bis zur Zeit Heinrichs II. Doch über den Hintergrund des in Brent Knoll oder in Hod Hill verwendeten Bildes des Löwen kann nur spekuliert werden, da es über die Zeit keine schriftlichen Zeugnisse mehr gibt. Obwohl der Löwe zum Zeitung der Errichtung de Anlagen im Norden schon längst ausgestorben war galt er wohl auch dort, wie in den mediterranen Kulturen, als ein Symbol der Herrschaft und der Sonne. Daher lässt sich im Mediterranen Raum, schon auf Grund von schriftlichen Zeugnissen, ein besserer Bezug von Grundrissen antiker Städte zu den mythologischen Vorstellungen herstellen.

Tempel des Baal                                                        Tempel des Baal

Eines dieser Beispiele ist die antike Stadt Palmyra die an einer wichtigen Krawanenstraße lag. Sie führte vom Mittelmeer bis an den Euphrat und weiter nach Persien. Bereits in babylonischen Texten wird der Ort, als Palmenstadt erwähnt. Dort ist ab dem 1. Jahrhund- ert v. Chr. der Kult des Gottes Baal und der al-Lāt oder Astarte belegt. Der Baal Tempel zählte zu jener Zeit zu den wichtigsten Bauwerke im vorderen Orient. Dadurch war Palmyra noch bis in die Spätantike ein religiöses Zentrum. Baal, dessen Name in zahl- reichen Sprachen ähnlich ausgesprochen wurde, erfüllte meist die Funktion einer obersten Gottheit die für Wetter und Fruchtbarkeit zuständig war. Auch verstorbene Könige wurden in diesen Kult mit einbezogen und erhielten dadurch den gleichen Rang wie Baal. In den Städten der Levante wurde Baal innerhalb einer Trias von Gottheiten verehrt, die aus Mann, Frau und Kind. Je nach Stadt wurden ihnen unterschiedliche Namen gegeben, doch allgemein galt die Göttin Aschtoret oder Astarte als Gattin des Baal.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA                                                          al-Lāt, die Göttin

Nach Herodot wurde sie in Palmyra als al-Lāt, die Göttin, verehrt. In der Mitte des 5. Jahr- hunderts v. Chr. war sie im gesamten arabischen Raum vertreten. Zur Zeit der Römer  war es Mode mit ihr zu- sammengesetzte Personennamen zu wählen, wie Namen `Wahballāt´, Gabe der al-Lāt´ oder `Abdallat´, Sklave der al-Lāt. In der Bezeichnung Baal, oder Bel das mit hell, glänzend übersetzt wird, drückt sich auch die mythologische Funktion der Gottheit aus. Er hatte die Aufgabe die Sonne aus dem Wintergefängnis zu befreien und sie nach der Wintersonnen- wende wieder über den Himmel zu führen. Als weißer Stier dargestellt, ist er gleichzeitig das Symbol wiedererwachender Fruchtbarkeit.
Ein städtebauliches Bindeglied Palmyras ist die geknickte, 11m breite und knapp 1km lange Prachtstraße an der alle wichtigen Bauten aufgereiht sind. Sie beginnt am Hadrians- tor im Westen und endet am Baal Tempel. Die Straße war gesäumt von Säulen auf den Bronzestatuen palmyrischer Würdenträger standen. Ganz entgegen römischer Gepflog- enheiten wurde die Straße aber nie dem sonst üblichen rechtwinkligen Raster römischer Stadtanlagen angeglichen. Begründet wurde der Typus des Knickachsenheiligtumes von Archäologen durch das Vorhandensein bestehender Gebäude auf dem Gelände der Stadt. Legt man aber die mythologischen Vorstellungen dem Plan der Stadt zu Grunde, zeigt sich dass auch Palmyra nach ähnlichen Gedanken wie Siedlungen im Norden angelegt worden sein muss. Nur hier diente Astartre in Gestalt ihres himmlischen Ebenbildes, das Sternbild Jungfrau als Grundlage.

Palmyra Plan                                                        Stadtplan Palmyra

Zur Wintersonnenwende, wenn sie nach ihrem steilen Aufstieg im Osten mit ihrem Hauptstern Spica kurz nac Mitternacht den Meridian durch- schreitet, bot sie damals die erste geometrische Grundlage für den Stadtgrundriss. Dann definiert ihre Seite mit dem Hauptstern die südliche Grenze der Stadt einschließlich des Flusses. In der Lage weist ihr Kopf zum Tempel des Baal und drei weitere Sterne markieren zu diesem Zeitpunkt den Verlauf der geschilderten Prachtstraße. Nach einer weiteren Wanderung des Sternbildes um den Drehpunkt am Ende der Prachtstraße bestimmt der Saum des Kleides die nörd- liche Grenze der Stadtmauer, sowie den Verlauf der nach norden führenden Karawan- enstraße. Zugleich bestimmt der Kopf die Lage des Baal Tempels innerhalb des quad- ratischen Plattform die eine Fläche von 20000m2 besitzt. Der Lebensbaum mit seinen sieben blättrigen Palmblättern war bereits in Babylonien ein beliebtes Motiv und als stilis- iertes Palmblatt findet es sich auf zahlreichen Siegeln. Auch sie waren Bilder der Götter-trias, denn Tamar, die Palme war ein Symbol der al-Lāt oder Astarte.

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