Das Zeichen von Uruk

Ruinen von Uruk                                                           Uruk, Zikkurat

Die bislang älteste Stadt aus der noch schriftliche Zeugnisse vorliegen ist Uruk. Sie ist die Stadt des Gilgemesch der nach des Erzählungen des gleichnamigen Epos zu zwei Drittel Gott und zu einem Drittel Mensch war. Als Herrscher Uruks soll er veranlasst haben dass die Stadt mit einer 9,5 km langen Befestigungsmauer geschützt wurde die neunhundert halbrunde Türmen besaß. Ebenso soll er die Tempel des Anu, den Gott des Himmels und den für Ischtar, der Göttin der Liebe, errichten haben. Sie sind Teil der Erzählungen das nicht nur eine der frühesten Liebesgeschichten darstellt, sondern gleichzeitig auf populäre Weise die Ereignisse am Himmel während eines Jahre schildert.

Gilgamesch Stier 2300vChr                                                Gilgamesch bezwingt den Stier

Die Erzählung beginnt mit dem Heiratsantrag der Göttin Ischtar an Gilgamesch, dem König von Uruk. Doch Gilgamesch lehnt diesen ab und weist Ischtar darauf hin, daß sie ihren bisherigen Liebhabern nur Unheil gebracht habe. Deshalb steigt Ischtar wütend in den Himmel zurück und schickt den `Himmelsstier´ der Gilgamesch töten und Uruk zerstören soll. Ihr Plan misslingt, denn Gilgamesch gelingt es zusammen mit seinem Freund Enkidu den `Himmelsstier vor den Toren Uruks zu töten und sein Herz dem Sonnengott zu opfern. Wie viele frühgeschíchtlichen Mythen hat die Gilgamescherzählung einen astronomischen Hintergrund. Doch diese Interpretation des `Himmelsstieres´ (GU4.AN. NA, alû ) , das übersetzt `der von oben´ bedeutet, wird von der Wissenschaft negiert. Nur die Überlegungen eines Außenseiters wie Werner Papke zieln in diese Richtung.

himmelsstier02                                                           Der Himmelsstier

Dabei geben doch die sumerischen Texte der Gilgamesch Erzählung einen allzudeutlichen Hinweis. Als der Himmelsgott An sich zunächst weigert, Inanna (Ischtar) den Himmelsstier zu überlassen, begründet er dies wie folgt: `Meine Kleine, der Himmelsstier hätte keine Weide, beim Horizont ist seine Weide. Jungfrau Inanna, der Himmelsstier weidet im Land, wo die Sonne aufgeht. Dir werde ich den Himmelsstier nicht mitgeben.´ Die Schilderung dass der Himmelsstier nur am östlichen Horizont grasen könnte trifft die astronomische Situation zu jener Zeit, denn das Sternbild Stier ging exakt im Osten auf. v In der Erzählung führt die Himmelsgöttin Ischtar deren Symbol das Sternbild Jungfrau war den Stier nach Uruk. Auf den Lauf der Sternbilder übertragen, beschreibt die Erzählung die Wanderung des Stieres hinter der Jungfrau. Von seinem Aufgangsort im Osten, bis zu seinem Unter- gang im Westen. Papke interpretiert die Erzählung als eine Beschreibung des morgend- lichen Sternenhimmels zum Beginn des Herbstes. Im 3. Jahrtausend v. Chr. stieg zu dieser Jahreszeit die Jungfrau über den Horizont im Osten, während der Stier im Westen unterging. Bildlich ausgedrückt zog die Jungfrau den Stier während der Nacht wieder zum Aufgangsort. Im Epos wird dieser Untergnag druch den Kampf der beiden Helden thematisiert.
Zu dieser Zeit markiert die Konstellation am Himmel den Zeitpunkt an dem in Messo- potamien der Acker gepflügt und anschließend die Saat ausgebracht werden musste. Naturgemäß spielten dabei Zugochsen für den Pflug eine wichtige Rolle. In der Gilga- mesch Erzählung werden jedoch der Liebesakt und Vorgang des Pflügens als eine Analogie gesehen. In der Vorstellung war Inanna sowohl Frau als auch der jungfräuliche Acker der zur Saat bereit war, der aber durch das pflügen zuerst noch vorberiet werden musste. Deshalb trug die Jungfrau auch den Beinamen die Ackerfurche. Im Epos wird der Stier häufig als Wildstier bezeichnet und stellt damit ein Symbol für die wilde ungebändigte Naturgewalt dar. Sie wird auch als Bild für die Beschreibung der Sintflut benutzt, ebenso wie für das zornige Wüten eines Königs. Im Wort Ururk ist unverkennbar noch die indo- germanische Wortwurzel Ur enthalten, das Wasser bedeutet, Erst im Zuge der Stier- mythologie wurde das Wort mit dem Urrind dem Auerochsen, in Verbindung gebracht. Diese Wandlung zeigt sich auch im lateinischen Wort `urus´, der Aurochse . Ursprünglich hat Ur aber nichts mit dem Rind gemein, vielmehr ist es aus dem `uralten´ Wortes hewir ‚männlich, jugendlich, stark‘ hervorgegangen. Der Ort an dem nach Auffassung der Wissenschaft die Astronomie ihren Ursprung hatte wäre es zu erwarten  dass auch die Mythologie des `Himmelstieres´ das Stadtkonzept beeinflusst hat.

Uruk Plan 1                                                  Uruk, Aufgang Stier und Orion

Wie in den vorangegangen Bespielen musste die Figur in Blickrichtung vom Aufgangs- bis zum Untergangspunkt als Vorlage gedient haben. Dabei scheint jedoch nicht die Lage des hellsten Sternes Aldebaran entscheidend gewesen zu sein, sondern die Geste des `Himmelstieres´. In allen Positionen weist er vom Tempelareal zur Stadtmauer. Das erzählerische Schwerpunkt der Vorlage zeigt sich bereits in der Aufgangspostition, die ihn nicht direkt über dem Horizont, sondern zusammen mit Orion darstellt, Er verkörperte Gilgamesch der den Stier tötete ehe er das Land verwüsten konnte. Auch die Lage im Süden, wenn der Stier den Zenit seiner Laufbahn erreichte, scheint als Grundlage für die Westgrenze gedient zuhaben. Doch ehe der `Himmelsstier diese Position erreicht hat, nimmt er die Richtung der Sommersonnenwende ein, wo seine zentralen Sterne die Lage der Haupttempel markieren.

Uruk Plan 2                                            Kulmination des Stieres im Süden

Sich der Macht der Sterne zu vergewissern wurzelte in einem Glauben der ihnen geheim-nisvolle Kräfte zusprach die seit ewigen Zeiten das Schicksal der Menschen bestimmten. Wie es scheint hat sich dieser Gedanken über Jahrtausende hinweg erhalten und verlor sich erst als Astronomie und Astrologie getrennte Wege gingen.

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