Burg Ramsberg – die Widderburg

Auch die Anlage von Burgen erfolgte, wie knapp 1600 Jahre zuvor die keltischen Oppida,
astronomisch – astrologischen Prinzipien. Eines dieser Beispiele ist die Burg Ramsberg die auf einem ins Lautertal weisenden Sporn des Rehgebirges liegt, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie wurde um 1200 erbaut und wird 1225 als Besitz des Ritters Ulrich von Plochingen erstmals urkundlich erwähnt. Eine Besonderheit des Gebäudes ist ihre dreischiffige Halle, die als Aufenthaltsraum der Burgmannschaft diente. Mit ihren neun Jochen und 4 achteckigen Pfeilern findet sich außer in der Kreuzfahrerburg Akkon kein ähnliches Beispiel in Europa.

Burg Ramsberg                                                Burg Ramsberg bei Donzdorf

Für den Präfix des Namen `Ram´ können zwei Interpretationen herangezogen werden. In der althochdeutschen Sprache gibt es für `ram´ die Übersetzung Rabe, aber auch Widder oder Schafsbock. Als Widder ein mittelalterliches Gerät zum Erstürmen von Befestigung- en bezeichnet, der wie ein Rammbock eingesetzt wurde. Doch der Widder ist auch das erste Sternzeichen des Tierkreises und markierte vor rund 3000 Jahren den Frühlings- punkt. In der klassischen Astrologie wie sie Ptolemäus in seinem Werk Tetrabiblos be- schreibt wird der Charakter des Widder als männlich beschrieben, der die Sonne erhöht. Die antike Iatroastrologie ordnete das Sternzeichen dem Kopf des Menschen zu. Obwohl der Widder teils männliche Attribute besaß, hatte er auf Grund seiner Eigenschaft den Frühlingsbeginn zu markieren ebenso weibliche Qualitäten. Innerhalb der römischen Mytho logie war ihm die Göttin Minerva zugeordnet. Sie galt als Beschützerin der Hand- werker und des Gewerbes. In späterer Zeit veränderte sich ihr Bild immer mehr und glich sich der griechischen Göttin Athene an. Ebenso galt Minerva als die Göttin der Weisheit, der taktischen Kriegsführung, der Kunst und des Schiffbaus. Ihr Hauptfest war der 19. März, die Quinquatrus, das Fest der Zünfte und Innungen. Hier wird der schöpferische und zugleich fruchtbringende Aspekt des Widders deutlich der sich in der Göttin Minerva offen- barte. Er weist weist zurück auf die ursprüngliche Bedeutung, wo das Sternbild den heute noch so bezeichneten Widderpunkt markierte. An diesem Tag stand das Sternbild dort   wo am 21. März, dem Frühlingsbeginn die Sonne aufging. Aufgrund der Wanderung des Punktes durch den Tierkreis hat der Punkt mittlerweile in das Sternbild des Fisches ver- schoben.Doch vor ungefähr 3000 Jahren, in der Zeit als die Grundsteine heutiger Relig- ionen gelegt wurden, entstand auch das Motiv des Widders als Gottessymbol.Ramsberg 01

Ramsberg – Visierpunkte

Mit seiner Zeugungskraft unterstreicht er symbolisch die elementare schöpferische Natur- und Lichtkraft die im Widderpunkt wieder erwachte. In der christlichen Lehre stellt der Widder deshalb eine Präfiguration von Christus dar und sein Bild wurde häufig in der christlichen Bildplastik bei Kapitellen und Konsolen innerhalb von Kirchbauwerken ver- wandt. Nach dem Psychoanalytikers C. G. Jung stellt der Widder auch ein Bild des `kriegerischen Siegers´ dar. Aus diesem Blickwinkel verkörpert der Widder also alle Eigenschaften die ein erfolgreicher Herrscher benötigt. Lässt sich der Name auf die in   der Eisenzeit entstandene Mythologie des Widders zurückführen, müssen also auch   noch formale Bezüge zu erkennen sein.
Messelstein                                                             Der Messelstein

Eine mögliche Beziehung zum Frühlingsbeginn der sich auch im Minervakult offenbarte ist die Beziehung zum Messelstein, einem der höchsten Punkte auf der Alb In der Zeit um den 20. März liegt der Sonnenaufgangspunkt vom Ramsberg aus betrachtet über dem Fels auf. Dass dieses Datum auch klimatisch wichtig ist zeigt der Bauernkalender, denn dort steht über den 19.März, dem heutigen Josefstag und früheren Beginn der Minerva- feiern: Ein schöner Josefstag bringt ein gutes Jahr. Die Ausrichtung der Südwestfassade nur auf die Bedingungen des Baugrundes zurückzuführen wird der Konzeption des Ge- bäudes nicht gerecht, denn die senkrechte fluchtet eine auffällige Landmarke den den Hohenstein bei Gingen. Dabei weist die Flucht der Fassade selbst weist auf den Sonnen- aufgangspunkt am 15. August. Interessant am Konzept der Burg Ramsberg ist jedoch der Visierpunkt Hohenstein, der den Kreis zum Widder schließt.

Zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende um 1200 stand das Sternbild des Widders während des Sonnenunterganges zusammen mit dem Mars über dem Hohenstein. Dass die Ausrichtung des Geländes wahrscheinlich auf weitaus älteren Beobachtungen beruhen könnte, zeigt der Sternenhimmel um 5800 v. Chr. Da sich auf Grund der Erdschiefe nicht die gleiche Konstellation wie um 1200 ergeben konnte, stand zu diesem Zeitpunkt Aldebaran, der Hauptstern des Stieres in dieser Position und kündete  den Wiederanstieg der Sonnenlaufbahn nach der Wintersonnenwende an.

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