Staufeneck – die Burg der Aussaat

Staufeneck Filstalpanorama copy                               Erstes Bild der Burg Staufeneck im Filstalpanorama

Eine Reihe von Beispiel entlang der Alb zeigt, dass die Lage einer Burg nicht nur durch den Zweck oder die Repräsentation bestimmt war, sondern sich vom von seiner Bedeut- ung die lange vor er Christianisierung inne hatte. Dieser dem Ort innewohnende Mythos diente nicht nur zur Bedeutungssteigerung sondern floss meist auch in den Adelsnamen mit ein. Ein weiteres Beispiel das diese Zusammenhänge veranschaulicht ist die Burg Staufeneck. Die aktuelle Geschichtsschreibung nennt einen Ritter `de Stowfinegge´ der die Burg 1250 erbaut hat. Dieser um 1215 geborene Ritter `de Stowfinegge´. wird gleich- gesetzt mit dem 1235 erstmals in einer Urkunde auftauchende Ritter Friedrich von Staufen. Er soll als Vogt und Kastellan auf Burg Hohenstaufen gewirkt haben. Dessen Sohn Eberhard wurde später Domherr in Konstanz. Doch bereits um im 16. Jahrhundert zog der schwäbische Chronist Martin Crusius, in seinen `Annales Suevici´, die Gründung der Burg durch Ludwig Zweifel. Dass die Spornburg , die auf einem Ausläufer des an- grenzenden Rehgebirges errichtet wurde, an einem einst wichtigen Ort errichtet wurde zeigen die Beziehungen zu einigen Landschaftspunkten.

Staufeneck Süden                                                      Staufeneck von Süden

Von der Burg aus betrachtet gibt es vier wichtige Visurpunkte die eine weitaus frühere Nutzung des Ortes für kultische Zwecke nahelegen. Wie die Burg Ramsberg hat auch die Burg Staufeneck eine Verbindung zum Messelstein da er auf der Linie des Äquinoktiums liegt. Wichtiger scheint jedoch die Visur zum Waldenbühl zu sein der ähnlich geformt ist wie weiter westlich gelegene Scharfenberg. Hier ist der Sonnenaufgang am 02. Februar zu beobachten, dem Tag des früheren keltischen Lichterfestes und heutigen Fest Maria Lichtmess. Ebenso ist die Burg auf er Linie des Sonnenunterganges während der Winter- sonnenwende, der über dem Kornberg bei Bad Boll beobachtet werden kann. Diesen Be- zug hat auch der heutige Kurort. Von dessen Heilquelle aus kann man zu diesem Zeitpunkt den Sonnenaufgang beobachten. Nimmt man die Senkrechte zur südlichen Mauer als An- haltspunkt, weist sie auf den Visierpunkt Kuchberg der dem Michelsberg bei Geislingen vorgelagert ist. Auch dies könnte mit den geoglischen Gegebenheiten des Untergrundes bei der Burg erklärt werden. Doch diese Ausrichtung auf den Kuchberg kann kein Zufall sein, denn um 1200 stand hier während des Äquinoktiums, um Mitternacht Spica, die Kornähre, der hellste Stern des Sternbildes Jungfrau.

Staufeneck Plan 01

Dieser Umstand lohnt eine nähere Betrachtung des Namens `Stowfinegge´ Auf Grund des ähnlich Klingen Namens Staufen sehen Historiker hier eine Parallele zum Geschlecht der Staufer. Beide Wortteile des Namens finden sich in der indogermanischen Sprache. Der Präfix stow leitet sich aus dem Wort Wort stu oder sta ab das stehen bedeutet, während sich der Präfix sich ent- weder auf auf die Bedeutung spitz zurückführen lässt oder auch in der heutigen Bedeut- ung des Säens gesehen werden kann. Somit könnte der Name auch als stehende Saat interpretiert werden, was einen inhaltlichen Zusammenhang zum Kuchberg ergäbe. Der Gedanke Stowfinegge auf den alemannisch-fränkischen Namen einer Siedlung, oder auf das gleichnamige Gebäck zurückzuführen in der die Erdscholle metaphorisch überhöht wurde greift zu kurz. Im Kuchberg ihm steckt noch das althochdeutsche Wort Kuo, das eine Vorform des Wortes Kuh darstellte. Dieses Wort Kuo lässt sich über das indoger- manische Wort gous bis zum altindischen `gau oder `gaus´zurückführen mit dem Stier, oder Kuh bezeichnet wurden. Das Wort erscheint m Namen der hinduistischen Göttin Gauri wieder, der `die Helle oder ´die Goldene` bedeutet. In der antiken Mythologie taucht sie dann als Gaia wieder auf. Spica verkörpert den Aspekt der Fruchtbarkeit. In Mesopotamien war der Stern Spica unter dem Namen dšala šubultu , Göttin Kornähre bekannt, Später wurde sie auch als Göttliche Jungfrau der Kornähre be- zeichnet. Auch in der römischen Mytholgie hatte Spica ihren fest- en Platz. Hier wurde sie Göttin Ceres gleichgesetzt. Wie beim Visierpunkt Kuchberg deut- lich wird, hatte dies auch ganz praktische Gründe. Stand Spica über dem Visierpunkt so markierte der Stern das Äquinoktium und damit den Beginn der Aussaat.

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