Zoller – Der Sonnenberg

Das Haus Hohenzollern ist eine der bedeutendsten deutschen Dynastien, deren Wurzel auf dem gleichnamigen Berg liegt. Ihren Aufstieg bis zur tonangebenden Macht während der Reichseinigung verdankte die Dynastie der Treue gegenüber staufischen und luxem- burgischen Königen. Der Bedeutung des Adelsgeschlechts angemessen, zählt auch ihre Stammburg heute noch zu den schönsten Burgen Deutschlands. Die die heutige dritte Burg, liegt auf einem tropfenförmigen Bergkegel, der als Zeugenberg angesehen. Trotz der Konzentrischen Form weist die Burg aber ein Hauptrichtung auf die nach Nord-Osten weist.

Burg Hohenzollern schwäb AlbWie bei den in den letzten Artikeln beschriebenen Burgen, ist auch hier der Ursprung des Namens bis heute nicht eindeutig geklärt. Die erste Erwähnung des Adelsgeschlechtes geht zurück auf eine Erwähnung in der Weltenchronik des Reichenauer Mönches Berthold aus dem Jahr 1061. Dort vermerkte er , dass die Brüder Wezil und Burchardus `de Zolorin´ im Kampf gefallen sind. In der Folgezeit gab es mehrere Abwandlungen des Namens. In Schriften tauchte er als Zoler, Zolr, Zolre oder auch als Zolra.auf. Erst ab der Mitte des 14. Jahrhunderts wandelte sich der Name allmählich zu Hohenzolr oder auch Hohenzolre.

Eine einfacher Möglichkeit bestände darin, den Name als eine Abwandlung des Wortes Söller zu sehen, das iderum aus dem lateinischen Wort solarium entstand. Dieses be- zeichnet eine sonnenbeschienene, hochliegende Plattfiorm. Eine weitere Möglichkeit, die den landschaftlichen Gegebenheiten folgt, bietet die die Aufspaltung des Namens Zolrin in zwei Teile. Der Präfix Zol oder col ließe sich dann auf den lateinische Ausdruck collinus, der Hügel zurückführen, während der Suffix dann dem lateinischen Ausdruck oriendi, des Entstehens, nahe kommt. beide Teile zusammengefasst wären damit `der Berg des Ent- stehens´. Dies träfe nicht nur als Beschreibung der landschaftlichen Situation zu,  sond- ern könnte auch die damalige Selbsteinschätzung des Adelsgeschlechtes charakteris- ieren.

Hohenzollern Plan01

Sonnenaufgangspunkte

Wie die vorangegangen Burgen hat auch die Burg Hohenzollern eine Ausrichtung die durch ein konkretes Datum bestimmt wird. Vergleicht man diese Richtung mit der Wand- erung der Sonnenaufgangspunkte, so entspricht sie dem Aufgang am 01.Februar, dem früheren keltischen Fest Imbolc, oder heutigen Fest Maria Lichtmess. Von der Burg aus betrachtet, geht die Sonne an diesem Tag über einem Ausläufer der Alb auf, der zwischen Starzeltal und dem Bärentäle liegt. Diese Ausrichtung verbindet den Burgberg mit einer weiteren Landmarke, dem weiter im Südwesten, bei Beiersbronn gelegenen Kienberg.
Im Grundriss der Burg ist aber noch eine weitere Bezugsrichtung zu entdecken, denn der Zugang zur Burg ist bis zur letzten Kehre vor dem Burgtor auf den Sonnenaufgang währ- end der Sommersonnenwende ausgerichtet, die über dem Plateau des Dreifürstensteins zu sehen ist. Eine Weitere Bezugsrichtung dürfte sicher auch ein Indiz dafür sein dass der Hohenzollern Berg bereits Teil eines weitaus älteren Bezugssystems war die wichtige Landmarken miteinander verband.. So ist vom Hohenzollern aus betrachtet, der Sonnen- aufgang zum 1. August über dem weiter nord-östlich liegenden Kornbühl zu sehen. Auch dieses Datum war einst ein wichtiges Fest der keltischen Kultur. Es wurde als erstes der drei Erntefeste oder auch als Kornfest bezeichnet.

kornbuehl um 19201                                                         Kornbühl um 1920

Der Berg lieferte die Markierung innerhalb des Sonnenkalenders an dem früher die Ernte begann. Somit wäre dies auch eine logische Erklärung für den Name des Berges auf dem heute eine Kapelle steht.

Kornbuehl , Kapelle                                                       Kornbühl mit Kapelle

Somit liefert dieses Sonnen-Bezugssystem auch eine Erklärung für den Kornbühl, auf dem heute eine der St. Anna geweihte Kapelle steht. Dass dieses Patrozinium der alten sehweise Rechnung trägt zeigt de Gedenktag der Heiligen Anna am 26. Juli, also in unmit- telbarer nähe zum alten Kornfest. Dieser Tag wurde als Lostag zum Bestandteil des bäu- erlichen Kalenders. An diesem Tag sagt der Kalender: `Ist St. Anna klar und rein, wird bald das Korn geborgen sein´.

Die Sonnenbezüge des Hohenzollern lassen nun die Interpretation der Namensentstehung eines Historikers in einem neuen Licht erscheinen. `Mons solarius´, der Sonnenberg, so vermutete er den Ursprung des Namens.Aber viel mehr ist der Hohenzollern wohl der Berg des Entstehens. Von ihm aus war der Beginn der Aussaat und der Zeitpunkt der Ernte zu sehen die die Natur hervorgebracht hatte..Die jüngere Geschichte zeigt, dass die Hohenzollern diesem, dem Ort innewohnenden Mythos treu blieben Im übertragen Sinne führten sie mit Aufstieg Preußens zur Großmacht die Entstehung des Deutschen Reiches herbei.

 

Fotos: schwäbischealb / salmendingen.de

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