Der Untersberg – ein Kalenderphänomen Teil 2

In einer Zeit als es noch keine mechanischen Uhren gab waren die Menschen auf die exakte Beobachtung von Aufgängen der Sonne und denen von Sternbildern angewiesen um wesentliche Zeitpunkte des Jahres exakt bestimmten zu können. Dabei war es ent- scheidend dass beide Vorgänge zeitlich zueinander in Bezug gesetzt werden konnten. Diese Kenntnis die Lage von Sternbildern bestimmen zu können muss im europäischen Raum schon innerhalb der Epoche des Aurignacien, also während der letzten Eiszeit entstanden sein. Eine Untersuchung der französischen Ethnologin und Astronomin Chantal Jègues-Wolkiewiez zu den Tierdarstellungen in der Höhle von Lascaux vermittelt dazu einen guten Überblick.

Lascaux Tierdarstellung           Lascaux, Tierdarstellung um 17.0000 v. Chr als Sternbilder Stier und Zwilinng

Überlieferungen wie in früheren Zeiten der Zeitpunkt für den Wechsel der Jahreszeiten zeitlich bestimmt wurde gibt es bereits aus sumerischer Zeit. Jedes Land besaß auf Grund unterschiedlicher Klimata eigene Zeitpunkte, doch die Echdaten wie die Sonnenwenden oder die Äquinoktien waren überall gleich. Im römischen Reich wurde nur zwischen Sommer und Winter unterschieden, eine Einteilung die der keltischen ähnlich war. Dabei richtete sich aber die landwirtschaftliche Tätigkeit im Wesentlichen nach dem Aufgangszeitpunkt von Sternen. Erste Überlieferungen dazu, in denen astronomischen Erkenntnisse in Bezug zur landwirtschaftlichen Tätigkeit gesetzt wurden, stammen von dem griechischen Schriftsteller und Ackerbauren Hesiod der im 8. Jahrhundert v. Chr. lebte.

Hesiod Schriftsteller                                                                 Hesiod

Mit den beiden Werken Ilias und Odysee von Homer, gelten Hesiods Schriften heute als die Hauptquellen für das Wissen über die griechische Mythologie, sowie das Alltagsleben jener Zeit. Durch seine Schriften gilt Hesiod auch als der Begründer des diaktischen Epos in dem Dichtkunst und Anweisungen zu einer ertragreichen Landwirtschaft zusammen-flossen

Bei seinen Anweisungen zur Aussaat und Ernte unterschied Hesiod folgende Phasen: Den Beginn des Frühjahrs bestimmte er mit dem Spätaufgang des Sternes Arktur, dem hellsten Stern aus dem Sternbild des Bärenhüters. Er stieg damals 60 Tage nach der Win- terwende über dem Horizont auf. Die Erntezeit sah Hesiod beim Frühaufgang der Ple- jaden, die zusammen mit der Sonne aufstiegen und analog dazu bestimmte er die Ernte- zeit mit deren Untergang zusammen mit der Sonne. Daran anschließend sah Hesiod die Dreschzeit des Korns, die er auf den Frühaufgang des Orion legte. Das Jahr endet in Hes- iods Darstellung mit der Wintersaat, die mit dem Frühuntergang der Plejaden, der Hyaden oder des Orion einsetzte. Ähnliche Überlegungen existierten aber mit Sicherheit schon seit dem Beginn der Landwirtschaft.

Das Siedlungsgebiet der Alpen hatte seit dem plötzlichen Ende der Eiszeit ein wechsel-haftes Klima hinter sich, das sich aber ab 3150 v. Chr. wieder deutlich verbesserte und dessen Temperaturdurchschnittswerte teilweise über denen von heute lagen. Bei der Be- stimmung von Kalenderpunkten am Untersberg ist das bereits im letzten Artikel beschrieb- ene Dreieck mit dem Ettenberg, dem Eckberg sowie dem Ochsenberg genauer zu be- trachten, denn es weist schon durch die Rechtwinkligkeit und die Seitenverhältnisse auf die Besonderheit des Ortes hin. Betrachtet man nun den Lauf der Sternbilder und der Sonne, kommt nicht nur den drei Bergen eine unterschiedliche Funktion zu, sondern dann lässt sich auch der Zweck der Mittagsscharte erkennen. Nur vom Eckberg aus konnte zeitgleich ein Ereignis beobachtet werden, das den Lauf der Sterne und der Sonne zuein- ander in Bezug setzte.

Ettenberg Mittagsscharte                                                       Das Ettenbergdreieck

Um 2200 v.Chr., als genau jener Epoche, in der die beim Fuderheuberg beschriebene Straubinger Kultur die Landschaft besiedelte, tauchte während des Sonnenaufgangs der Sommersonnenwende der Stern Arktur aus dem Sternbild Bärenhüter in der Mittags- scharte auf. Arktur ist der hellste Stern des Nordhimmels und der dritthellste des ge- samten Himmels. Während der Stern durch de Scharte wanderte, stieg die Sonne über den Visurpunkt des Hochzinkens auf. Damit konnte ein eindeutiges Ereignis ermittelt werden, das für die Zeitrechnung von entscheidender Bedeutung war. Auch im Name des Ochsenberges ist noch seine ursprüngliche Bedeutung zu erkennen. Vom Ettenberg aus ist hier der Sonnenaufgang zum 1. Mai zu erkennen, dem heutigen Fest Maria Königin. In diesem Fest hat sich ein Brauch aus dem keltisch irischen Fest Beltaine bis Heute erhalten, denn an diesem Tag ziehen festlich geschmückte Ochsen den Maipfahl zum Platz des Maifestes.

Ettenberg Kirche                                              Wallfahrtskirche Maria Ettenberg

Bereits der erste Artikel über den Untersberg wies auf die geometrische Anomalie der Scharte hin. War sie als geologische Formation auch nur zum Teil vorhanden, so war auch die weitere Ausformung zu einem Dreieck eine große Herausforderung für die damalige Zeit, in der Symbolik und Zeitmessung miteinander verbunden wurden.

Simulation mit:stellarium – Sonnenstandspositionen / volker-quaschning.de/datserv

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