Das Maß des Sonnenwagens

Im Jahr 1902 wurden in einen Moor bei Trundholm in der dänischen Provinz Seeland mehrere Teile eines Miniaturwagens, sowie eines kleinen Pferdes gefunden. Aus ihnen ließ sich das Ensemble rekonstruieren das als Sonnenwagen von Trundholm Geschichte machte. Die bestimmenden Elemente der Plastik aus dem 14. Jahrhundert. v. Chr. sind die vergoldete Scheibe mit ihrem Dekor und das kleine Pferd, die beide ein auf Räder stehendes Gespann bilden.

Trundholm Moor                                            Fundort 1902,  Moor bei Trundholm

Dieses Motiv, einer von Pferden gezogenen Sonne, die ein Wagenlenker über den Himmel zieht findet sich in vielen Mythologien. Eine der bekanntesten unter ihnen ist die Legende des griechischen Sonnengottes Helios, dessen Aufgabe darin bestand, den von 4 Heng- sten gezogenen Sonnenwagen über den Himmel zu lenken. Nur einmal soll es bei dieser Fahrt zu einem Unglück gekommen sein, als der Sohn des Helios, Phaethon, den Son- nenwagen seines Vaters stiehlt und selbst das Gespann über den Himmel lenkt. Schon bald gerät der Wagen mit dem unerfahrenen Lenker außer Kontrolle und stürzt Erde in eine Katastrophe, die der römische Schriftsteller Ovid mit dramatischen Worten be- schreibt: `Die Erde geht in Flammen auf, die höchsten Gipfel zuerst, tiefe Risse springen auf, und alle Feuchtigkeit versiegt. Die Wiesen brennen zu weißer Asche; die Bäume werden mitsamt ihren Blättern versengt, und das reife Korn nährt selbst die es verzehr- ende Flamme… Große Städte gehen mitsamt ihren Mauern unter, und die ungeheure Feuersbrunst verwandelt ganze Völker zu Asche.“

Sonnenwagen                                                  Sonnenwagen im Museum

Zeus, der von der Erdgöttin Gaia zu Hilfe gerufen wurde , zerstört den Wagen mit einem Blitz worauf Pheathon getötet wird und in den Fluss Eridanus stürzt.. Der amerikanische Autor Immanuel Velikovsky sah in dieser Erzählung einen Hinweis darauf, dass sich in der Bronzezeit eine globale Katastrophe ereignet hatte. Er interpretierte die außer Kontrolle geratene Sonne als den Zusammenprall der Erde mit einem Meteor der bei seinem Auf- prall die Erdachse ins Trudeln brachte. Im Wagen von Trundholm taucht die Sonne als direktes Bild in der Scheibe und als abstraktes Motiv in den Vierspeichenrädern auf. Sie entsprechenden dem in Nord- und Mitteleuropa weit verbreiteten Motiv des Rad- oder auch Sonnenkreuzes..Dieses ist in Petroglyphen oder Steinsetzungen der Jungsteinzeit ebenso zu finden, wie in zahlreichen Funden der Bronzezeit. Mit den beiden gekreuzten Linien ver- eint es die Darstellung der vier Himmelsrichtungen, ebenso wie die Unterteilung des Tages in zwei Abschnitte. Hier zeigt es den Sonnenlauf während des Tages und den während der Nacht,  in der die Sonne in den damaligen Vorstellungen eine Unterwelt durchlaufen musste. Doch nicht die astronomische Interpretation der Scheibe soll hier im Mittelpunkt stehen, sondern das verwendete Maß. Unter Archäologen finden Maße und Proportionen heute kaum Beachtung, obwohl in diesen das Wissen und die Vorstellungen einer Kultur weit besser codiert sind als in vielen Fundstücken.

Pferd mit Maßen                                                     Maße des Sonnenwagens

Die Gesamtlänge der Plastik beträgt 59,6cm. Wenn der Wagen nach einer Maßordnung gestaltet wurde, bildet die Scheibe den Ausgangspunkt der Betrachtung. Sie hat einen Durchmesser von 26,4cm. Setzt man als Kreiszahl die von Appollonius von Perga aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. überlieferten Werte von 3.1416 an ergibt dies einen Umfang von 82.938cm. In der Reihe vormetrischer Maße entspricht dieser Betrag dem von dem schottischen Ingenieur Thom gefundenen Megalithischen Yard. Thom ermittelte dabei eine Spreizung vom 82,7s cm bis 82.94cm. Ein viertel dies Maßes, also 20,735cm steht ab wiederum im Verhältnis von 5/2 zu dem aus Babylon überlieferten Maß der Nippur Elle. Auch das Pferd entspricht diesem Maßsystem, denn seine Länge von 59,6cm steht im Verhältnis 18/13 zum Megalithischen Yard.. Nur seine Höhe von 18, 5cm, die im Verhältnis 2/9 zum Megalitischen Yard steht, ist eine geringfügige Abweichung von 1,5 % zum Ideal- maß festzustellen. Das Mittel des von Alexander Thom festgestellten Maßes beträgt 82,85 cm. Ein Maß das auf den ersten blick willkürlich erscheint. Da das Megalithische Yard dem Umfang der Scheibe entspricht lohnt sich ein Vergleich mit dem Erdumfang. Hier zeigt es sich, dass es vor lange vor der Bestimmung des Urmeters als 10-Millionsten Teil eines Viertelquadranten des Erdumfanges schon andere vergleichbare Längenmaßfestlegungen gab. Mit einer möglichen Definition von 48 Millionen Teilen des Umfanges weicht das Megalithische Yard nur um 0.16% vom Heute gemessen Wert ab. Somit könnte der Wert 48, also 6×8, nicht nur ein Hinweis auf das in dieser zeit verwendete Hexagesimalsystem sein, sondern auch einen Einblick in die damaligen Vorstellungen vom Aufbau des Kosmos geben. Weit mehr noch ist die Proportionsordung des Sonnenwagens ein Hin- weis darauf, dass schon frühe Kulturen eine Vorstellung von der Kugelgestalt der Erde hatten und der Meter nur ein weiterer Entwicklungsschritt der Menschheit war.

Eine Erklärung für die Zahl 48 wäre sie als Produkt der Zahlen 8 und 6 zu sehen, die beide einer symbolischen Bedeutung unterliegen. Die Zahl 6 verbindet als kleinste vollkommene Zahl die Zeitrechnung mit der Gradzahl des Erdkreises, während 8 in alten Mythologien für ein Gleichgewicht und die Vollendung einer Zeit steht. Innerhalb der platonischen Körper ist der Hexaeder, oder auch Würfel mit seinen 6 Seiten ein Symbol der Erde. Mit Hilfe von Achsen und Punkte bietet er 48 Möglichkeiten die Figur auf sich selbst abzubilden. Damit liefert das symbolische Bild der Erde als platonischer Körper eine weitere Erklärung für den Teiler 48 der zum Megalithischen Yard führte.

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