Mythos Externsteine

Externsteine van Lennep 1663                              Externsteine: kupferstich von Elias van Lennep ,1863

Das Beispiel der Mittagsscharte zeigte wie die Gesteinsformation, für die Zeitmessung in einer begrenzten Epoche genutzt werden konnte. Natürlich hätte dies auch einfacher be- werkstelltigt werden können, doch schon die Größen der um 5000 v. Chr. entstandenen Kreisgrabenanlagen in Mitteldeutschland weisen auf einen weiteren Aspekt der Zeitmes- sung hin. Der pragmatsiche Ansatz im Lehrgedicht `Werk und Tage´ des griechischen Dichters Hesiod weist  auf die Verbindung der Zeitbestimmung zur landwirtschaftlichen Tätigkeiten hin, doch diese waren immer auch mit religiösen Riten verknüpft, die auch Macht und Prestige ausdrückten.

Externsteine See                                              Wiembecketeich und Externsteine

Mit der gleichen Methode kann auch eines der umstrittensten Gesteinsformationen be- trachtet werden, die Exzernsteine im Teuteburger Wald.Auch hier weist das Erschein- ungsbild der Gesteinswand innerhalb der saxonischen Gebirgsbildung geometrische Ano- malien auf die in dieser Form kaum alle natürlichen Ursprungs sind. Auf Grund der Verwit- teungsbeständigkeit des Gestein sollten im Umfeld eigentlich ähnliche Formationen zu erwarten sein. Auch die lineare Anordnung bis zum See deutet eine bestimmte Absicht an. Auch deshalb drängt sich hier der Gedanke auf, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein die Optik störendes Umfeld weiterer Gesteinstürme beseitigt wurde. Vergleicht man ähn- liche Sandsteinformat- ionen, wie die im Bryce Canyon, so sind diese meist in Gruppen angeordnet.

Bryce canyon1                                                              Bryce Canyon

Dass Monumente nicht immer gebaut werden müssen, sondern auch im Umkehrver- fahren aus dem Stein herausgearbeitet werden können, zeigen die Beispiele der Labilla Kirchen in Äthiopien.In Teilen der Felsen sind Bearbeitungsspuren aus unterschiedlichen Zeiten zu erkennen. Die wichtigsten Veränderung die bislang nachweislich von Menschen erschaffen wurden, sind im Grottenfelsen und im Turmfelsen zu sehen. Am Rande einer Feuerstelle in einer Grotte gefundene Zeichen wurden 1881 von Carl Dewitz als Runen- zeichen beschrieben. Diese Beschreibung wurde in der Folgezeit von anderen Forschern auch als Binderune oder auch als Yulzeichen interpretiert. Sie dienten der ab dem 19 .Jahrhundert erwachten Begeisterung für das germanische Erbe als Beweis einer Kult- stätte zur Sonnenbeobachtung. Inzwischen konnte der Astronom Burkhard Steinrücken von der Sternwarte Recklinghausen durch eine umfangreiche Studie nachweisen, dass die Öffnung in der Turmkammer durchaus für Bestimmungen von Sonnenwende geeignet ist.

Externsteine Plan1                                              Sternpeilung von den Externsteinen

Doch diese Beobachtung des Sonnenuntergangspunktes aus der Turmnische dürfte  ganz am Ende einer langen Geschichte astronomsicher Beobachtungen bie den Externsteine gestanden haben. Wie die Mittagsscharte uaf dem Untersberg,  gibt die Steinreihe eine ideale Peilrichtung vor, die hier zusammen mit dem Licht des Sonnen-unterganges gesehen werden kann. Auf dem Wasser konnten ideale Marken angelegt werden um Jahr für Jahr das gleiche Maß der ersten Sonnenstrahlen bestimmen zu können, während vom Turm aus der entsprechende Stern angepeilt werden konnte. Er musste in einer Fluchtrichtung bei 313°Nord-West liegen und unter einem bestimmten Winkel über dem Horizont stehen der heute nur geschätzt werden kann.

spiegelung Wasser                                            Sonnenspiegelung auf dem Wasser

Da erste Siedlungsspuren hier schon kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit doku- mentiert sind, könnte dieses Phänomen als bereits sehr früh erkannt worden sein. Um 10.500 v. Chr konnte während der Wintersonnenwende in dieser Richtung Deneb, der hellste Stern aus dem Sternbild Schwan angepeilt werden. Er bildet mit Wega und Altair auch das Sommerdreieck. Im Zeitraum um 5600 v. Chr. war zum gleichen Zeitpunkt dann der Stern Vega zusehen und mit dem Stern Arktur um um 800 v. Chr. Der musste bereits unter einem flacheren Winkel angepeilt werden. Auch zu dieser Ziet wurden wieder Siedlungsspuren nachgewiesen. Somit ist gut vorstellbar dass dieses Monument auch dem Ende der Peilmöglichkeit jahrtusendelang verlassen wurde. Nach dem Stern Arktur gab es keine weiteren gleich hellen Sterne mehr, die zeitgleich mit dem Sonnenuntergang die Peilachse durchliefen. Die so verloren Funktion der Steinreihe musste nun durch eine direkte Peilung ersetzt werden und das Wissen über den einstigen Zweck der Extern-steine geriet in Vergessenheit.  Wahrscheinlich änderte sich damit auch insgesamt die Blickrichtung hin zum Äquinoktium, dessen Linie bei dem Ortsteil Bellenberg auf zwei auffällige Geländeformationen trifft. Trotz des Bruches mit den Tradtitionen verbindet das Kreuzabnahmerelief mit seinen Proportionen die alte Zahlenmystik mit dem neuen Glaube.

Simulation mit Stellarium / Fotos: Wikipedia/Janericloebe

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