Jerusalem – Tochter Zion

Die aktuellen Anschläge in Jerusalem, die einhergehen mit wachsender Gewalt zwischen Juden und Palästinensern, zwingen zum Nachdenken über die Hintergründe der Stadt. Alle drei monotheistischen Religionen beanspruchen Jerusalem als ihre heilige Stadt. Deshalb ist auch kaum ein Ort so oft zerstört und anschließend wieder neu aufgebaut worden, Paradoxerweise heißt der Name auf Hebräisch `Jeruschalajim´, d. h. Wohnung des Friedens. Siedlungsspuren sind im Stadtgebiet ab dem 4.Jahrtausend nachweisbar, doch eine Erwähnung findet der Ort erst in ägyptischen Dokumenten des 18. Jhd.´s v. Chr. Dort wird er als Auschamen oder Ruschalimum bezeichnet. Dieser Name soll wahr- scheinlich.auf den vermuteten Gott Schalim“ zurückgehen, der in den kanaanitische Götterlisten als Gottheit der Abenddämmerung geführt wird. Er gilt als eigentlicher Patron der Stadt.

Ölberg auf elsendom 19. Jhd Georg Macco                                    Georg Macco, Jerusalem im 19. Jahrhundert

Diese Identifizierung geht auf den Archäologen und Orientalisten William Albright zurück. Er sah Šalim, mit dem auch der Gruß Shalom verwandt ist, als Gottheit der Abenddäm- merung. Als Gegenpart war ihm seine Schwester Šaḥar der Göttin der Morgendämmer- ung zugeordnet. Beide Gottheiten verweisen auf die Venus als Abend- und Morgenstern. Deshalb sind für John Gray sowohl Šaḥar als auch Šalim als eine Gottheit zu sehen, die durch die Venus verkörpert wurden.

Venus Genetrix 02                                                Venus Genetrix; Flroenz Uffizien

Durchaus ähnlich wurde sie später als `Venus genetrix´ auch als Stammmutter des römischen Volkes betrachtet. Besonders das Geschlecht der Julier bezog sich in seiner Abstammungslegende auf sie. Dass der Ursprung Jerusalems nicht auf eine männliche Gottheit sondern in Wirklichkeit auf eine Frau zurückzuführen ist zeigt sich schon in der personifizierenden Bezeichnung der Stadt als Tochter Zion (בת ציון). Die ältere Forschung sieht hier noch einen symbolischen Heilstitel des jüdischen Volkes, doch die neuere Forschung sieht in dem Name Tochter Zion eine eigene metaphorische Qualität die nicht nur mit bestimmte Motive, Formen und Inhalte verbindet, sondern auch einen spezifischen theologischen Aussagewillen erkennen lässt.
Belege für diese Personifikation finden sich in den Prophetenbüchern. Hier sind es zum einen Texte in den Klagen zum Ausdruck kommen, wo Jerusalem als leidendes Kriegs-opfer, Witwe und verlassene Mutter bezeichnet wird. Aber es gibt auch Texte, die die Stadt als Abtrünnige, Hure oder auch als Ehebrecherin beschreiben Noch heute hat das Wort Stadt in vielen Sprach ein weibliches Geschlecht, eine Tradition die zurückgeht bis zu den Ursprüngen der ersten Stadtgründungen im Zweistromland. In den Sprachen des west- semitischen Raumes wie im Hebräischen ist das Wort weiblichen Geschlechts. Weibliche Titel und sprachliche Zusätze wurden dort als Ausdruck der Verehrung gesehen. Wie es scheint, wurde der Stadt, deren Schutz einer Stadtgöttin übertragen wurde, auch göttliche Eigenschaften zugewiesen .
Doch auf Grund des Mangels von aussagekräftigen Belegen bleibt es offen, wie zu dieser Zeit das Verhältnis zwischen der Stadt und ihrer Stadtgöttin tatsächlich gesehen wurde. Ikonographische Quellen, sowie zahlreiche Münzen deuten jedenfalls daraufhin, dass eine personifizierende Darstellung von Städten mittels weiblicher Titel und Eigenschaften wie `Hohe Frau´, `Heilige´ oder ´Mutter´ zumindest möglich und in dieser Region vielerorts auch geläufig war.

Jerusalem Modell                                               Jerusalem mit Tempel, Modell

Wie die ägyptischen Texte zeigen, begann die dokumentierte Siedlungsgeschichte Jerusalems im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. Herrschersitz wurde die Stadt um 1000 v. Chr. Durch die Eroberung König Davids, der die damals jebusitische Stadt zu seiner Residenz machte. Mit phönizischer Hilfe baute sein Nachfolger Salomo den Tempel auf dem Tempelberg Sion, dem heiligen Berg Israels, als dem festen Wohnsitz Gottes. Die Stadt wurde 586 v. Chr. durch Nebukadnezar zerstört, ab 538 v. Chr. von den Juden wiederbesiedelt, und 515 v. Chr. War der Aufbau des zweiten Tempels war beendigt. Der wurde durch Herodes d.Gr. monumental ausgebaut und nach Aufständen gegen die römische Besatzungsmacht zwischen 70 und 135 n. Chr. Erneut zerstört. Danach entstand hier ein Jupiterheiligtum.

Jerusalem Plan1                                                     Jerusalem, das Urbild

Auch am Grundriss Jerusalems zeigt sich, dass das Bild der Schutzmacht auf den Boden zu übertragen ist. Er kann als Mischung exakter Übertragung ähnlich wie in Philae und gleichzeitig als allegorisches Bild der Präfiguration  biblischer Ereignisse interpretiert werden. Während die Jungfrau am Morgen aufsteigt weist ihre Hand auf den Tempel, während die Andere mit der Kornähre über dem Gebiet des Grabes Jesu liegt. Das in Babylon entstandene Symbol der Fruchtbarkeit und Ernte steht nun im übertragenen Sinn für die Frucht des neuen Glaubens. Gegen Abend liegt sie umgekehrt und markiert die Ostgrenze mit dem Tempel. Jetzt liegt der hellste Stern Spica im Tal Kidron. Im Glauben von Christen und Juden soll das Jüngste Gericht direkt vor dem Goldenen Tor im Kidrontal stattfinden, gleichsam die letzte große Ernte der Menschheit. Damit kann der Grundriss der Stadt als eine gebaute Präfiguration der kommenden Geschichte angesehen werden

Grabmal Abschalom Kidrontal                                             Kidrontal, Grabmal des Abschalom

Maria wird von den drei großen Weltreligionen verehrt. Auch die 21 Sure des Korans be- richtet wie die heilige Schrift von einer Jungfrauengeburt. Dort bringt sie ihren Sohn unter ihrem Symbol, der Palme, als Isa bin Maryam zur Welt. `Und der, die ihre Keuschheit wahrte, hauchten Wir von Unserem Geist ein und machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Welten´. Die Bilder zeigen wie sich im Lauf der Jahrtausende die Heilser-wartung an den Ort in ein kollektives Gedächtnis eingegraben haben und jede Religion die Deutungshoheit darüber beansprucht. Der Friede, dessen Name die Stadt ja verkörpert, kann also erst eintreten wenn dieser Heilsanspruch aufgegeben wird und endlich die ge- meinsamen Wurzeln der drei Religionen erkannt werden, die ja auf einer Reihe minimaler Unterschiede theologischer Streitigkeiten beruhen.

Tragisch wäre es, wenn die im Grundriss Jerusalems angelegte Präfiguration der Ge- schichte durch Menschenhand gewaltsam herbeigeführt würde. Diese Sehnsucht nach Erfüllung eines alten Planes ist eng mit dem Heilsversprechen verknüpft das Theologen selbst erschaffen haben. Aber diese `letzte Ernte´, das Jüngste Gericht im Kidrontal, auf die die Ähre der Jungfrau am Spätnachmittag hinweist, würde aber auch das Ende der drei mono-theistischen Religion bedeuten. Aber vielleicht ist dies auch ein unabänderlicher Zyklus auf den die Kornähre im Kidrontal hinweist, der den alten Baumeistern noch durch- aus bewusst war. So war bisher mit jedem Sternbildwechsel im Frühlingspunkt auch ein Paradigmenwechsel der Religion verbunden. Also müssen wir noch ungefähr 200 Jahre warten, bis der nächste Wechsel des Frühlingspunktes in das Sternbild Wassermann ein ganz natürliches Ende der drei Religionen herbeiführt.

Sternbild Wassermann

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