Mythos Odilienberg

Stich um 1890Odilienberg um 1890

Der langestreckte Bergrücken ist der heilige Berg des Elsaß, auf dem Herzog Eticho im Jahre 690 für seine Tochter Odilie, auch Odile genannt, ein Kloster errichten ließ. Der Bau entstand auf den Resten einer Burg die auf einem ehemaligen keltischen Quellheiligtum errichtet wurde. In der Legende der heiligen Odilia wird berichtet, dass ihr Vater die blind geborene Tochter töten lassen wollte. Doch mit Hilfe ihrer Mutter und der Amme konnte sie gerettet werden. Im Kloster Palma, dem heutigen Kloster Baume-les-Dames am Doubs wurde ihr nach der wundersamen Begegnung mit einem Engel während der Taufe das Augenlicht wieder geschenkt. Zehn Jahre nach dem Bau des ersten Klosters erfolgte der Bau eines zweiten am Fuße des Berges, dessen Ort Odilia in einer Vision durch Johan- nes den Täufer übermittelt wurde. Nach ihrem Tod wurde Odilia in einem Sarkophag auf dem Berg bestattet. Odilia`s Gedenktag ist der 13. Dezember, der Tag an dem vor der Gegorianischen Kalenderreform die Wintersonnenwende stattfand.

KlosterKloster Odilienberg

In Interpretationen ihres Namens wird er oft aus dem altdeutschen Wort `ead, od´ abge- leitet das für Besitz steht. Doch das Wort kann auch mit Burg oder Schutz übersetzt werden, was der symbolischen Bedeutung des Namens Odilie viel näher kommt. Allzu- offensichtlich erscheint in ihm auch das Wort Lilie. Innerhalb der religiösen Symbolik verkörperte sie bereits in der Antike die Schöpfungs-und Geburtskraft. Als dreilappige Lilie war sie das Zeichen der römischen Göttin Juno und später auch das der Jungfrau Maria. Somit kann der Name Odilie viel treffender als Schutz der Lilie übersetzt werden, die auch das Zeichen gallischer Heilgöttinnen wie er Sequana war. Ganz offensichtlich wird der Schutz in Gestalt der Heidenmauer, die sich mit ihren wuchtigen Blöcken einst einen über 10 Kilometer langen Schutzwall um den Berg bildete. Obwohl die Mauer neuesten Unter- suchungungen zufolge in der Spätantike wieder erneuert wurde, muss sie doch aus einer viel früheren Epoche stammen. denn fast identische Steinverbindungen wurden auch in Wandresten in Japan gefunden.die aus der Megalithzeit stammen.

HeidenmauerTeilstück der Heidenmauer

Nicht nur die Mauer veränderte den Berg, auch das Plateau wurde wie bei vielen frühge- schichtlichen Anlagen zu beobachten ist,, nach Sonnen – und Mondrichtungen umgestalt- et. Es ist wohl kaum einer geologischen Zufall zu verdanken, dass das Plateau exakt zwischen die Richtung der großen Mondwende Süd und der Untergangsrichtung der Sonne während er Wintersonnenwende eingepasst ist.

Odilienberg Plan1Ausrichtung nach Sonne und Mond

Diese Ausrichtung folgt auch die Bergspitze, die zusammen mit der benachbarten die Schenkel eines Dreieckes mit einer Öffnung von 50° bilden, in dessen Mitte das Kloster Neumünster liegt. Aber den Berg wurde sicher nicht nur durch seine Heilquelle zu einem Wallfahrtsort von überregionaler Bedeutung, sondern auch den Sichtbezug zu weiteren Landmarken. Diese Beobachtung des Sonnenaufganges an wichtigen Tagen erklären auch Flurnamen, deren Hintergründe sich im Laufe der Geschichte verloren haben.

Odilienberg Plan2Sonnenaufgangspunkte

Ein auffälliger Bezug des Berges besteht hier zur nordöstlich liegenden Hornisgrinde wo der Sonnenaufgang am 23. April beobachtet werden kann. In der Literatur wird der Flur- name aus den beiden Worten `mons grinto´ abgeltet , was soviel bedeutet wie sumpfiger Kopf. Auch dies dürfte eine Fehlinterpretation sein, denn der 23. April ist in der Landwirt- schaft ein wichtiger Lostag, der Georgitag. Die Verehrung des Heiligen Georg, dem Drach-entöter, verbreitete sich vom Vorderen Orient über den Mittelmeerraum nach Europa. Seine Verehrung in Deutschland erreichte ihren Höhepunkt, als Bischof Hatto von Mainz im Jahre 896 das Haupt Georgs auf die Bodensee-Insel Reichenau brachte. So können am Georgitag, wichtige Wetterprognosen für die kommenden Wochen erstellt werden. Eine der Regeln des Bauernkalenders lautet: Kommt St. Georg auf dem Schimmel,, kommt ein gutes Jahr vom Himmel!´In vielen ländlichen Gemeinden wird der Tag, der auf alte Frucht- barkeitsrituale zurückzuführen ist heute noch mit Pferderritten weitergeführt. Insofern kann das Horn des Namens Hornisgrinde auch als ein Füllhorn gedeutet werden kann, das an diesem Tag gefeiert wurde. Ein weiter Berg mit einem Sichtbezug zum Odilienberg ist die Teufelsmühle über dem am 1. Mai die Sonne aufsteigt. Schon der Name lässt unschwer erkennen, dass die Umtriebe in der Walpurgisnacht dabei Pate standen. Groß formatige Steine die auf dem Berg zu finden sind deuten auf eine ähnliche Entstehungs- geschichte wie die Befestigungen auf dem Odilienberg. Auch hier bilden Sagen die Brücke zu einer vergessenen Epoche in der Berge nicht nur als Ritualorte genutz wurden, sonder auch Wetterstationen waren.

Simulation mit Sonnenpositionsprogramm, http://www.volker-quaschning.de

Fotos: Wikipedia / Krieger

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