Der Runde Berg – ein Sonnenkalender

Runder BergDer Runde Berg bei Bad Urach

Der Runde Berg erhebt sich zwischen zwei Wasserfällen ungefähr 250m über ein Seitental bei Bad Urach, Sein Plateau hat damit fast die Höhe des ihn umgebenden Albrandes. Bereits 1897 wurde der Berg als archäolog- isches Denkmal aufgeführt, wobei zu dieser Zeit der Landeskonservator Eduard Pauls auf dem Plateau noch eine Opferstätte vermutete. Doch neue Überlegung die auch auf den Gedanken des Tübinger Historikers Heinrich Dannenbauer gründeten, sahen in dem Berg einen Fürstensitz. Im Gegensatz zu der in der Romantik entstandenen Vorstellung von ger- manischen Stämmen als Verbände von Freien sah Dannenbauer eine Gesellschaft die von Adligen regiert wurde.
Eine Grabungskampagne, die von 1967 bis 1984 dauerte, führte zahlreiche Funde zu Tage die ein detaillierteres Bild der Besiedelung ermöglichten
Sie ergaben dass das Plateau seit dem frühen Neolithikum genutzt wurde, doch erst ab der frühen Bronzezeit wurde es für längere Zeit dauerhaft genutzt. Nach einer längeren Epoche ohne Nutzung wurde der Berg um 550 v. Chr. erneut besiedelt ehe die Anlage um 400 v. Chr. zerstört wurde. Erst ab dem 2.Jahrhundert n. Chr. sind dort wieder neue Siedlungsspuren zu erkennen.
Auf dem Kalksteinplateau wurden bei den Grabungen zahlreiche Vertief- ungen von Pfostenhäusern und einer einem Wall aus Doppelpfosten ge- funden. Obwohl sich die Vertiefungen zur Einspannung der Holzpfosten auf Grund zeitlicher Überschneidung nur schwer einzelnen Gebäuden zuzuordnen waren, war dennoch der Umriss eines größeres Gebäudes unübersehbar. Dieses  Bauwerk, mit einer Fläche von 20m Länge und 9m, Breite bildete das Zentrum der Anlage. Archäologen sehen das Gebäude als Indiz für den dort vermuteten alemannischen Fürstensitz, doch eine geometrische Analyse des Plateaus zeigt dass die Einschätzung von E.Paulus der einstigen Funktion des Runden Berges wohl am nächsten kam. Bereits die Ausrichtung des langgestreckten Bergkammes auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende zeigt, dass sich der Name Rund nicht aus seinerForm entwickelt haben kann. Nur von Bad Urach aus, wo die abgerundete Frontsicht auch die besten Aufnahmen ergibt, erscheint er auch tatsächlich abgerundet. Betrachtet man die von den Archäologen freigelegte Grundrissstruktur der Anlage, scheint sie auf den ersten Blick dem Verlauf der Landschaft zu folgen.
Doch bei genauerer Betrachtung war dies genau umgekehrt. Während die West- und die Ostseite der Befestigung der Richtung der großen Mond- wende Nord folgen, sind die Seiten der schräg zulaufenden Spitze, sowie des westlichen Abschlusses, auf Sonnenaufgangspunkte am 1.Februar und den 1.Mai ausgerichtet. .Durch diese perfekte angelegte Geometrie erschließt sich nun auch der eigentliche Zweck des Gebäudes auf dem Runden Berg.

Runder Berg Plan1Ausrichtung des Walles nach Sonnen – und Mondrichtungen

Mit seiner Ausrichtung auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende ist es durchaus vergleichbar mit einem auf dem Mont Lassois liegenden Gebäude. Bekannt wurde die keltische Ansiedlung bei Chatillon-sur-Seine im burgundischen Dép. Côte d’Or. Durch die in den 50-er Jahren erfolgte Entdeckung des Grabes der Madame von Vix. Das zentrale Gebäude dieser Anlage auf dem Mont Lassois war ein Apsidengebäude mit einer Länge von 35m und einer Breite von 15m. Dort sollen zwei Tore den Blick nach Nordosten freigegeben haben. Auch hier ist die Blickrichtung auf ein Ereignis am Himmel abgestimmt. Neben einer möglichen Ausrichtung auf einen Sonnenaufgangspunkt gibt es noch eine wesentlich eindeutigere Erklärung, die Ausrichtung auf den Aufgangspunkt des Sternbildes Jung- frau während der Wintersonnenwende.

Mont Lassois Apsidengebäu KopieMont Lassois, Apsidengebäude

Die Ausrichtung auf die Sommersonnenwende, verbunden mit den beid- en seitlich liegenden Wasserfällen machten den Berg schon seit jeher zu einem einzigartigen Platz für einen Kultort. Durch weitere Visurpunkte, wie zum 1. Mai auf den Felsen des Schloßberges Hohenurach oder zur Som- mersonnen wende auf den westlich gelegenen Galgenberg war es auf dem Runden Berg möglich, das Jahr ähnlich einem Speichenrad, in 8 Abschnitte zu unterteilen.

Dieses Rad das in einem Bildnis des Gottes Taranis überliefert ist, wird  als Sonnensymbol. gedeutet. Vor ungefähr 2500 Jahren tauchte das Symbol im Hind uismus auf, wo als Lebensrad und als Sinnbild der Lehre Buddhas verkörpert, der damit das Rad der Lehre in Bewegung setzte. Mit diesem Symbol würde sich jezt auch der tiefer Sinn des Namens Runder Berg als ein Kultort erschließen.

Hirschkühe  Speichenrad KopieSpeichenrad mit Hirschkühen

Fotos:wikipedia/ustill/CC-BY-SA-2.0/ bcl3top.rz.uni-kiel.de

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