Das Bild der Gottheit

Im Jahr 1838 entdeckte der Archäologe E. Paulus in der Nähe von Holz- gerlingen eine Statue. Die doppelgesichtige Skulptur, deren Arme wie ein Rahmen den Oberkörper umschließen, wurde aus gelblich grauem Stub- ensandstein hergestellt. Paulus selbst sagte über seinen Fund: ´… entd- eckte man im Jahre 1838 auf dem Schützenbühl bei Holz-gerlingen ein überaus merkwürdiges, räthselhaftes Denkmal ältester Bildhauerarbeit,  die colossale Statue eines Götzen mit Janusartigem Doppelkopfe. Das- selbe ist 8′ hoch, aus grobkörnigem Keupersandstein (Stubensandstein) äußerst roh gearbeitet; seltsam sind die weit über den Kopf hinaus- ragenden Ohren, von denen sich übrigens nur eines noch erhalten hat.´

holzgerlingen zeichnungStele von Holzgerlingen

Diese von Paulus als Ohren bezeichneten Ausbuchtungen werden heute als stilisierte Blattkrone gedeutet obwohl ihre Geometrie mehr einer Gloriole gleicht, die ab dem 5. Jhd. v. Chr. als Attribut antiker Gottheiten auftauchte. Als Vergleich gibt es nur wenige ähnliche Statuen gibt wie die vom Glauberg. Auf Grund formaler Unterschiede vermuten Archäologen deshalb, dass es sich hier nicht um das Abbild eines Fürsten handelt, sondern um das Bildnis einer nicht näher bestimmten Gottheit. Eine Analyse der Proportion scheint diesen Gedanken zu bestätigen. Mit einer Länge von 230cm entspricht das Maß der Skulptur der 8-fachen Länge des vormetrischen Baumaßes von 0.2879m.

Holzgerlingen PlanStatue mit Proportionen

Der aus der Nippur Elle entstandene Nippur Fuß mit einer Länge von 0,2764m ist ein Teilmaß des bislang ältesten dokumentierten Maßstabes. Er wurde zunächst in 16 Fingerbreiten, den digiti geteilt, bis er in Meso- potamien mit 12 Teilen verwendet wurde. Von dort aus gelangte er über Handelsstraßen in den Osten, wo aber im dekadischen System gerechnet wurde. Dort wandelte er sich zum Erdfuß mit einer 10-er Teilung und einer Länge von 0,2307m. Auch bei den vormetrischen Maßen gab es eine Tendenz immer längere Maßstäbe zu verwenden. Aus dem ursprünglichen Nippur-Fuß entstand durch 16Teilung eine Fingerbreite von 1.4398 cm. Bei der Rückwanderung des Maßstabes wurde daraus das pygon mit 20 Einheiten und einer Länge von 0.2879m Dieses Maß war auch noch bis ins Mittelalter als Längenmaß gebräuchlich. Mit diesem Maß lässt sich nun die Proportion der Figur in ganzzahligen Verhältnissen beschreiben. Dabei steht der Durchmesser des Kopfes in einem Verhältnis von 11/100, zwei Zahlen die mit ihrer symbolischen Bedeutung auf eine Gottheit verweisen.

Nippur ElleDer Vierkant der Nippur Elle

Erst die christliche Religion macht die 11 zu einem Symbol der Unvoll- kommenheit und der Sünde. Dieser Makel der 11, unvollständig zu sein,  im Schatten der zahl 12 zu stehen, hat wohl auch astronomische Gründe. In einer Zeit in der für die exakte Kalenderberechnung der Lauf des Mondes und der Sonne aufeinander abgestimmt werden mussten sind, diese 11 Tage die Differenz von Sonnen- und Mondjahr.  So fehlten nach einem Zyklus von 19 Mondjahren immer 209 Tage oder 7 Monate mit je 30 Tagen die durch Schaltjahre ausgeglichen werden mussten. Doch im pythagor- eischen Zahlensystem wo mit der 11 die Ganzheit der ersten 10 Zahlen überschritten wird deutet sich die geistige Dimension der Proportion an.   In der 11 taucht die 1 als das Symbol des Uranfanges gleich zweimal auf, doch als Quersumme erhält sie die 2 nach der Lehre des Pythagoras ist dies die erste weibliche Zahl. Zugleich ist die 2 das Symbol der Dualität, aber auch die des Gleichgewichtes. Dieser Verweis auf eine geistige Ebene taucht auch in den Zahlenwerten von Runenschriften auf. So hatte die 11. Wikingerrune die Bedeutung Sieg und das vergleichbar german- ische Zeichen die Bedeutung Sonne. Diese Zuschreibungen sind keines- falls nur in der nordischen Schrift enthalte, sondern ihre Geometrie und auch ihr Inhalt gleichen dem Tetraktyssystem der pythagoreischen Schule um 500 v. Chr. Die begriff Sieg und Sonne als Symbole für die Überwind- ung des Geistes.

Lebensbaum KopieDer Lebensbaum

Dieses Motiv der Überwindung erscheint auch in der Zahl 11 des Lebens- baumes. Er besteht aus 10 Sphären, auch Sefiroth genannt, wobei es noch eine zusätzliche gibt, Da’ath, die Sefirah ohne Zahl. In fast allen Kulturkreisen ist dieser Lebensbaum das Symbol des Mikro- und des Makrokosmos, ebenso verkörpert er das Prinzip des Universums wie den des inneren Menschen ist. In dieser Gestalt ist er eine „Landkarte“, zum Verständnis des Seins. Mit diesen zehn Sefiroth, sowie dem ohne Zahl sind 32 Pfade der Weisheit verbunden. Der Ursprung dieser in der Kabbala zusammengefassten Weisheit ist unklar, aber sie dürften auf die Mysterienkulte Ägyptens zurückzuführen sein, ebenso wie auch auf Ein- flüsse ostasiatischer Religionen. Schriftlich erwähnt wurden sie zum ersten mal im `Buch der Schöpfung´ das im 3, Jhd. n. Chr. in Palästina entstanden ist.

Kritios KnabeKritios Knabe  um 480 v. Chr.

Am Ende stellt sich dann doch die Frage, wie trotz der engen Handels- beziehungen keltischer Völker zum mediterranen Raum dieser Unter- schied im bildnerischen Gestalten zustandekommen konnte. Deshalb erscheint die Figur auch den eisenzeitlichen Skulpturen Sardiniens näher zu stehen als denen des 4. Jahrhunderts Vielleicht war die Stele von Holzgerlingen doch der Überrest einer wesentlich älteren Kultur Kultur, ähnlich den geschnitzten Holzfiguren gotischer Altäre die wir heute noch besitzen.

Stele SardinienSardinien, Stele aus der Bronzeit

Fotos: Wikipedia/Ana al’ain

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