Die Sonne Londons

Sagen, sind sie auch noch so fantastisch bergen doch stets einen wahren Kern, der sich der sich entschlüsseln lässt. So auch bei den Sagen, die die Gründung der Stadt London beschreiben, denn sie soll auf eine Zeit vor der römischen Epoche zurückgehen. Eine dieser Legenden erzählt. dass die Stadt durch Brutus, einem Nachfahre der Trojaner gegründet worden sein soll. In Italien, der Zufluchtsstätte der untergegangenen Trojaner hatte er seinen Vater Silivius, der den Sohn des aus Troja geflüchteten Aeneas versehentlich erschlagen. Nachdem er aus der Kolonie der Trojaner ver- bannt wurde. Mit seinen Getreuen gelangte er über die Gegend von Tours nach Britannien. Dort erschlug er die Riesen die auf der Insel lebten.

Trojanisches PferdTiepolo, die Trojaner schleppen das Pferd in die Stad,

In der griechischen Sagenwelt wird Trojas Gründung auf die beiden myth- ischen Könige Ilios und dessen Neffe Tros zurückgeführt. Beider Name führte schließlich zum Name der Stadt. Mit Tros verbindet sich aber noch eine weitere Sage, die des Ganymed. Er war der jüngste Sohn des Tros und wird in den Erzählungen als wunderschön beschrieben Zeus fand ihn so reizend, dass er ihn in Gestalt eines Adlers auf den Olymp entführte. Dort sollte er den Göttern fortan als Mundschenk dienen. Als Gegenleist- ung für sein Opfer erhielt Tros einige besonders schnelle Pferde. In seiner neuen Aufgabe löste Ganymed Hebe, die Tochter des Zeus ab. Aus Dank fürsein Zuneigung verlieh Zeus später dem geraubten Ganymed die Un- sterblichkeit indem er ihn als das Sternbild Aquarius in den Himmel ver- setzte. Damit wurde er auch zum Symbol für den Winterregen, der den Mittelmeermenschen das lebensspendende Wasser bringt.

Als die Römer im Jahr 43 n. Chr. Britannien eroberten, gründete sie an der heutigen Themse den Ort Londinium. Zum Ursprung des Namens gibt es unterschiedliche Deutungsversuche. In der im 12. Jahrhundert geschrieb- enen Historia Regum Britanniae wird berichtet, dass er von einem König Lud stammen soll. Der Linguist Richard Coates sieht aber den Ursprung des Namens in dem gallischen Wortstamm Llyn din, dem späteren Begriff Lin, der übersetzt, Schild oder Schutz bedeutet. Also insgesamt könnte der Name als Schutzburg interpretiert werden. Allerdings weist der antike Grundriss Londiniums Merkmale des keltischen Erbes auf, in dem Son- nenrichtungen in die Geometrie mit einbezogen wurden.

London Plan 1London, römische Siedlung

Sie lassen auch eine ganz andere Interpretation zu. Eines dieser Merk- male ist die perfekte Lage der Stadt bezüglich der damaligen Mythologie. Bei Londinium hatte die Themse die gleiche Richtung wie der Sonnen- aufgang zu den jährlichen Isisfesten. Zur Zeit der Stadtgründung Lond- iniums verlor zwar der Isis Kult in Ägypten an Bedeutung, aber im ge- samten römischen Imperium genoss er eine rasch wachsende Popu- larität.Kaiser wie Trajan, Hadrian und Commodus unterstützen den Kult nach Kräften. Große Isistempel gab es in Köln, Mainz und eben auch in Londinium. Im Gegensatz zu Militärlagern der Römer, die auf einer recht- winkligen Grundrissstruktur beruhen wurden hier nicht nur Verkehrswege, sondern auch wichtige Punkte des Grundrisses auf Sonnenauf- und Unt- ergangspunkten der Winter- bzw. Sommersonnenwende bezogen. Ähn- lich wie bei keltischen Ansiedlungen, liegen auch hier wichtige Zugänge  auf diesen Visurlinien..

Apollon VersaillesApollon Statue, Versailles

Die Bedeutung der Wintersonnenwende im Grundriss könnte auch ein Indiz dafür sein , dass die Sonnengottheit Apollon eine ebenso große Be- deutung genoss wie Isis genoß und die Stadt unter deren Schutz stand. Ob dies der römische Sonnengott Sol  Invictius war, der sich im 1. Jahr- hundert als Schutzgott der Herrscher entwickelte, oder ein gallo-römischer Sonnengott, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls würde sich an diesem Punkt der Kreis der Mythen schließen.

Sol InvictusSol Invictus

Getreu der Gründungslegende hieß der Stammvater der geflüchteten Trojaner Ilios, was dem griechischen Wort für Sonne entspricht. Auch Troja stand unter dem Schutz des Sonnengottes. ER bietet auch einen Schlüssel für den Namen der keiner Sprache so richtig zuzuordnen ist. In der altkeltischen Wörterliste Heinrich Tischners findet sich ein dem ersten Trojanerkönig nahezu identisches Wort, illion, das mit anschwellen über- setzt wird. Auch das keltische Wort londos, wild und kühn gleicht ihm im Klang. Dies lässt vermuten dass sich hier mehrere Bedeutungsebenen zu einem neuen Mythos überlagert haben, der noch immer eine Bezug zu Troja hat.

London römische ZeitVon dieser Legende scheint die Stadt heute noch zu zehren , wenngleich der Sonnengott jetzt in einem ganz andren Bereich zu suchen ist. Doch nicht nur die Stadt London gründet auf der Legende Trojas, das römische Imperium wäre ohne sie nicht erklärbar und auch die Franken sahen sich als rechtmäßige Nachfahren der Trojaner. Selbst im Kapitol in Washington sind die Motive zu finden die an den trojanischen Krieg erinnern. In der  Statuary Hall steht der geflügelte Wagen auf dem eine Frau mit einem Buch steht. Dieses Motiv weist eine verblüffende Ähnlichkeit zur Göttin  des Krieges und der Weisheit Pallas Athene auf. Stets war sie im trojan- ischem Krieg präsent um ihren Held Achill mit Rat und Tat zu Seite zu stehen. Auch sie besaß einen Wagen mit dem sie sich in das Schlachten- getümmel stürzte, dass sie genauso liebte wie ihr Bruder, der Kriegsgott Ares,

Fotos: wikipedia/gnoto – Jastrow/by Remi Jouan

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