Der Glauberg

 Glauberg LuftbildGlauberg Luftbild

Auch der Glauberg ist ein gutes Beispiel dafür wie in früheren Zeiten die Ausrichtung einer Siedlung mit Mond- und Sonnenrichtungen überein-stimmen musste. Er liegt langge-streckte Höhenzug an der Einmündung des Seemenbaches in die Nidder. Der Tafelberg, mit seinen nach drei Seiten steil anfallenden Bergflanken, ist ein Basaltausläufer des weiter im Nordosten liegenden Vogelsberges. Zahlreiche Funde weisen hier auf die Besiedelung des Plateaus ab 5000 v. Chr. Hin. Allerdings zeigen die bis- lang geborgenen Funde auch, dass die Ansiedlung dort starken Schwank- ungen unterworfen war. Nach einer größeren Lücke konnte erst im 9. Jahr- hundert v. Chr. wieder eine erneute Siedlungstätigkeit nachgewiesen wer- den. Aus dem 6. Jahrhundert, in dem die Siedlung auf dem Glauberg eine Blütezeit erlebte, stammen auch die Überreste von Pfostenschlitzmau- ern. Sie wurden während eines Brandes der Siedlung im 5. Jahrhundert zerstört und anschließend zusammen mit Wällen im angrenzenden Gebiet des Glauberges wieder aufgebaut.

Keltenfürst GlaubergEine weltweite Aufmerksamkeit erreichte die archäologische Forschung auf dem Glauberg durch den Fund von zwei reich ausgestatteten Fürsten- gräbern am Fuße des Südspitze. Neben zahlreichen wertvollen Grabbei- gaben wurde dort auch eine überlebensgroße Steinfigur gefunden. Auf Grund des im Stein sichtbaren Brustpanzers wurde sie als Krieger- oder Fürstenbildnis interpretiert.

Bei Siedlungen der Jungsteinzeit ist oftmals eine Präferenz der Gelände- ausrichtung an den Mondwenden festzustellen. So auch beim Glauberg dessen Achse perfekt auf den Ausgangspunkt der großen Mondwende Süd ausgerichtet ist. Ein geradezu ideales Beispiel ist die in einem Artikel bereits dargestellte Mondseekultur, die im 4. Jahrtausend v. Chr. am gleichnamigen See im Salzkammergut lebte. Doch der Mond allein bietet noch keine Erklärung für die Geometrie der Siedlung und den Namen des Berges, der In frühen Urkunden des 8. Jahrhunderts zum ersten Mal als Glovpurch erwähnt wird. Im Präfix scheint das althochdeutsche Wort `glaw´, durch,  das die Eigenschaft wachsam oder scharfsinnig ausdrückt. Viel besser erschließt sich jedoch der Name aus den Gewässernamen Nidder und dem Haupfluß Nidda, die folgt bis zur ihrer Mündung in den Main auch im Wesentlichen der Richtung der großen Mondwende. So scheint es ähnlich wie am Mondsee, eine doppelte Übereinstimmung der Ausrichtung mit der Natur gegeben zu haben. Der Gewässer- und Ortsname Nida ist in Europa, auch in abgewandelter Form noch häufig anzutreffen.

Kurenkreuz beKurenkreuz mit stilisierter Schlange

Eines dieser Beispiele findet sich auf der Kurischen Nehrung, der Heimat der Kuren. Als baltische Wikinger erlebte das Volk seine Blütezeit während des 11. und 12. Jahrhunderts und in der Abgeschiedenheit der Ostsee hielt sich bis in die Neuzeit hinein ein Glaube, der eine Mischung aus Christ- entum und vorchristlicher Naturreligion darstellt. Auf dem Friedhof ihrer ehemaligen Hauptstadt Nida (Nidden) sind noch die typischen Kuren- kreuze zu sehen, die das Bild des lateinischen Kreuzes und das einer stilisierten Kröte oder Schlange in sich vereinen. Diesen Kult eine Erd- göttin zu verehren erwähnte bereits der römische Geschichtsschreiber und Senator Tacitus in seiner Schrift Germania. Die Schlange verkörperte in vorchristlichen Religionen die Erdgöttin mit ihren lebensspendenden Kräften und war durch ihre Häutung gleichzeitig ein Sinnbild der Wieder- geburt.

Sündenfall Sixtinische KapelleSündenfall, Michelangelo, Sixtinische Kapelle

Erst das Christentum zeichnete ein völlig anders Bild von ihr. Die alt- christ liche Exegese sah in ihr oder dem verwandten Drache, den Teufel und Widersacher Gottes, der den Sündenfall Evas bewirkte. In ihr erschienen die Mächte des Bösen und der Zerstörung die der Mensch zu überwinden hatte. Auch der im 13.Jahrhundert lebende italienische Dichter und Philo- soph Dante griff in seiner Göttlichen Komödie dieses Bild auf. In ihr be- schreibt er, wie sich die Verdammten nach ihrem Höllensturz zu bös- artigen Schlangen verwandeln.

Glauberg  Plan 1Die Hydra des Glauberges

Wird nun das Sternbild Hydra, das im Sagenkreis des Herkules eine wichtige Rolle spielt während des Aufganges zur Wintersonnenwende an der Achse des Horizonts gespiegelt, wird nicht dadurch nur ein Teil des Umrisses vom Glauberg festgelegt, sondern der Stern Sirius markiert dann gleichzeitig auch den Ort des Fürstenrgrabes am Glauberg.

Fürstengrab KopieDas Fürstengrab

Bilder: wikipedia, Cherub

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