Externsteine – was Maße erzählen

Schlichte Maße sind keinesfalls inhaltslose Zahlen die nur bestimmte Raumkanten definieren. Der gewählte Maß, sowie die daraus entstand- enen Proportionen sagen viel über die Zeit der Entstehung und deren mythologischen Vorstellungen aus. Ein Raum in der Felsformation der Externsteine, die Felsenkammer im Fels 2 war in der Vergangenheit oft Gegenstand zahlreicher Spekulationen. In der Kammer mit einer kon- ischen Öffnung auf der Ostseite steht eine Säule auf einem Postament.

Externsteine LithographieExternsteine, Lithographie um 1850

Eine Analyse des Raumes und seiner Öffnung durch Astronomen Rein- hard Schlosser hat inzwischen bestätigt , dass das Loch zur Beobacht- ung der Wintersonnenwende benutzt wurde. Der Heimatforscher Walther Machalett, war mit einer der ersten, die sich auch mit den an den Extern- steinen feststellbaren Maßen beschäftigten. In der Säule, die einschließlich des blockartigen Kapitells aus dem Fels herausgearbeitet wurde, sah der ein Abbild des europäischen Urmaßes.

Urmaß 01In der Höhe von 127 cm, die halb- iert 63,5 cm ergeben, sah er bereits jenes Maß kosmischen Ursprungs auf dem andre System aufbauten. Doch die Maßforschung, wie wir sie heute kennen, steckte zu jener Zeit noch in den Kinderschuhen. Dass sich die Säule in eine Dreiecksfigur mit dem Neigungswinkel Cheops Pyramide. einfügen ließ, sah er darin auch eine Verbindung zur ägyptischen Kultur. Doch die schwärmerische Be- hauptung Machaletts hält einer Prüfung nicht stand, denn die postulierte Verbindungslinie unter dem gleichen Winkel endet eben nicht auf der Pyramide sondern ca. 100 km weiter westlich. Aber das Maß 63,5cm ist zu auffällig um es auch als schwärmerischen Behauptung abzutun. Auf den ersten Blick gleicht es keinem der von Rolf C. A. Rottländer unter- suchten vormetrischen Maßeinheiten.

tetraktys Kopie 1Tetraktys der Zahl 63

Eine Überprüfung verschiedener ganzzahliger Verhältnisse ergab jedoch eine Übereinstimmung mit der Aachener Brabanten Welle von 680 mm, wenn 63,5cm rmit einem Quotienten von 30/28 multipliziert wird. Da aber eine Untersuchung der Kammer bereits Rußspuren um 1700 v. Chr. nach- wies, kann dieses Maß nicht als Erklärung dienen. Doch der Teiler 2 ergibt eine sinnvolle Erklärung, denn damit entspricht mit 317.5 mm dem miles- ischen Fuß, der sich aus Nippur Elle entwickelt und ab 1700 v.Chr. in Kleinasien identifiziert wurde. Diese Epoche ist insofern interessant, da sich zu dieser Zeit ein weltweiter Klimaeinbruch ereignete. Völker wandert- en in andere Bereiche ab, wie das Volk der Hykoss, das im Nildelta einfiel. Bedingt durch die Austrocknung von Steppengebieten in Mittelasien wand- erten auch Völker nach Westen regenreichere Gebiete. Aber zu dieser Zeit wurden auch Königreiche gegründet, wie das der Hetihier oder das von Kerma in Nubien.

Walter Haug stellte bereits fest, dass das Maß 127cm fast genau dem 10.000.000 Teil des Erddurchmessers entspricht. Weitaus interessanter ist in diesem Fall aber der Bezug zum Erdumfang. Wird der Polum fang durch das Urmaß dividiert erhält man den Wert 63.004508 ME (Maß- einheiten). Auf einen geraden Wert bereinigt, wie dies auch bei der Definition des Meters erfolgte, wären dies 63.000.000 ME. Dieser Wert   mit dem Urmaß multipliziert ergibt dies einen Erdumfang von 40.005.000m. Ver- glichen mit dem Polumfang von 40.007.863m ergibt dabei ein Fehler von 0,007%. Ein wahrlich erstaunlicher Fehler, wenn man bedenkt das die Definition des Meters einen Fehler von 0,09% ergibt.

Pyramide-OktaederTetraktys, Pyramide – Oktaeder

Die Zahl erhaltene 63 ist gleich in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Zum einen ist die 63 die vierte zentrierte Oktaederzahl und verkörpert da- mit den platonischen Kör- per der sich aus zwei gegeneinander gesetzten Pyramiden bildet. Erst die Zahlenmystik der Pythagoreer liefert einen Ein- blick in eine Geisteswelt die sich schon viel früher entwickelt haben muss: die Vorstellung von der Tetraktys, der Viererguppe. In dieser Vorstellung war die Doppelpyramide das Sinnbild einer Vereinigung des Mikrokosmos Mensch und des Makrokosmos des göttlichen Daseins. Die Zahl 63, die ein Produkt der heiligen Zahlen 9×7 darstellt, kann eben auch im System der Tetraktys abgebildet werden. Hier stellt der Punkt eine Einheit, die Linie eine weitere und die aus drei Linien entstandene Fläche die dritte. Damit setzt sich das gesamte Dreieck aus drei Ebenen mit 7, 19 und 37 Elem- enten zusammen, die addiert die 63 ergeben. Doch die Tetraktys lieferte nicht nur ein Zahlenmodel das die Welt erklären sollte, sondern auch Zahlenwerte für Buchstaben des Alphabetes und so namen , oder Be- schwörungsformeln ausdrücken.

Einen guten Überblick wie dieses System noch im römischen Reich ge- handhabt wurde bietet die website http://www.decemsys.de. Mit der erzielten Genauigkeit der Vermessung der Erde dürfen die 63,5 cm also durchaus als ein Urmaß betrachtet werden, wie dies Machalett postulierte. Auch seine Figur der Dreiecke, die er in dem Maß erkannte bestätigt sich mit der Zahl.

Externsteine dreieck

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