Ingelheim und der Engel

Heute errichtete Gebäude enthalten nur noch rudimentäre Symbole oder Zeichen die in der Tradition einer gewachsenen Kultur verankert sind. In erster Linie haben Gebäude ja den Bedürfnissen von Investoren zu dienen und haben innerhalb weniger Jahrzehnte ihren Zweck erfüllt Zeiträume, die weiter als ein halbes Jahrhundert reichen, erlebt kaum noch ein Gebäude unbeschadet. Ein Gebäude dass das Thema der goldenen Landschaft ref- lektiert ist die Kaiserpfalz in Ingelheim. Auch hier bilden Natur Ausrichtung und astronomische Ereignisse eine Gesamtheit, die das Selbstverständnis Karls des Großen zum Ausdruck bringen.

karlKarlsbüste, Aachener Domschatz

Die Verehrung Karls des Großen während der Stauferzeit mehrte auch den Ruhm Ingelheims. Nach einem Gedicht des Hofkaplans von Friedrich I. soll hier auch der Frankenkönig geboren worden sein. Um 1500 erweit- erte der ehemalige Abt des Klosters Sponheim, Johannes Trithemius, in der Chronicon Hirsaugiense die Karls Legende mit weiteren Ausschmück- ungen die im Zusammenhang mit der Michaelsverehrung gesehn werden können. In der Chronik berichtete Trithemius von einem Raum in dem das Geburtsbett Karls des Großen gestanden haben soll und in dem er auch das Glaubensschwert von dem Engel empfangen haben. Der Name des Ortes leitet sich demnach aus Begriff `angelorum domus´ ab, dem Heim der Engel. Die Legende des Engelsschwertes, von der andere Schriften schon um die Jahrtausendwende berichtet hatten, fußte jedoch auf einem ganz realen Hintergrund der auch die politischen Ziele der Legende offen- bart. Zur Zeit Karls des Großen war das Bild des Erzengels Michael, der nach biblischen Berichten das Volk Israels bereits ins gelobte Land führte, einem grundlegenden Wandel unterworfen.

Dürer-HöllensturzDürer, Höllensturz

Nach dem Siege Papst Leos über den Hunnenkönig Attila im Jahr 452 bei Mantua, hatte ein Hirte bei Gargano die Vision seiner Erscheinung. Aus der spätantiken Gestalt des Seelenführers und vor allem des Heilers wurde ein streitbarer Engel der als himmlisches Vorbild für des erstarkenden Ritter- tums dienen sollte. Einen baukünstlerischen Niederschlag fand diese Michealsbegeisterung in den mächtigen Westwerken romanischer Kirch- en, der Heimstatt des Michael, wo er das aus dem Westen kommende Böse be kämpfen sollte. Deshalb weihte Karl der Große im Jahr 813 auf dem Konzil in Mainz, nur wenige Jahre nach dem Bau der Pfalz, seine Staaten und sein Banner dem Erzengel. Fortan trug das Reichsbanner die Inschrift „Ecce Michael, Princeps magnus, venit in adiutorium mihi“ (Das ist Micha- el, der große Fürst, er kommt mir zu Hilfe). Mit der Wahl des Namens Inglinheim, könnte in der fruchtbaren Landschaft am Rhein durch- aus auch frühere Traditionen integriert worden sein. haben , denn der Name des ger manischen Fuchtbarkeitsgottes Ingwi klang dem sehr ähn- lich.

Plan 2Die Landschaft bei Ingelheim

Heute scheint sich die Ausrichtung der Kaiserpfalz wie selbstverständlich am Verlauf des Rheins zwischen Wiesbaden und Bingen auszurichten, doch diese Richtung entspricht auch dem Sonnenaufgang am 1. Mai, dem einstigen keltischen Fest Beltane und dem Beginn des sommerlichen Halbjahres. Nur wenige Kilometer vom Ortszentrum liegt in dieser Richt- ung auf einer Anhöhe das Naturschutzgebiet Lenneberg. In keltischer Zeit war Beltane war das Fest der `Strahlenden Sonne und symbolisierte der Sieg über das dunkle Winterhalbjahr. Nun begann die Zeit der Fruchtbar- keit. Dieser Tradition konnten sich auch die Römer nicht verschließen, denn am 1. Mai begingen sie die Feiern zu Ehren der Bonna Dea, der Guten Göttin . Sie war die Göttin der Fruchtbarkeit, der Heilung und Jung- fräulichleit der Frauen

Plan 1Die Kaiserpfalz, Ausrichtung

Das Datum zeigt, dass in Ingelheim, ähnlich ich wie in Aachen die Be- deutung der Regentschaft Karls des Großen durch die Ausrichtung auf  ein symbolträchtiges Datum unterstrichen wurde. Doch um 800 bietet die Aus- richtung der Pfalz in Ingelheim noch ein weiteres Schauspiel am Himmel, das die Macht Karls des großen symbolisierte.. Kurz nach Son- nenuntergang am 1. Februar, dem keltischen Lichterfest und christlichen Fest Maria Lichtmess ist in dieser Richtung das Sternbild Löwe zum erst- en mal in voller Größe sichtbar. Er passt ganz zum Selbstverständnis Karls des Großen der sich dem Verbreiten des Christentums verschrieben hatte. Die strafende Gerechtigkeit Gottes wurde von den Propheten mit dem Bild des reißenden Löwen beschrieben (Hos 5, 14; 13, 7; Jes 38, 18). Der Stammvater Jakob vergleicht seinen Sohn Juda mit einem Löwen („Ein junger Löwe ist Juda“, Gen 49, 9) und bringt damit zum Ausdruck, dass er zur Herrschaft bestimmt ist.

Bilder: proingelheim.net/wikipedia – Simulation stellarium

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