Krakau – die Allegorie des Drachenkampfes

Neben den Beispielen in Aachen und Ingelheim findet sich ein weiteres Beispiel der Michaelsverehrung in Krakau. Als sich Im Mittelalter die Schlange, das Symbol der Muttergöttin, entgültig zum Drache wandelte verbreiteten sich auch gleichzeitig die Legenden des Drachenkampfes. Dre Drache wurde zum Sinnbild des heidnischen Glauben und damit auch des Teufels, der an vielen Orten bekämpft werden musste So auch in Krakau wo der Kampf  letztendlich zur Gründungslegende der Stadt.führte.

Wawelhügel2Wawelhügel

Funde auf dem Wawelhügel in Krakau, auf dem heute das Schloss und die Kathedrale stehen, belegen dass der Ort bereits seit 20.000 Jahren dau- erhaft besiedelt wurde. Salzvorkommen in der Nähe des Stadtzentrums waren mit ein Grund für die frühe wirtschaftliche Bedeutung des Ortes. Mit der Eroberung durch die Polamen im Jahr 999 begann die neuere Gesch- ichte des Gebietes Mit ihr entstand auch der Gründungsmythos der Stadt Krakau. Er ist eng verknüpft mit dem Wawelhügel, einer größeren Kalk- steinformation, die inmitten der Krakauer Innenstadt liegt und 20 m über die Weichsel herausragt. An der Uferseite dieser Kalksteinformation liegt der Eingang zur Drachenhöhle, in der einst der sagenumwobene Wawel-Drache gelebt haben soll.

Drache Holzschnitt 1544Drache Holzschnitt 1544

An den Drachen der zum Wahrzeichen der Stadt wurde erinnert heute eine feuerspeiende Bronzeplastik. Die Drachensage berichtet dass zu Lebzeiten des Fürsten Krak, dem legendären Gründer der Stadt Krakau, immer wieder Jungfrauen in der Höhle verschwanden. Als die Bürger der Stadt eines Tages nachforschten fanden sie dort den feuerspeienden Drachen der sie verspeiste. Der Fürst versprach dem seine wunder- hübsche Tochter zur Frau zu geben, dem es gelänge den Drachen zu töten. Viele tapfere Ritter fielen bei dem Versuch den Drache zu töten, bis es einem Schusterjungen gelang ihn mit einem vergifteten Sack zu er- legen. Als Dank bekam er die Tochter des Fürsten zur Frau. Auf dem Berg stehen heute die Wawel Kathedrale die den beiden heiligen Stanislaus und Wenzel geweiht ist und im Anschluss´der Königspalast. Hier findet sich eine Spur die zur Symbolsprache der alten Drachenlegende zurückführt, .denn die Vita beiden Heiligen, so die Erzählungen, ist eng mit der Gestalt des Erzengels Michael verbunden.

Stanislaus 16. Jhd.Bischof Stanislaus, Bild aus dem 16. Jahrhundert

Im Frühjahr 1079 geriete der Krakauer Bischof Stanislaus mit dem polni- schen König Bolesław II. in einen Streit. Er forderte der Kirche versproch- ene Besitztümer und ermahnte den König die Rolle der Frau zu achten. Bolesław II. war über die Forderungen so erzürnt und befahl Rittern ihn zu töten. Nachdem keiner seinem Befehl Folge leisten wollte erledigte er dies selbst und erschlug Stanislaus am 11. April in der Krakauer Michaelis- kirche. Der zweite Heilige, Wenzel von Böhmen, war ein böhmischer Fürst aus der Dynastie der Přemysliden. der sich in seiner kurzen Regierungs- zeit dem ostfränkischen König Heinrich I. unterwerfen musste. Nach Streitigkeiten mit eigenen Anhängern wurde der als fromm beschriebene Wenzel schließlich von seinem Bruder Boleslav I. getötet. Vor seinem Tod soll er noch zu Ehren des Erzengels Michaels einen letzten Becher ge- trunken haben.

Wenzel Segenung Michael KopieDer Engel Michael segnet Wenzel

Trotz seiner viel beschriebenen Sanftmut erhielt er später die Attribute des Ritters: ein weißes Pferd., Rüstung Lanze und Schild. Diese Attribute ent- sprachen auch denen es Erzengels Michael wie er in der Offenbarung ge- schildert wird als er den Teufel in Gestalt eines Drachens besiegt. Auch ihre in der katholischen Kirche gefeierten Gedenktage liegen dicht beiein- ander. Der heilige Wenzel am 28. September und der des heiligen Michael am 29. September. Die Verknüpfung mit der im frühen Mittelalter sehr be- liebten Gestalt weist auch auf die eingangs erwähnte Legende des Drach- enkampfes hin, denn in der Offenbarung des Johannes wird ein Engel geschildert, der auf einem Pferd das himmlische Heer gegen den Teufel in Gestalt eines Drachen führt. Betrachtet man die Anlage auf dem Wawel- hügel von oben scheint dieses Motiv auch die Geometrie der Befestigung bestimmt zu haben. Gleich einer Allegorie stellt sie den in unzähligen Bildern geschilderten Kampf dar. In ihrer Linienführung zeigt sie einen Drachen, wie er von der Burg gestoßen wird. So ist auch das Sternbild  Drache am 28. September, dem Gedenktag des Michael, um Mitternacht im Norden am Himmel zu sehen.

Krakau Plan1Wawelhügel

Bilder: Wikipedia, eigen, Simulation Stellarium

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