Die Brockenanomalie

Brocken 1Der Brocken im Winter

Der Gipfel des Brocken wurde zu einem Symbol der Walpurgisnacht.     Um geben von weiteren Orten von denen Sagen übernatürliche Ereig- nisse berichten, sollen sich dort in der Nacht des 1. Mais Hexen aus nah und fern treffen. Ein Blick zurück in der Geschichte des Hexentreffpunktes liefert erste Hinweise in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Diese sind eng verbunden mit der Gestalt des Schriftstellers Johannes Praetorius (ge- nannt Praetorius Zetlingensis ). Er war der Verfasser von Schriften wie  der `Catastrophe Muhammetica´, oder das Endliche Valet, einer Schmäh- schrift über das türkische Reich.
Neben vielen anderen Schriften trug sie zur Entwicklung eines Bildes vom Erzfeind des Christentums bei. Diese Rolle hatte das Sultanat noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, ehe  sie dann von Frankreich übernom- men wurde verkörperte. Im Jahr 1676 veröffentlichte Prätorius seine richt- ungsweisende Schrift zum Brocken, dem Blockes-Berges, wie er ihn nennt. In ihr gibt er einen geographischen Bericht und schildert die Hexen- fahrt und `Zauber-Sabbathe´

Hexenflug. MittelalterHexenflug, zeitgenössische Darstellung

Diese Schrift kam genau zum richtigen Zeitpunkt, denn die Hexenverfolg- ung in Europa näherte sich ihrem Höhepunkt. Außer in den osmanischen Ländern grassierte sie seit dem späten Mittelalter überall in Europa, wo der Hexenwahn Tausende von Menschenleben forderte. Erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts ebbte die Verfolgung wieder ab Ihre tieferen Ursachen waren nicht in der plötzlichen Angst vor übernatürlichen Kräften zu such- en, sondern hatte kirchenpolitische Gründe. Luthers Thesen und die an- schließen Reformation führten zur Spaltung innerhalb der Kirche, doch die Gegenreformation, deren baukünstlerischer Höhepunkt sich im Theatrum Sacrum des Barock niederschlug, machte Front gegen die neuen Glaub- ensgrundsätze. Mit Hilfe der katholischen Habsburgermonarchie und ihrer Verbünd- eten wurde versucht den Protestantismus nicht nur durch Ge- walt, sondern auch ideell zurückzudrängen. Weitreichende Maßnahmen wurden ergrif- fen, um die verloren gegangenen protestantischen Terri- torien zurückzugewinnen.

Hexenfolter Flugblatt 16 JahrhundertHexenfolter, zeitgenössisches Flugblatt aus dem 16. Jahrhundert

Dies unterstützte auch die Legende der heiligen Walburga, der 710 gebor- enen Tochter des Königs Richard und der Wunna und die Schwester von Willibald und Wunibald. Eine Legende berichtet von ihr, das sie mit 3 Ähren ein Kind vor dem Hungertod gerettet hatte. In Heidenheim bei Wasser-trüdigen übernimmt sie 761 das von Wunibald gegründet Kloster, wo sie im Jahr 780 auch stirbt. Die Legendenbildung beginnt aber erst 200 Jahre später. Obwohl ihr Gedenktag heute am 25. Februar ist, wurde er noch bis ins 17. Jahrhundert am 1. Mai, dem Tag der Überführung ihrer Gebeine gefeiert. Im laufe des 11. Jahrhunderts entwickelte sich die Gestalt der Walburga zu einer beliebten Volksheiligen und diente auch dazu, das bei der Landbevölkerung immer noch beliebte Frühlingsfest des 1. Mais zu ersetzen. Dessen Bedeutung wurde nun als okkultes Treffen gebrand- markt. Als sichtbares Zeichen zum Schutz vor Hexen und Zauberern wurde deshalb vor dem 1. Mai eine Woche lang mit Kirchenglocken das Walburgaläuten abgehalten. Die gewaltsame Rekatholisierung, sowie die Zerrüttung der Gesellschaft während des 30-jahigen Krieges waren der Nährboden für die fanatischen Verfolgungen vieler Unschuldiger und boten damit auch die Möglichkeit, die letzten noch verbliebenen Kultorte vor- christlicher Religion aufzulösen.

Heilige Walburga Meister von Meßkirch, Heilige Walburga

Trotz der Anziehung die der Brocken heute noch durch das Erbe dieser Zeit ausübt, lohnt sich auch eine andere Betrachtung. Sein Gipfel, wie der des Wurmberg und des westlich liegenden Königsberges, sind mit block-artigen Gesteinskonglomeraten bedeckt. Allein beim Wurmberg gab Hin- weise auf eine mögliche frühgeschichtliche Kultanlage. Sagen über eine Hexentreppe am Wurmberg veranlassten in den 50-er Jahren Dr. Walter Nowothnig zu Grabungen. Er hoffte dabei mit Funden die Sagen von der Hexentreppe untermauern zu können. Seine Funde, ein Weg aus Stein- platten und ein Rondell erwiesen sich später jedoch als Relikt von Bauten aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Brocken GipfelBrocken, Gipfel

Dennoch zeigt eine Betrachtung der Sonnenwenden eine auffällige geo- metrische Beziehung der drei Bergkuppen., Vom Wurmberg kann der Sonnenuntergang über dem südwestlichen Eisenerzberg St. Andreasberg während der Wintersonnenwende beobachtet werden. Unter diesem Ge- sichtspunkt könnte auch dem Naturdenkmal Dreibodensteine eine ganze Bedeutung zukommen, denn der Name weckt die Erinnerung an den alten Brauch des Brotbackens während des Yulfestes. Ein halbes Jahr später kann der Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende vom Königsberg über dem Brocken beobachtet werden. Umgekehrt kann der Sonnenuntergang von der dem Königsberg vorgelagerten Kanzelklippe verfolgt werden.  In- nerhalb dieser Geometrie liegen Wurmberg und Brocken auf einem Merid- ian. Deshalb bietet das Datum der Winter-sonnenwende auf dem Wurm- berg noch ein weiteres Bild: Das Sternbild des Drachen liegt um Mitter- nacht so, dass das Schwanzende, wie er im Norden zu sehen war, über dem Brocken lag und der Kopf über dem Wurmberg. Dies führt nun zur eingangs erwähnten Anomalie der Landschaft des Brocken. Während der Kopf der Ausformung des Berges gleichkommt deckt sich sein Körper mit dem Bach Kalten Bode und das Schwanzende folgt dem Brocken bis zum Gipfel.

Wurmberg Plan 1Die Bezüge der drei Berge

Für europäische Vor- stellungen mag diese Interpretation abwegig er- scheinen, doch in ländlichen Gebieten Chinas ist sie noch durchaus üb- lich. In China ist der Long, der chinesische Drache das berühmteste Fabelwesen. Erste Überlief- erungen tauchten dort im 5 Jhd, v. Chr. auf.  Im Gegensatz zu Europa wird er aber nicht mit bösen Mächten gleichge- setzt ,sondern als Gottheit angesehen, die in Flüssen Seen oder auf Bergen wohnen kann. Dies berücksichtigt auch die chinesische Harmonie- lehre Fengshui, die bestimmte Landschaftsformationen, wie langgezogene Bergrücken als Drachen interpretiert.

Drache ChinaDrachenwand in Datong

Einst hieß der Drache auch Lindwurn und ihm war die Linde zugeordnet. Sie war der Baum der germanischen Göttin Freya, die auch viele andere lokale Namen hatte. Um deren Konkurrenz auszuschalten waren also Märchen wie die des Prätorius äußerst willkommen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s