Der Schönberg und das Kegelspiel

schönberg und Rechbegrle

Schönberg und Rechbergle

Der Schönberg ist eine Bergkuppe zwischen den Dreikaiserbergen (Hoh- enstaufen, Rechberg, Stuifen) und der Albhochfläche beim Kalten Feld. Wie auch die Dreikaiserberge be- findet sich der Schönberg auf dem Bergrücken zwischen dem Filstal im Süden und dem Remstal im Norden. Im Gegensatz zu den Nachbarbergen ist der Schönberg nicht be- waldet, sondern mit einer Wacholderheide überzogen, die ihm einen eigentüm- lichen Reiz vermittelt. Schon frühzeitig unter den Deckmantel des Natur- schutzes gestellt ist nichts über ihn bekannt. Obwohl Erosionsspuren deutliche Hinweise geben dass er nicht zum Schichtengefüge der  Schwäbischen Alb gehören kann, wurde nicht weiter auf ihm geforscht.   Im Süden liegen vor ihm der Bergsporn Granegg und das Rechbergle, das in seiner Form dem größeren Rechberg durchaus ähnlich kommt. Sagen von einem Ritter paar und einem golden Kegelspiel bieteen einen ersten Hinweis auf die frühere Funktion der beiden Berge. Fast zwei Dutzend Sagen über ein goldenes Kegelspiel gibt es in den deutschsprachigen Ländern. Eines dieser Beispiele ist das Kegespiel das ein Bergkönig im Rasselstein bewachen soll, der in der Nähe des Tiroler Ortes Obernberg liegt.

Wappen Obernberg

Wappen Obernberg

Wappen v Wissgoldingen

Wappem von Wißgoldingen

Auch auf der Burg Granegg sollen Ritter ein solches Kegelspiele besessen haben, das sie in Kriegszeiten in einer Höhle vergruben. Dieses Schatz verbindet sich auch mit der Sage des Bauern Veit, der eines Tages einen Zugang zu dem Schatz fand und später in geistiger Umnachtung verstarb. Eine weitere Sage berichte von den beiden Brüdern die in zwei Bur gen auf dem Rechbergle und dem Granegg wohnten. Beide verliebten sich in ein wunder- schönes Mädchen, worauf es zum Streit zwischen beiden kam. Bei dem anschließenden Zweikampf fanden beide den Tod.

Ruine Granegg be

Ruine Granegg

Betrachtet nun die Beziehungen des Schönberg zu den beiden Bergen näher, so zeigt sich eine erstaunliche Parallelität mit der Sage der beiden Brüder. In unterschiedlichen Zeitabschnitten gab es zur Wintersonnen- wende jeweils zwei Himmelsereignis über den beiden Bergen die eng miteinander verknüpft waren. Wenn um 3500 v.Chr. über dem Granegg zur Wintersonnenwend die Sonnee unterging, erschien kurz darauf der Stern Aldebaran aus dem Sternbild Stier über der Bergkuppe und gab damit ein weiteres Zeichen für das Datum

Schönberg Plan 1

Der Schönberg Kalender um 3500 v. Chr.

Auch für den in alten Kulturen gebräuchlichen lunisolaren Kalender bot der Schönberg als Zeitmessberg die besten Voraussetzungen, denn die Ab- stimmung mit den Mondzyklen konnte jeweils an den äußersten Wende- punkten, dem Rechbergle, sowie dem Stuifenhorn abgelesen werden. Während das Rechbergle durchaus natürlichen Ursprungs sein kann steht dies beim Stufenhorn außer Frage. Gut zwei Dutzend Querwände unter- teilen das aufgeschichtete Gestein und stabilisierten es an der Nordseite des Tafelberges, der auf seinem Plateau ein riesiges Gräberfeld enthält. Um dieses Jahresereignis gebührend feiern zu können, diente wohl auch das größere Gebäude auf der Kuppe des Schönberges, der einst mit einer kleinen befestigten Siedlung umgeben war. Deren Hausgeometrie scheint mit den Bautypen  der frühen Bronzezeit übereinzustimmen. Die Geo- metrie sowie der künstlich aufgeschüttete Hügel würde auch zu den Siedlungen der Tell-Kultur passen, die sich ab dem 6. Jahrtausend vom Orient aus über das südliche Europa ausbreitete. Dort und auch haupt- sächlich in Ungarn haben sich diese Tells noch gut erhalten.E iner der ältesten Siedlungshügel ist der Tell von Karanowo in Bulgarien. Er gab auch der Kultur ihren Namen, die von 6000 v. Chr. bis zur frühen Bronze- zeit auf dem Balkan identifiziert ist. Damit überschneidet sie sich mit der brandkeramischen Kultur Mitteleuropas. Wie die Brandkeramiker ihre Kenntnisse zur  Datumsbestimmung mit den Kreisgrabenanlagen unter Beweiß stellten, verfügte auch die Karanowo Kultur bereits Vorstellungen von astronomischen Zusammenhängen.Zodiak Kanovokultur

Darstellung des Tierkreises, um 4800 v. Chr.

Doch hier in Mittel europa sind wahrscheinlich die meisten dieser Aklagen durch üppige Vegetation überwuchert, oder werden bestenfalls, wie beim Schönberg als Naturdenkmäler betrachtet.

Tell 01

Tell Es-Safi, südlich der Stadt Aschdod

Die Bedeutung der Sonne ergibt nun auch den gesuchten Anknüpfungs- punkt zur Sagenwelt der beiden Berge Rechbergle und Granegg. Das Gold des Kegelspiels ist ein arche- typisches und auch ambivalentes Motiv in der Geschichte. Bereits in der Frühgeschichte symbolisierte Gold die fruchtbringende Sonne und stand damit für das Gedeihen der Nahrung, doch zugleich förderte sein Besitz Neid, Gier und Eifersucht. Die Sage des Bauern Veit der nach seinem Fund in einer Höhle des Granegg im Unglück endet kann so als ein- deutige Warnung verstanden werden vom alten Glauben Abstand zu halten. Das Motiv der Kegel führt zum eigentlichen Grund der Sage. Peter Asmus findet dafür in seinem Buch Indogerman- ische Religionen eine überzeugende Erklärung. Das Kegeln galt als Spiel der Unterschichten und im Fallen der Kegel reflektierte sich auch das Bild der während der Christianisierung umgeworfenen Götterstatuten, die damit einen niederen Rang zuge- wiesen kamen. Die Sagen um das Goldene Kegelspiel, die beiden unglücklichen Brüder oder dem Hauptmann Roth der mit kopflosen Hunden am Reiterles Kapelle zu sehen sein soll ent- standen also nicht zufällig. Mit diesen Sagen wurde die einstige Bedeutung der Orte in Abrede gestellt und mit dunklen, bösartigen Mächten in Verbind- ung gebracht, um die einfache Bevölkerung von ihrem noch bis weit in die Neuzeit hinein gepflegten vor- christlichen Glauben abzubringen. Darüber geriet der Schönberg völlig in Vergessenheit. Nur sein Name erinnert noch an den schönen Ausblick auf das kommende Jahr.

Bilder Wickipedia/PWagenblast, Tell/Jakob Wimmer- Simulation: Stellarium

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