Lorch, Isis und das Kloster

Kloster LorchKloster Lorch

Orte wie das Kloster Lorch entstanden nicht zufällig. Durch die heraus-ragende Lage über dem Remstal und die Sichtbverbindung zum Rech- berg  hatte es eine ideale Lage, doch die war sicher.schon viel früher erkannt worden  Doch die überlieferte Geschichte der Stadt Lorch beginnt mit erst dem Bau eines Kohortenkastells am süd lichsten Punkt des Obergermanischen Limes.. Ab dem Kastell Walldürn verläuft die die Grenzbefestigung mit einer unerklär-lichen Präzision von 50cm Abweich- ung auf einer Länge von 50 Kilometern. Diese Abweichung hatte keine verteidigungstechnischen Gründe sondern muss als Machtdemonstration des römischen Ingenieurwissens gesehen werden mit dem die hiesige Bevölkerung beeindruckt werden sollte. Dies lässt auch darauf schließen dass bei der Eroberung mehr vorgefunden wurde als ein kaum bevölkerter Landstrich.

Lorch KastellLorch Kastell

In der Zeit um 140 n. Chr. wurde das Kastell in der Talaue der Rems auf dem Gebiete der heutigen Kirche errichtet. Doch auch diese Anlage weist ein leichte Verdrehung aus der Ostwestachse auf die nicht durch geolog-ischen Ursachen bedingt war. Wie alle römischen Kastelle entlang des Limes war auch das Kastell in Lorch auf einen Punkt am Horizont ausge-richtet, der entweder durch den Sonnenaufgang zu einem bestimmten Datum oder den Aufgang eins Sterne bestimmt war. In Lorch war das Kastell ca. 9.6° aus der Ostwestachse nach Süden verschwenkt und damit auf die Fläche beim heutigen Kapellenhof in Straßdorf ausgerichtet. Vergleicht man die Daten mit dem Sonnenaufgang, so ist hier, vom Kastell aus betrachtet, der Sonnenaufgang um den 5. März zu sehen. An diesem Tag begannen in Rom die Feierlichkeit zu Ehren der ägyptisch-römischen Göttin Isis. In der Spätantike zählte der Isis-Osiriskult zu den beliebten Mysterienkulten die im gesamten römischen Reich verbreitet waren und mit Legionären nach Germanien kam.

Isis MuseiCapitolini beIsis Statue, Capitolinische Museen

Der Isis-Osiris Kult hatte sich im ägyptischen Reich entwickelt, wo die Insel Philae zu den bedeutendsten Heiligtümern der Göttin zählte. Im römischen Reich wandelte sich ihr Bild zur Herrscherin der Unterwelt, aber auch der Muttergöttin und damit zu einem Symbol des ewigen Leb- ens. Im Isis-Oosirismythos wurde ihr Gemahl von seinem Bruder Seth getötet, der seinen Leichnam in den Gauen Ägyptens verstreute. Isis gelang es jedoch ihren Gemahl wieder zusammenzusetzen und seinen Samen aufzunehmen. Der so gezeugte Horusknabe rächte seinen Vater und wurde damit zum Herrscher der Oberwelt. Die Zeremonien zogen sich über mehrere Wochen hin, wobei in Ägypten im November die Auf- findung des Osiris gefeiert wurde und seine Leiche, als tönernes Abbild  mit den Tränen der Isis benetzt wurde. Der Dezember stand ganz im Zeichen der Passion des Osiris und seinem Abtauchen in die Unterwelt. Erst zur Wintersonnenwende erfolgte sein Wiedergeburt zeitgleich mit der Geburt des Horuskindes.

isis Fresco Ägypten  beIsisdarstellung Ägypten, mit Sonnenscheibe

Die Lage in Lorch bot auch dafür den idealen Ort. Auf dem Gebiete des heutigen Klosters. kann man am Tag der Winterson-nenwende den Sonnenaufgang über dem Rechberg, dem heutigen Marienwallfahrtsort verfolgen. Für diesen Standort dürfte auch ein Grundsatz römischer Politik ausschlaggebend gewesen sein, die örtlichen Gottheiten zu adaptieren und in das eigene Götterimperium aufzunehmen. An diesem Ort lassen zwei Visurlinien zu Sonnenaufgangspunkten den Schluss zu, dass hier bereits lange vor der Besetzung der Römer eine Kultstätte der Kelten existierte ein wichtiger Punkt war der Rechberg und ein weiterer lag unweit der heutigen Kirche St. Cyriacus in Straßdorf, wo der Sonnenaufgang am 01. Februar verfolgt werden konnte.

Kloster Rechberg beRechberg

Plan SonneLorch Sonnenkalender

Der heilige Cyriacus zählt zu den 14 Nothelfern der katholischen Kirche. Häufig wird er mit einem Teufel dargestellt den er an einer Kette herum-führt. Cyriacus wurde um das Jahr 300 durch Papst Marvcellinus zum Diakon geweiht und war anschließend hauptsächlich mit der Verkündung des Evangeliums betraut. Seine Gebeine liegen heute in der mehrfach zerstörten Stiftskirche St: Cyriakus in Neuhausen bei Worms. Legenden berichten dass Cyriakus aber auch als Arzt und Exorzist tätig war. Unter anderem soll er in dieser Funktion die Tochter Diokletians von ihrer Be- sessenheit erlöst haben. Hier zeigt sich nun eine Parallelität zu den Riten des keltischen Imbolcfestes das an 1.Februar gefeiert wurde. Ein alter Brauch war es an diesem Tag mit viel Lärm, oder auch Peitschenhieben die bösen Geister des Winters zu vertreiben.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches tauchte der Ort erst um  die Mitte des 11.Jahrhunderts in der Geschichte wieder auf, als die Staufer dort ein Kollegialstift gründeten. Dieses Stift wählten sie ursprünglich zu   ihrer Grablege, doch wenig später ließen sie weiter östlich, auf einer An- höhe bei Lorch , das Kloster als Benediktinerabtei errichten. Diese Kloster sollte fortan als Grablege der Dynastie dienen. Im 12. Jahrhundert wurde der Ort in verschiedenen Schrift- stücken mit der lateinischen Bezeich- nung Laureacus und Laureacum monasterium erwähnt. Das ganz ähnlich klingend lateinische Wort laureatus bedeutet `mit Lorbeeren bekränzt´. Hier schließt sich der Kreis, denn eines der Symbole der Isis war die goldene aus Lorbeer-zweigen geflochtene Getreideschwinge, die als Symbol für das Gedeihen des Horuskindes wie auch des Korns diente.

Bilder: Kloster-Wikipedia/BernH/Rechberg-Remstalhöhenweg/Simulation Sunearthtools

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