Vindobona, Danu und Ägypten

Danubius VindobonaAlbrechtsbrunnen Wien – Allegorie auf den Flußgott Danuvius und Vindobonoa

Wie viele in der Antike gegründeten Städte, beschreiben auch den Ur- sprung der Stadt  Wien zahlreiche, im Laufe der Jahrhunderte entstand- ene Legenden. In einer dieser Legenden wird berichtet, dass er Ort nicht allzulange nach der Sintflut besiedelt worden sein soll. Siedler unter einem Anführer der den Namen Abraham trug sollen sich zu dieser Zeit in der Nähe der Markt Stockerau niedergelassen haben. Dagegen berichtet eine andere Sage, wie ein Nachkomme des Erzvaters Noah, der ein König der Deutschen gewesen sein soll, sich im Jahr 2280 v. Chr. mit der Er- bauung der Stadt Wien begann. Zahlreiche Funde belegen, dass das fruchtbare Wiener Becken bereits seit der Altsteinzeit besiedelt war. Weit- ere Fundstücke von der Bronzezeit bis zur La-Tène-Zeit lassen hier auf eine kontinuierliche Entwicklung bis zum Vordringen der Römer schließen.
In der Zeit des Römischen Imperiums gehörte dieser Donauabschnitt, zwischen Klosterneuburg und Hainburg, zu den am meisten gefährdeten Grenzabschnitten des Reiches. Deshalb wurde auf dem Gebiet des heut- igen Wien das Garnisonslager Vindinbona errichtet, neben dem eine größ- ere Zivilsiedlung entstand. Der Platz war verkehrgünstig gewählt, denn hier kreuzte sich die von Norden kommende Bern-steinstraße mit der Limes- straße. Der entlang des Donauufers führende Weg verband entlang die westlichen mit den östlichen Teilen des Imperiums.

vindobona luftLegionslager

Auf dem Gebiet des Lagers gefundene Grabsteine lassen darauf schließ- en, dass es hier spätestens ab den 1. Jahrhundert ein Stützpunkt gab der bis zum 2. Jahrhundert auf ungefähr 18 ha Fläche anwuchs. Seine Glanz- zeit erlebte das Garnisonslager dann bis zum 3. Jahrhundert. Zu dieser Zeit sollen hier etwa 30.000 Menschen in und um Vindobona gelebt haben. Für Rom war das Gebiet der Provinz Noricum ein wertvoller Besitz dessen Reichtümer Gold. Metall und Salz zum Unterhalt des riesigen Militärappar- ates beitrugen.
Auf antiken Inschriften wird Vindobona meist als VIND oder VINDOB abgekürzt, so dass Historiker den Ursprung des Namens im keltischen Sprachraum vermuten. In der Folgezeit wurde der Name noch mehrmals leicht abgewandelt, bis er im Althochhdeutschen als Wenia auftauchte, aus dem sich das heutige Wien ableiten lässt. Wie in Lorch, so kann man sich hier mit der gleichen Methode nach den Ursprüngen des Namens suchen. Betrachtet man die Ausrichtung der via principalis des Garnisons- lagers , so ist sie mit einem Azimut von 130.34° nach Südosten ausge- richtet. Während der Wintersonnenwende, am römischen Fest Angerona steht sie hier knapp 3° über dem Horizont über einem Waldstück in der Nähe von Parndorf am Neusiedler See. Doch der eigentliche Sonnenauf- gangspunkt liegt etwas weiter nordöstlich an der Donau, in der Richtung der römischen Villa in Bruckneudorf die von Forschern auch als Kaiser- liche Residenz betrachtet wird.

Karte VindobonaVindobona, Sonne und Sirius

Auch die Gegend bei Parndorf könnte natürlich wie die Beziehung zu An- siedlung in Bruckneudorf eine tiefere Bedeutung besessen haben, doch diese müsste die Nachforschung in dem betreffenden Gebiet klären. Eine weitere Spur zum Namen liefert die senkrecht verlaufende via decumana. Hier liefert der Nachthimmel am 5. März um 150 ein eindeutiges Ergebnis. Ehe mit dem Stern Rigel Orion hinter dem Horizont absinkt liegen die beid- en Sternbilder Orion und Großer Hund in einer Blickrichtung, so daß die Achse der via decumana genau auf den hellsten Stern Sirius trifft.

Isis-Sothis-DemeterIsis-Sothis-Demeter, Büste aus der Hsdriand Villa

Damit wäre auch eine Übereinstimmung mit dem Datum des erreicht, denn am 5 März endete in Rom  Navigium Isidis, die Feiern zu Ehren der Isis.  Sriuis, der dem Orion folgt, verkörperte bereits in der prädynastisch- en Zeit Ägyptens die Göttin Sothis-Isis und deren Feierlichkeiten endeten im römischen Reich am 5. März. Auch in Ägypten begann um diese Zeit die fruchtbare Epoche, denn mit dem Aufgang des Sirius, der für einige Zeit hinter dem Horizont verschwunden war, begann die fruchtbaren Nil- über- schwemmungen. Sie wurden dem Wirken der Isis zugeschrieben und deshalb leitet sich ihr Name möglicherweise vom Wort `ashesh´ ab, was Ausgießen oder Ernähren bedeutet. Die aus der ägyptischen Mytho- logie bekannten Bilder stellen Isis auch immer mit Flügeln dar, die den allum- fassenden Schutz der Muttergöttin symbolisieren sollten. Diese Eigen- schaft führt nun wieder zurück zur Interpretation des Namens. Sie waren durch die Arme und die Flügel der Isis beschützt, die auch als der- en symbolische Mutter angesehen wurde.
Bislang wurde der Name Vindobona als Zusammenfügen der keltischen Worte  `uindo´, weiß und bona , die Quelle gedeutet. Diese Interpretation ist trifft leider nicht den Kern, denn  in der altkeltischen Wörterliste findet man für bona das Wort Wohnung und für aba den Fluß oder die Quelle. Auch das Wort weiß wird gewöhnlich mit alba übersetzt und nicht mit uindo. Viel mehr bietet sich hier das lateinische Verb `vindicare´ an, das mit schützen übersetzt, den Eigenschaften der Isis am ehesten gerecht wird. Nur sie bot den guten Schutz für die Ansiedlung an der Donau. Damit trat sie wahrscheinlich die Nachfolge einer früheren Göttin an, denn in der altkeltischen Wörterliste Heinrich Tischners finden sich zwei Worte aus denen sich der Name zusammensetzen lässt: `danu´, gerecht und `anu´ die Göttermutter. Aber bereits ihre Vorläuferinnen Innana, die Schutz-  göttin der Stadt Uruk und Athene die Stadtgöttin Athens erfüllten ähnliche Dienste. Zahlreiche ähnliche Beispiele ließen sich hier aufführen und selbst im späten Mittelalter wurde die Tradition einer Schutzgöttin mit  Maria fortgeführt.

Bilder: Wikipedia/Kastell, Albrechtsbrunnen -Jebulon                          Simulation: Sunearthtool / Stellarium

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