Bonn und der Berg Ida

Bonn historischBonn in den 30-er Jahren mit Blick auf den Godesberg

Die Stadt mit dem ehemaligen Regierungssitz liegt in einer vielgliedrigen und fruchtbaren Landschaft. Hier ist die Temperatur höher als im Umland und deshalb beginnt hier der Frühling auch 14 Tage früher. Die Sommer sind heißer und die Winter dagegen meist kurz, mit wenig Schnee. Funde aus der Steinzeit belegen das die Landschaft schon früh besiedelt war. Aber erst nach der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. blühte das Leben in Bonn auf. Das erste Kastell wurde erweitert und mit einer Legion belegt. In einer Siedlung die sich entlang der heutigen Adenauer Allee erstreckte lebten Handwerker und Kaufleute an. Erste schriftliche Hinweise zu der Siedlung am Rhein stammen von dem römischen Schriftsteller und Hist- oriker Florus. Um 120 verfasste er das zweibändige Werk `Epitoma de  Tito Livio bellorum omnium annorum DCC libri duo, in dem er die Ge- schichte Roms bis zur Varusschlacht beschreibt. Bei seinen Beschreib- ungen stützte er sich allerdings meist auf Sekundärquellen ohne die Orte je bereist zu haben. In diesem Werk findet man je nach Übersetzung den Satz: `Bonna und Gesoriacum verband er (Drusus) durch Brücken und verstärkte sie mit einer Flotte.´  In der Literatur wird diese Bezeichnung auf das keltische Wort bona zurückgeführt, das von den Römern übernomm- en worden sein soll. Hier offenbart sich jedoch ein ähnlicher Irrtum wie in dem bereits beschriebenen Kastell Vindobona.

Legionslager  PlanLegionslager Bonn

Bei der Spurensuche hilft auch die Anlage und Ausrichtung des Kastells das eine Unterkunft für 7000 Mann bot. Auch dieses große Bauwerk wurde nicht willkürlich angelegt, sondern seine Ausrichtung besaß ebenso eine mythologische Bedeutung. Obwohl es auf den ersten Blick auch mit heut- igen dem Uferverlauf des Rhens korrespondiert folgt es doch einer and- eren Ausrichtung . Als Anhaltspunkt bietet ist hier die Richtung der Via pincipalis an, die einen Deklinationswuinkel von rund 82.1 ° aufweist. Die Peilrichtung erstreckt sich über die flache Rheinebene, ehe sie bei Merten an einer Siegschleife auf eine Anhöhe trifft. Vergleicht man den Deklinat-ionswinkel und die Sichthöhe mit möglichen Aufgangspunkten der Sonne, so grenzt sich die Zeit auf den 4.-5. April ein.

Landschaft PlanKastell, Ausrichtung Sonnenaufgang

Im römischen Festtagskalender sind hier die Ludi Megalenses verzeichnet. Sie dauerten vom 4. bis 11.April und waren als offizielle Feriae stativae der Magna Mater gewidmet. Der letzte Tag dieses Festes war zugleich ein Ge- denktag für den 191v.Chr. gegründeten Tempel der Magna Mater Idaea, der auf dem Palatin an der dem Circus Maximus zugewandten Seite erbaut wurde. Dazu wurde die Figur der Kybele in Gestalt eines Meteoriten nach Rom überführt und dort in eine schwarzgesichtige Silberstatue einge- arbeitet. Der Magna Mater Kult geht auf die Verehrung der phrygischen Göttin Kybele zurück. Ihren Namen erhielt sie nach ihrem Heiligtum, dem Berg Ida, wo sie auch mit dem lateinischen Namen Mater Deum Magna Ideae bezeichnet wurde.

kybele attis löwenwagenKybele auf dem Löwenwagen

Der in Kleinasien entstanden Kult breitete sich über Griechenland Thrakien und Rom bis nach Zentraleuropa aus. Im Zentrum des Kultes stand das Paar Kybele und Attis, als Sinnbild des männlichen und weiblichen Prin- zips. Nach dem vom griechischen Reiseschriftsteller und geographen Pausanias überlieferten Mythos war Zeus auf dem Berg Agdos in Phyrg- ien, dem späteren Berg Ida, eingeschlafen und dabei fiel sein Samen zu Boden. Er befruchtete das Felsgestein worauf die Zwittergestalt Agdistis entstand.  Auf Grund seines furchterregenden Wesens wurde es von and- eren Göttern kastriert und wurde so zur Kybele. Schließlich entstand aus den Genitalien Attis, ihr Geliebter. Bei Wissenschaftlern ist der Begriff der Großen Göttin, einer Urmutter deren Gestalt bereits in Figuren der Altsteinzeit erkennbar ist , heftig umstritten.

Zeus Berg IdaZeus auf dem Berg Ida

Ludi Megalenses waren ein beliebtes Fest mit Wagenrennen und Theater- spielen die die Kultfeierlichkeiten umrahmten. Bis zu Beginn der Kaiserver- ehrung stand dabei die Verehrung der mütterlichen Schutzfunktion Kybeles im Vordergrund. Während bei den Römern anfänglich die Rolle Attis fast nebensächlich war, erstarkte diese ab dem 1. Jahrhundert wieder und Kybele wurde zu einer der wichtigsten Göttinnen des Pantheons. Dabei verschmolz ihr Bild auch mit der guten Göttin Bona Dea und der Semele. Der Paargedanke wie er bei Kybele auftaucht scheint Bonn aber treu ge- blieben zu sein. In der im11.Jahrhundert verfassten Schrift `Passio sanct- orum Gereonis, Victoris, Cassii et Florentii Thebaeorum martyrumß´ wur- den Cassius und Florent- ius als Mitglieder einer legendären Thebäischen Legion genannt, die für ihre Bekenntnis zum Christentum mit dem Martyrium bezahlen mussten.

Cassius und FlorentiusCassius und Florentius

Über den Gräbern der beiden Heiligen wurde die romanische Stiftskirche St.Cassius und Florentius die ihnen geweiht ist. Wenige Jahrhunderte nach dem Kybele-Attis Kult wurden sie zu den neuen Stadtpatronen der Stadt. Doch ihr Gedenktag wurde in den Oktober gelegt, also weit genug entfernt von den fröhlichen Tagen der Kybele- Bona Dea- Semele Feiern. So betrachtet, scheint auch die Interpretationsmethode, Namen auf ver- meintlich keltische Ursprünge zurückzuführen durchaus System zu be- sitzen. Mit diesem Vorgehen konnte der eigentliche Ursprung vieler Orts-, Flur- und Gewäs- sernamen am besten verschleiert werden.

Bilder: Reichslimeskommssion, Wikipedia, Heinz Weingartz-Bonner Münster / Simulation: sunearthtool

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