Der Wein, der Pass und die Saalburg

Saalburg HaupteingangSaalburg Hauptzugang

Drei Begriffe die scheinbar gar nicht zusammenpassen, doch der Reihe nach. Bereits der Name täuscht eine Burg vor, wobei sich dahinter eines der am besten erforschten Kastelle des Obergermanisch- Raetischen Limes verbirgt. Bereits in vorrömischer Zeit verlief über den sogenannten Saalburgpass ein Handelsweg, der von der Nidamündung kommend Richtung Norden führte. Um das Jahr 135, in späthadrianischer Zeit wird dort das Numeruskastel durch das etwa 3,2 Hektar große Kohortenkastell ersetzt, das für eine Besatzung von 500 Mann ausgelegt war. Erst einige Jahrzehnte später wurde der in Trockenbauweise errichtete Schutzwall durch eine gemörtelte Mauer mit den Längen von 150 und 100 passus ersetzt.

Saalburg von innenSaalburg Innenansicht

Natürlich kann auch hier das verwendet Modul des passus in 10-Schritten durch die notwendige Fläche zur Unterbringung der Legionäre als Grund für die Längen angeführt werden. Doch auch die Zahlen zeigen bereits eine symbolische Bedeutung die uns heute nicht mehr geläufig ist. In beiden Längen ist die 50 enthalten. Über die Zahl geriet der jüdische Relig-ionsphilosoph Philo von Alexandrien‹über seiner ›Vita Contemplativa rich- tig ins schwärmen und schrieb: `Sie ist die heiligste und der Natur am meisten entsprechende Zahl, da sie aus der Potenz des rechtwinkligen Dreiecks gebildet wurde, welches der Anfang für die Entstehung ist. 32+42+52 = 50. Dieses rechtwinkelige Dreieck ist ein wahres Symbol des Kosmos; die Summe der Katheten 3+4=7 ergibt die Zahl der Planeten, zählt man die Hypotenuse hinzu, 7+5=12, kommt man zur Zahl der Tier- kreiszeichen, die Potenz ergibt, wie schon gezeigt, die Zahl 50.` Die 250 in Faktoren zerlegt ergibt noch eine ganze Reihe weiterer Gesichtspunkte, doch die würden von der eigentlichen Betrachtung des Namens Saalburg wegführen.
Der Name ist erst seit 1613 bekannt und seitdem viel umstritten, aber nicht erklärt. Bislang wurde er als Ableitung des fränkischen Ausdruckes sala erklärt, dem Saal eines größeren Gebäudes. Dafür sprachen Funde früh- mittelalterlichen Anlagen von `Jagdhäusern´ aus der Epoche Zeit der `Markgenossenschaften´. Die Analyse der Ausrichtung auf en Sonnen- aufgangspunkt weist jedoch auf eine andere Spur, denn die Via Pincipalis ist hier auf den 23 . Aprilausgerichtet. An diesem Tag fand das erste Wein- fest Vinalia Priora statt, das dem obersten Gott Jupiter geweiht war.

Saalburg Sonne 1Saalburg, Sonnenaufgangspunkt

Weinbau war zu dieser Zeit bis hoch in den Norden möglich, da zu dieser Zeit das römische Klimaoptimum herrschte, das höhere  Durchschnitts- temperaturen aufwies als die heute erreichen. Neben dem Ausschank des ersten eines wurden an diesem Tag Wein als Opfergaben dargebracht. Dies entsprach den antiken Traditionen vor gefährlichen Unternehmung oder reisen den Göttern eine Weinspende zu überreichen. Auch beim Totenkult hatte Wein seit altersher einen festen Platz. Schon von Agamemmnons Grab ist überliefert, dass dort vorbeikommende Bauern ihren Weinschlauch öffneten, als kleine Spende an ihren König. Auch als der Troyanische Held Achill am Scheiterhaufen seines Freundes Patroklos stand gießt er Wein in die lodernden Flammen. Noch heute gibt es eine alte Sitte in Bayern, bei der man vor einer Reise ein Glas Johanniswein trinkt und dabei den Becher rückwärts über den Kopf schwingend, einige Tropfen des Weines auf den Boden gießt.In den gesamten Kontext des Jupiter geweihten Festes scheint das lateinische verb, salutaream, begrüßen, am besten zu beschreiben. Die Begrüßung des obersten Gottes mit den ersten Sonnenstrahlen erscheint wie maßgeschneidert für den genis loci des Ortes und liefert auch eine Erklärung für Ursprung des n späteren Namens Saalburg.

Büste Jupiter 1.JhdBüste Jupiter 1. Jhd.

Bislang scheinen wenige Kastelle direkt auf eine Jupitertag ausgerichtet zu sein. So scheint es wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der oberste Regent des Reiches Wilhem II durch seine Begeisterung für Arch- äologie die Saalburg aus ihrem Dornröschenschlaf befreite. Bereits als 19 jähriger soll er während eines Ferienaufenthaltes der kaiserlichen Familie dort nach Schätzen gegraben haben. So berichtete eine Zofe, dass die Fahrt zur Saalburg immer als einer der Höhepunkte des Homburgaufent- haltes galten. Zu diesen Funden gibt es auch eine Liste, die in der Aus- stellung des Archäologischen Museums zu sehen ist. Doch der Kaiser schien eine große Schwäche für dem Jupiter geweihte Anlagen zu be- sitzen, denn bei einer Palästinareise erfuhr er von der römischen Tempel- anlage in Baalbek, die ein Erdbeben weitgehend zerstört hatte und fin- anzierte daraufhin die Ausgrabungen.

Bilder: Wikipedia Saalburg Holger Weinandt CC BY-SA 3.0 de, Jupiter Museum Wien / Simulation, Software – volkerquaschning- Sonnenstand

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