Comburg und der Einkorn

Comburg vom Kochertal Die Comburg

Die Comburg ist ein ehemaliges Benediktinerkloster das im Jahr 1078 auf einem Hügel über Schwäbisch Hall-Steinbach errichtet wurde. Über sie schrieb 1908 der Kunsthistoriker Bereits Georg Dehio: `Trotzdem jetzt Bauwerke aus acht Jahrhunderten zusammenliegen, ist die ursprüngliche Anlage von so durchdringender Wirkung geblieben, daß Comburg, das Bild des befest- igten Klosters aus der Blütezeit des Benediktinerordens mit so charakt- eristischer Kraft zur Anschauung bringt, wie es in Deutschland kaum wiederzufinden ist.´
Bis der Ort zu seinem heutigen Namen fand, durchlief er eine wechsel- volle Geschichte. Im 11. Jahrhundert hieß er Kamburg oder Kamberc , später auch Cambergensis. Als Ursprung des Namens Kamburc wird als althochdeutsche Wort champ, das mit Kamm übersetzt wird, gesehen. Folglich wäre der Name als Burg auf einem Hügel zu deuten, was an sich bei der damaligen Lage von Burgen eigentlich eine Selbstverständlichkeit war. Doch eine genauere Betrachtung zeigt, dass es zwischen der Comburg und dem südöstlich liegenden Berg Einkorn eine geometrische Be- ziehung gibt. Schon in der Steinzeit, wie es zahlreiche Funde belegen, war der Berg bewohnt. Als der Schuster und Poet Sigmundt Weinbrenner im 1447 aus Bamberg zurückkam begann wein neues Zeitalter auf dem Einkorn Weinbrenner hefte er eine Wallfahrtsmedallie an eine Eiche im hinteren Einkornwald und verkündete dass die 14 Nothelfer auch auf dem Einkorn angerufen werden können.

Einkorn 01Der Einkorn, von der Comburg aus gesehen

Damit begann die Zeit des `Wallens´ auf den Einkorn. Wenig später   wurde dort eine Wallfahrtskapelle errichtet die im 17. Jahrhundert einer größeren Kirche weichen musste. Dass der Berg schon wesentlich früher eine wichtige Funktion besessen haben musste zeigt die Beziehung der Comburg zu einem Sonnenaufgangspunkt über dem Einkorn. Über ihm steigt sie am 1.November,  dem heutigen Allerheiligen auf. Die Bräuche des irisch-keltischen Feiertages Samhain erinnern noch heute an die Nacht der Toten die in vorchristlicher Zeit gefeiert wurde.

Comburg Plan01Comburg, die Ausrichtung

Wie bei vielen kirchlichen Feiertagen wurde mit dem Datum nicht einfach ein Gedenktag geschaffen der eine gleichmäßige Teilung des Jahres er- möglichte, sondern der Tag war gleichzeitig auch ein wichtiger Punkt im bäuerlichen Leben. Eine keltische Legende bezeichnete das Datum als den Tag an dem alles Getreide eingebracht werden musste. Alles was dann noch auf den Feldern lag stand Cailleach, der Kornhexe zu. Cailleach, wurde auch durch das letzte Bündel Getreide verkörpert, das man rituell schnitt. Dieses Bündel wurde sorgfältig bis zur nächsten Aus- saat aufbewahrt und sollte das Haus segnen. Der Name Einkorn erinnert damit nicht nur an das Urgetreide  das selbst noch im 18. Jahrhundert vereinzelt neben Dinkel , Roggen und Gerste angebaut wurde, sondern an den letzten Tag der Ernte, an den das Korn eingefahren werden musste.

einkorn GetreideEinkorn, Getreide

Mit diesem Tag, der in der Einteilung des Jahres eine Zäsur darstellte, be- gann in der Zeit der Kelten das dunkle Winterhalbjahr das bis zum 1. Mai dauerte. Am 1. November verabschiedeten sich die Menschen vom Som- mer, dem Sinnbild des Lebens und hießen den Winter, das Sinnbild des Todes, will- kommen. Noch bis ins Mittelalter glaubten die Menschen, dass in dieser Nacht die Trennwand zwischen dem Reich der Lebenden und dem Totenreich durchlässig wurde, so dass die Toten noch einmal zu- rückkehren konnten.Auch in der Spätantike, als sich die germanische Mytho- logie und der christlichen Glaube überlagerten, war Tag schon den Ahnen gewidmet. Es ein Tag der den Göttern Odin , Wotan, Frigg und Tyr vorbehalten war.

Herr winter moritz v. SchwindMoritz v. Schwind, Herr Winter

Herr Winter, der Weihnachtsmann der auf seinem Pferd durch die Nacht ritt, war eine logische Weiterentwicklung dieser Mythologie. Das Pferd, der Mantel und sein Bart waren einst ebenso die Attribute des Zauberers Odin der im Nikolaus des frühen Mittelalters aufging. Diese Beziehung wäre auch eine schlüssige Erklärung für das Patronizinum der Kirche auf der Comburg, der Stiftskirche St. Nikolaus. Vor diesem Hintergrund wird nun auch der Name etwas verständlicher. Die kamburc als Kamm markierte eine wichtige Marke innerhalb des bäuerlichen Jahres der vorchristlichen Zeit: Es war die Trennung zwischen dem dunklen Winterhalbjahr und dem hellen Sommerhalbjahr.

Dunkles Halbjahr

Bilder: wikipedia Historiograf / Comburg Rosenzweig, CC-BY-SA-2.0-DE Einkorn / Michael Hanselmann, CC BY-SA 2.0 .

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