Der Kalender von White Horse Hill

Illustration White HorseIllustration 1887

Die Absicht , die kosmische Ordnung auf dem Boden abzubilden ist be- reits in frühen Kulturen zu erkennen. Eines dieser Beispiele ist das bislang älteste Scharrbild Englands auf dem Huffington White Horse Hill in Oxford- shire. Es zeigt mit stilisierten Elementen das Bild eines galoppierenden Pferdes. Seine Länge von 374Fuß entspricht umgerechnet 114m oder im Maß der Nippur Elle exakt 220 NE. Um die Bildflächen freizulegen wurde der Oberboden abgetragen bis das darunterliegende Kreidegestein zum Vorschein kam. Mit rund 60cm tiefen Gräben, die bis zu 3m breit sind, wurden die Bildelemente geschaffen. Das Alter des Bildes ist immer noch umstritten und wurde lange Zeit mit der Epoche der angelsächsischen Invasoren in Verbindung gebracht, da deren legendäre Anführer Hengist und Horsa genannt wurden. Aber es gibt auch Vermutungen die das Bild mit dem Sieg Alfred des Großen über die Dänen in Verbindung bringen. Neuere Forschungen jedoch deuten das Pferd als Bildnis der keltisch gallischen Pferdegöttin Epona oder legen gar dessen Entstehungsdatum in einen Zeitraum der späten Bronzezeit. Dass diese Vermutung zutreffen könnte, zeigt der geometrische Code des Bildes, der einen Schluss auf den Entstehungszeitraum zulässt.

White Horse WieseWhite Horse Hill

Da das nach Südwesten weisende Pferd keinem Sonnenaufgangspunkt entspricht, könnte also ein astronomisches Ereignis am Nachthimmel die Ursache für dessen Ausrichtung gewesen sein. Bereits die Anordnung der einzelnen Elemente zeigt eine klare mathematisch bestimmte Gliederung der Komposition in der sich ganzzahlige Winkelwerte mit symbolisch be- stimmten Zahlen erkennen lassen. Wird der Winkelschenkel des Pferde- rückens als erste bestimmende Fluchtrichtung gewählt, zielte er um 2000 v. Chr., kurz vor Sonnenaufgang am 1. Mai, auf den hellsten Stern des Adlers. Ein halbes Jahr später, ebenfalls kurz vor Sonnenaufgang auf Regulus, den hellsten Stern des Löwen.

White Horse 01Die Ausrichtung von White Horse

Die beiden Zeitpunkte teilten das Jahr in einen sommerlichen und den winterlichen Abschnitt. Dass für den `Zeitzeiger´ ein Pferd gewählt wurde ist eng verbunden mit der Rolle des Tieres innerhalb der kulturellen Ent- wicklung. Die Möglichkeit rasch großer Entfernung zu überwinden ermög- lichte eine Veränderung der Viehhaltung in größeren Herden was die Er- nährungsbasis entscheidend verbesserte. Ebenso wurde durch das neue Nutztier die Organisation größerer Staatsformen entscheidend verbessert. Als Mischwesen, halb Mensch, halb Tier tauchte erstmals in der Figur das babylonischen Kriegergottes Pailsag in Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. auf. Mit ihm verbunden war die Heilgöttin Gula, die das göttliche Kind Damu gebar. Die Eigenschaften des Pferdes machten das Tier in der antiken Mythologie zum Grenzüberschreiter in die Anderswelt. So sieht man auf etruskischen Reliefs das Pferd als Begleiter Verstorbener auf seiner Reise in die Unterwelt.

Odin auf Sleipnir KopieOdin auf seinem 8-beinigen Pferd Sleipnir

Auch in der keltisch-germanische Mythologie spielt das Pferd eine wicht- ige Rolle. Bei den Kelten galt das Pferd auch als Symbol der Erde und Territoriums. Es war Begleittier der Pferdegöttin Epona oder auch ihre Verkörperung. Auf Grund seiner mythologischen Bedeutung galt das Pferd als besonders eng mit den Göttern verbunden und war deshalb im indo- germanischen Raum das wertvollste Opfertier. Dies erklärt auch weshalb der Papst den Verzehr von Pferdefleisch verbot. Bei dem rituellen Opfer war der Kopf das Geschenk an die Götter. An einen Baum genagelt blieb er ein dauerhaft sichtbares Zeichen. So stand er auch im Ruf ein Orakel geben zu können.Der Glaube, einer vom Pferd ausgehenden weissagen- de Kraft war jedoch nicht auf die germanischen Völker beschränkt. Tacitus berichtete in seinen Schriften, dass das Wiehern und Schnaufen der Pferde als zuverlässiges Mittel zur Zukunftsdeutung galt.Auch in Indien wurde aus dem Wiehern des Pferdes der Ausgang eines Feldzuges orak- elt. Die Mythen eines Pferdeorakels haben sich bis in die Neuzeit erhalten. So sagt ein Sprichwort in Estland, wer zur Brautwerbung auf einer Stute reite, lauter Mädchen bekomme. Als Glückszeichen gilt, wenn sich ein Pferd im Vorübergehen an einem Haus an einem Haus entleert und wer etwas über die Zukunft erfahren möchte, muss Pferde zur Mitternachts-stunde belauschen. Dann, so heißt es, unterhalten sich die Pferde weis- sagend miteinander. Für die Zeit um 2000 v. Chr. kann die Mythologie des Pferdes also durchaus eine Erklärung sein, dass die Ausrichtung des Scharrbildes auf dem Whitehorse Hill genau in diese Richtung gewählt wurde um als Zeitzeiger zu dienen. Bei späteren Datierungen ist zwar auch eine Sternpeilung möglich, doch dann zu anderen Zeitpunkten im Jahr und nicht mehr mit dieser exakten Aufteilung.

Bilder: White Horse 2 db von User / CC BY-SA 3.0 / Epona, LMA Stuttgart
Odin,Eddahandschrift 1760, dark evil – Simulation: stellarium

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4 Gedanken zu „Der Kalender von White Horse Hill

  1. Hallo ihr lieben (!)

    Wittlich-Trier beherbergt ebenso so manch Geheimnisse ->“ÜBER-raschung“
    …….unter anderem 😉

    Thule

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