Kleinaspergle und der Phönizische

hohenasperg 01Ehemalige Festung Hohenasperg

In der aktuellen Forschung gilt der Hohenasperg als der Sitz eines kelt- ischen Adelsgeschlechtes. Auf Grund von Funden in der näheren Um- gebung ist erwiesen, dass in der Zeit um 500 v. Chr. weitreichende kulturelle und machtpolitische Beziehungen bestanden. Allerdings scheint die Blütezeit der Latènekultur nur etwa 200 Jahre gedauert zu haben, ehe ist wieder im Dunkel der Geschichte verschwand. Mit der durch die von den Grafen von Ingersheim in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet- en Burg auf dem Hohenasperg wurde bereits ein großer Teil der dort noch vorhandenen Substanz aus frühere Zeit zerstört der Aufschluss über die frühere Funktion des Berges geben könnte. Als Herzog Ulrich 1535 mit dem Bau der Landesfestung begann und dazu die Burg abreißen ließ, wurden die letzten Reste des einstigen Plateaus beseitigt.

Hohenasperg Dürer 1519Dürer, Hohenasperg 1519

Somit können nur die umgebenden Anlagen noch einen Anhaltspunkt   über dessen einstige Funktion liefern. Eine Möglichkeit bietet die geomet-rische Beziehung in der einige Grabhügel zu dem Berg stehen. Als auf   die Initiative von Professor Dr. Oskar Fraas im Jahr 1879 der etwa 900m südlich des Hohenasperg gelegene Grabhügel Kleinaspergle erforscht wurde ahnte noch niemand von der Bedeutung der hier untergegangen Kultur. Über die von Fraas gelieferten Maßgaben des Hügels gibt es wider-sprüchliche Angaben. Doch eine Einmessung des Archäologen Hartwig Zürn in den 70-er Jahren ergab einem Hügeldurchmesser von 60m bei einer Höhe von 7,60m. Wie andere Grabhügel vergleichbarer Größe, war auch er mit einem Kreisgraben umgeben und auf seiner Kuppe stand als weithin sichtbares Zeichen eine Stele.

Kleinaspergle KopieKleinaspergle

Während seiner bergmännisch vorgetriebenen Erkundung stieß Fraas zwar auf ein zerstörtes Hauptgrab, aber das Nebengrab enthielt noch zahlreiche Gegenstände. Die dort gefundene Henkelkanne, die als Etrus-kerkanne mit keltischem Henkel bezeichnet wurde, lassen erkennen welchen Einfluss mediterrane Kulturen auf den Latènekultur hatten. Diese Verbindung in den Mittelmeerraum zeigt sich in den Bildern mytholgischer Vorstellungen die die Lage des Grabhügels beeinflusst haben mussten. Auch sie stammten wie die Stilelemente der Fundstücke aus dem gleichen Kulturkreis. Aus heutiger Sicht könnte die von Fraas eingemessene Nord- Südrichtung des Grabes als Ausrichtung gemäß den Hauptachsen des Erdkreises verstanden werden.

Zeichnung prof häberlin KopieProfessor Häberlin, Zeichnung des Stollens

Kleinaspergle GrabPlan von Oskar Fras, Grab in Nord-Südrichtung

Doch um 430 v. Chr., also zur Zeit der Bestattung, gab es exakt auf      diesem Meridian im Norden ein ganz besonderes Schauspiel am Nachthimmel. Zur Wintersonnenwende tauchte dort der heutige Stern Polaris, das Schwanzende des kleinen Bären, erstmals kurz nach Sonnenuntergang auf. Doch dieses Ereignis allein erklärt nicht die Lage des Grabhügels. Eine zweite Beziehung hat er zum Gipfelplateau des Hohenasperg. Hier fand am ehemaligen Totentag Samhain die letzte Sichtung des Sternes statt, ehe ihn im Osten die aufgehende Sonne verblassen ließ. Beide Sichtungen sind eng verknüpft mit der Bedeutung dieses Sternes in den antiken Mythologien.

Kleinaspergle PlanDie Ausrichtung

Polaris, oder auch Stella Polaris der heutige Nordstern genannt, hieß bei den Griechen noch Phoenice, der Phönizische´. Diesen Namen erhielt     er auf Grund einer Verwechslung. Vielfach bestand die Meinung dass die Phönizier ihn zur Navigation auf hoher See nutzten. Doch zur Blütezeit der phönizischen Kultur kreiste er um den Himmelspol, den in Wirklichkeit der Stern Kochab, der Schulterstern des kleinen Bären markierte. Durch ihm zugesprochene Orientierungshilfe und sein Kreisen um den Pol wurde er Teil der griechischen Mythologie. Dort wurde er zuerst als die Hesperiden gedeutet, die Nymphen, die die den Baum mit den goldenen Äpfeln der ewigen Jugend bewachten. Dies entsprach seiner Bewegung um den Pol der damaligen Vorstellungswelt auch gleichzeitig die Spitze des Welten-baumes war.

UrsaMinorUrsa Minor

Seit der Antike galt der Apfel als Symbol für Fruchtbarkeit, aber auch       als Sinnbild der Erlösung und Unsterblichkeit. Auch im Norden besaß der Apfel diese Symbolik, wo die altnordische Göttin Iduna die Äpfel hütete die ewige Jugend  verliehen. Sein Kerngehäuse, dass der Figur eines Penta- grammes entspricht, machte ihn zu einem Symbol der Venus. Sie wurde durch den gleichnamigen Planeten verkörpert, der während seines Um- laufes innerhalb von 8 Jahren 5 mal zwischen Erde und Sonne steht und diese 5 Positionen entsprechen genau den 5 Punkten die den Fünfstern zum Symbol der Venus machten. Aber auch im Gold der Äpfel spiegelt sich die Vorstellung vom Wesen der Unsterblichkeit. Seine psychologische Wirkung rührte von seinem lichten Schimmer und seinem hohen Wert. In höchster Reinheit hergestellt, bewahrt Gold seinen unveränderlichen Glanz und stand damit für spirituelle Werte, für Unsterblichkeit und Ewigkeit, aber auch Vollendung und Erleuchtung.
Aus diesem Grund werden in vielen Kulturen Archetypen des Ursprungs als Wesen aus Gold beschrieben. Das das kosmische Ei, das Brahma zugehört, sowie das Fleisch der ägyptischen Götter entsprach diesen Vorstellungen. Unter diesem Blickwinkel betrachtet kann die Rolle des Phöniziers als eine Art Lotse interpretiert werden, ähnlich wie bei den Seefahrern, der den Verstorbenen am Totentag der keltischen Kultur und zur Wintersonnenwende durch die Nacht geleitete.

Fotos: Hohenasperg,Wikipedia USAREUR, Kleinaspergle Förderverein Kelten – Plan, Häberlin, Wolfgnang Kimmig – Kleinaspergle –  Simulation Stellarium / Kalenderumrechner, http://www.heinrichbernd.de

 

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