Hochdorf und der Adler

HochdorfAusblickHochdorf, Blick Hohenasperg

Während der Hallstattzeit wurde um den Hohenasperg ein Kranz von  Grabhügeln angelegt zu dem auch der von Hochdorf hinzuzählt. Er bietet ein imposantes Beispiel für die Bestattungskultur von Fürsten während dieser Epoche. Bei der Entdeckung war der Hügel bereits stark abge- tragen und hatte nur noch einen Bruchteil seiner ursprünglichen Höhe. Einst hatte er einen Durchmesser von knapp 60 und war mit einer Trock- enmauer, sowie einem Kranz von 52 Pfählen umgeben. Die ungewöhn- liche Konstruktion des Grabes war auch der Grund für den guten Erhalt- ungszustand der Funde, denn die eigentliche Grabkammer von ca.4.5m auf 4,9m war mit einer weiter Konstruktion aus massiven Eichenbohlen eingehaust.

Hochdorf Grabkammer KopieHochdorf, Grabkammernachbildung im Keltenmuseum

In diesem Zwischenraum schützten massive Steinpackungen die eigent- liche Grabkammer. Die Größe der Kammer wurde durch die Beigaben bestimmt, deren wichtigster Bestandteil der Wagen war, der wie der Tote in der Nord-Südrichtung angeordnet wurde. Wie die bisherigen Betracht- ungen der Grabanlagen um den Hohensaperg zeigten, bietet die Astron- omie durchaus eine Erklärung für deren Ausrichtung. Dies trifft auch auf das Grab von Hochdorf zu, von dem der Archäologe Jörg Biel sagte, dass die Beziehungen zum Asperg noch ungeklärt sind. Vergleicht man die Flucht zum Hohenasperg mit dem Sonnenaufgang, so zeigt sich am 19. April eine Übereinstimmung, denn an diesem Tag ging die Sonne über  dem in einer Flucht mit dem Hohenasperg liegenden Zollstock bei Backnang auf.

Hochdorf BezügeHochdorf Bezüge Sonne

Da aus keltischen Überlieferung in diesem Zeitraum keine Feste über-    liefert sind, lässt sich ein möglicher Grund über Lostage im heutigen Bauernkalender oder auch über zeitgleich im mediterranen Raum statt-findende Feste ergründen. In der Nähe des 19. April liegt der Tag Georgi- tag, der Gedenktag des heiligen Georg der zu den 14 Nothelfern zählt. Bereits der Name Georg der aus dem griechischen übersetzt Landmann bedeutete zeigt die Intention des Tages. Der Gedenktag des heiligen Georg, dessen Legende sich in der Spaätantike vom Orient rasch nach Europa ausbreitete, wurde bewusst auf diesen Zeitraum gelegt, da in röm- ischer Zeit in diesem Zeitraum das Fest der Fruchtbarkeitsgöttin Ceres abgehalten wurde. Deren Feiern fanden in der Zeit von 12. bis zum 19. April statt.

Ceres StatueCeres Statue  um 250 n. Chr.

Ceres, die der griechischen Göttin Demeter entsprach , war die römische Göttin des Ackerbaues , der Fruchtbarkeit und der Ehe. In Bildnissen war sie mit den Attributen Füllhorn mit Früchten , Schlange,Ährenkranz und einer Fackel ausgestattet. Die Fackel war gleichzeitig das Symbol des eleusinischen Mysterienkultes,  in dem sie in die Unterwelt hinabstieg und das Licht ihr dort den Weg zu ihrer entführten Tochter wies. Ihr Name steht in Verbindung mit zwei lateinischen Verben: crescere, wachsen, und creare, erschaffen. Im jährlichen Fest wurde während einer Kulthandl-   ung die rituelle Aussaht vollzogen und der Samen der Feldfrüchte geweiht. Im Zusammenhang mit dem Sonnenaufgangspunkt steht auch die leichte Verschwenkung der Grabkammer aus der Nord-Südachse. Ein schlüssig- en Zusammenhang bietet auch hier der 19. April, denn dann an diesem Morgen war in der Flucht der hellste Stern des Adlers zum letzten Mal zu sehen ehe er in der aufgehenden Morgensonne verblasste.

Hochdorf Adler neuDer Adler von Hochdorf

Auch inner- halb halb der Ceresmythologie ergibt sich an diesem Tag ein vollständiges Bild, denn die Göttin war einer der zahlreichen Liebschaften des Jupiter dem sie die Tochter Prosperina gebar. Der Adler war das Symbol Jupiters, aber auch des griechischen Göttervaters Zeus. Gleich- zeitig ist das Tier ein Seelenvogel das die Verstorbenen ins Jenseits führen sollte. So erklärt dieses Motiv auch die Ausrichtung des Toten zu seinem Begleiter der ihn  in die Anderswelt bringen sollte. Eine Brücke zum Verständnis der hier sichtbaren Ähnlichkeit mythologischer Auffassungen bieteten die Schriften Cäsars. In De Bello Gallico erwähnt er mehrfach einen gallischen Jupiter, den die Kelten mit Dis Pater anriefen. In ihm wird heute der keltisch- gallische Himmelsgott Tarranis gesehen. Nach Auf- fassung des römischen Dichters Lucan bildete er zusammen mit Esus und Teutates die Spitze der keltischen Göttertrias. Zwar behauptet dass Cäsar dass die Kelten von ihm abstammten, doch dies trifft den Kerrn der Mythologie nicht ganz, denn sie führten wie zahlreiche Städte ihre Ab- stammung auf den antiken Halbgott Herkules zurück. Bei den Römern wurde die Zeugung des Herkules auf Jupiter übertragen der seinen Sohn Herakles zusammen mit unübertrefflich schönen Alkmene zeugte. Ersten Überlieferungen dieses Legenden sind aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. bekannt und wurden rasch zu einem beliebten Motiv in der Kunst. Der starke Einfluss auf keltische Kunsterzeugnisse, aber auch der intensive Warenaustausch mit den mediterranen Kulturen lassen erahnen, in welch- em Maß auch mythologische Vorstellungen von dort in Mitteleuropa adapt- iert wurden. Dass diese als allegorische Bilder für die Anlage von Graban- lagen genutzt wurden zeigt nicht nur der Grabhügel Magdalelenberg bei Villingen, sondern auch die von Hochdorf. Auch hier ist in der Geometrie der Code dieser vergangenen Vorstellungen enthalten.

Bilder Ausblick Hochdrof / Mussklprozz. CC BY-SA 3.0, Grabkammer/ jnn95 CC BY-SA 3.0 Ceres /ChrisO CC BY-SA 3.0- Simmulation Stellarium, Sunearthtools

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