Der Barthel, Markgröningen und der Hohenasperg

hohenasperg MarkgröningenHohenasperg von Markgröningen

Wie bei vielen Orten wird der Ursprung ihres Namens auf einen Gründer, dem Stammvater der Sippe zurückgeführt. So auch in Markgröningen, der Stadt des Schäferlaufes. Hier vermuten Historiker einen alemanniscen Gründer mit dem Namen Gruono. Doch diese Erlärung missachtet den Genius Loci des Ortes, der eine schlüssigere Erklärung bietet. In Gerhard Koeblers Althochdeutschem Wörterbuch findet man das ähnlich kling- ende Wort gruoni , das mit grün, oder grün bewachsen übersetzt wird. Das Wort gruonōn, grünen, bietet ebenfalls einen weiteren Anhaltspunkt zur Interpretation an. Könnte mit dem Wort gruonōn das jährliche Erwachen der Natur, das Grünen, der wahre Grund gewesen sein, müsste er auch in den Bezügen der Landschaft zu erkennen sein. Wieder bietet der Blick zum Hohenasperg eine Lösung an. Vom höher gelegenen Stop- pelfeld, dem heutigen Austragungsort des Schäferlaufes aus betrachtet, geht hier die Sonne um den 25. März über dem Hohenasperg auf.

Nerthus Emil DoeplerNerthus, Darstellung von Emil Doepler um 1890

Der römische Dichter Tacitus berichtete in seinen Schrift Germania von der Göttin Nerthus die 7 Völker im Norden verehren. Dort, so Tacitus glauben die Menschen, dass sie in ihr Leben eingreife. Einmal im Jahr, zum Frühlingsfest, wurde ein mit Blumen geschmückter Wagen über    das Land gezogen und kehrte anschließend in den heiligen Hain zurück. Ähnlichkeiten zu dieser Feier, deren genauer Zeitpunkt unbekannt ist, gibt es zu dem römischen Fest Ludi Megalenses. Dies wurde vom 4.-11. April gefeiert und signalisierte den Frühlingsbeginn. So wie sich der Kult der ägyptisch-römischen Göttin Isis in manchen Gegenden Europas noch bis ins 6. Jahrhundert hielt, ist es auch gut vorstellbar, dass auch hier eine germanisch-römische Tradition bis in die Spätantike weiterlebte. Erst im 8. Jahrhundert wurde sie durch die Verehrung des Apostels Bartholomäus und der mit einhergehenden Sage vom treuen Barthel abgelöst.

BartholomaeusMartyrium des heiligen Bartholomäus

Sein Gedenktag am 24. August bot einen deutlichen Abstand zum ur- sprünglichen Ereignis des Frühlingsbeginns. Doch auch dieser Tag war eng mit den Arbeiten der Landbevölkerung verknüpft. Gerade für Bauern und Fischer war der Bartholomäustag ein wichtiger Zeitpunkt. Da dieser Tag das traditionelle Ende des Sommers markierte, musste mit dem   Ende der Getreideernte die Aussaat für das kommende Jahr vorbereitet werden. Auch für Fischer endete zu diesem Zeitpunkt das Fangverbot,    da die Laichzeit zu Ende war. Auf Grund der Ernte war es üblich am  Bartholomäustag Pachtzahlungen zu leisten und den Tag mit Jahrmärkt- en und Volksfesten zu begehen.

Markgröningen BartholomäuskircheBartholomäuskirche

Ursprung hatte dieser Bartholomäustag in Markgröningen durch die von Königin Hildegard gestifteten Bartholomäuskirche und dem damit ver- bundenen großen Jahrmarkt. Bartholomäus war einer der 12 Jünger der nach dem Pfingsterlebnis den Glauben in Persien, Indien, Ägypten und Armenien verkündet haben soll. Von dort berichtet die Legende, dass er den König Polymios und sein Gefolge bekehrte in dem er die zahlreichen Götterstatuen zerstörte. Doch der Bruder des Königs rächte die Taten des Apostels, ließ ihm die Haut abziehen und schließlich kreuzigen. Doch seine Freude währte nicht lange, da er und seine Helfer dem Wahnsinn verfielen.
Die unerschrockene Tat des Apostels und das Ende seiner Mörder war auch als Warnung an die gedacht, die immer noch die alten Gottheiten verehrten. Deren Feiertage waren, wie auch die späteren christlichen, immer mit Naturereignissen verknüpft die für die Landarbeit von Bedeut- ung waren. So heißt ein Spruch aus dem Bauernkalender am Lostag des 25. März, dem heutigen Tag von Maria Verkündigung: Wenn Maria sich verkündet, Storch und Schwalbe heimwärts findet. Dagegen sagen Bauernregeln für den 24. August: Wie der Bartholomäustag sich hält,      ist der ganze Herbst bestellt oder auch, Gewitter um Bartholomä, bringen Hagel und Schnee.
Dass auch der mit der Ernte verknüpfte Bartholmäustag auf einer ge- schichtlichen Kontinuität beruht zeigt ein Blick in den Festkalender des römischen Reiches , wo am 25. August die Opiconsivia zu Ehren der Göttin Ops gefeiert wurden. Ops war die Göttin der Saat, der Fruchtbar- keit, des Reichtums, der Fülle und des Überflusses. Ihr Name leiteet sich wahrscheinlich aus dem lateinischen Wort opes ab, das mit Hilfe Bei- stand Stärke, auch Reichtum übersetzt wird. Ihr Name deutet also auf den Reich- tum der Natur, sowie der Naturkräfte hin. Der Name der Göttin ist bis heute noch in dem Wort opulent´ enthalten, das auch für die Überfülle der aus der Erde stammenden Nahrung steht.

Markgroeningen schäferlauf um 1810Schäferlauf um 1810

Der Schäferlauf der jährlich in dieser Zeit auf dem Stoppelfeld stattfindet, folgt also dieser Tradition antiker Erntefeste. Da der jährliche Schafauftrieb mit der Ernte zusammenfiel, wurde dieser Tag für ein Zunftfest genutzt. Eine erste Erwähnung findet der Schäfer lauf durch den Chronisten Jakob Frischlin im Jahr 1593. Angesichts der schrecklichen Vita des Apostels half dieses Ritual und auch die Sage des treuen Barthel die Eindrücke zu mildern und an die alte Tradition der Feste anzuknüpfen. Die Fläche dort ist prädestiniert dafür,  denn noch unbebaut, konnte von hier aus der Sonnenaufgang zum einstigen Fruchtbarkeitsfest der Nerthus beobachtet werden.

Markgröningen Plan1Markgröningen und die Sonnenbezüge

Fotos: Wikipedia, Barthomomäuskirche Turm, Bear62, Kirchen-           schiff,  peter schmelzle – CC BY-SA 3.0, Nerthus, spurensuche. blogspot.de,Simulation, sunearthtool

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