Ales Stenar, der Kalender und die Doppelraute

Ales Stenar 3Das Sonnenschiff

Ales Stenar, oder die Steine von Ale ist eine Steinsetzung an der Süd- küste Schwedens, der nähe von Ystad. Unter Fachleuten gibt es über     die Zeit der Entstehung der als Sonnenschiff bezeichneten Figur unter-schiedliche Auffassungen. Auf Grund der Datierung von Menschen-knochen und Kohlestücken die innerhalb der Steinsetzung gefunden wurden, halten einige Archäologen auch eine Entstehungszeit im frühen Mittelalter für möglich. Zeitlich würde dies mit der Vendelzeit zusammen-fallen die die Epoche der Völkerwanderungszeit ablöste. Einer der typ- ischen Bestattungsformen jener zeit waren Bootsgräber, in denen Tote in speziell für diesen Zweck konstruierten Booten bestattet wurde. Doch die Form und auch die Geometrie der Steine von Ale weisen aber auf eine viel frühere Entstehungszeit hin.

SonnenbarkeSonnenbarke im Alten Ägypten

Das Motiv des Sonnenschiffes findet sich bereits im alten Ägypten, eben- so wie in Bildnissen der nordischen Bronzezeit. In seiner Bedeutung ist es dem Bild des in der griechischen Mythologie verankerten Sonnenwagens gleichzusetzen. Da die Barke in Ägypten ein wichtigstes Fortbewegungs-mittel war, hatte sie dort nicht nur eine hohe repräsentative, sondern auch eine hohe kulturelle Bedeutung. Wie der Sonnenwagen symbolisierte das Sonnenschiff, oder auch die Sonnenbarke, den Lauf der Sonne. In der Mythologie des Re-Kultes der sich in der 5. Dynastie etablierte, fuhr der Sonnengott während des Tages mit seiner Sonnenbarke über den Him- melsbogen und durchquerte nachts auf ihr das Wasser der Unterwelt. Somit stellte die Sonnenbarke die himmlische Königssbarke des Sonnen-gottes Re dar.

Schiffsdarstellung Raul FlemmingKaul Flemming, Schiffsdarstellungen in Petroglyphen

Ein ähnliches Motiv findet sich in der Bilderwelt der Nordischen Bronze- zeit. Neben Pferdedarstellungen sind Schiffe und Sonnenmotive die am häufigsten anzutreffenden Symbole. Das Motiv des Sonnenschiffes ist  hier in Felsritzungen, aber auch auf verzierten Rasiermessern zu finden. Vergleichbar mit den Vorstellungen der Ägyptern stellt es je nach seiner Ausrichtung, die Fahrt der Sonne während des Tages oder in der Nacht durch die Unterwelt dar. In der Ähnlichkeit der Motive sieht der dänische Forscher Flemming Kaul einem Beweis, dass es innerhalb der bronze-zeitlichen, nordischen Gesellschaft eine weitgereiste Elite gab, die Ken- ntnis von der ägyptischen Religion hatten und deshalb das Sonnenschiff von dort übernommen haben könnten. Wer hält es auch für möglich,   dass sie auf diesem Weg auch Elemente anderer ausländischer Kultur- en bewusst auswählten und in die Religion der Nordischen Bronzezeit integrierten.

Ales Stenar Wintersonnenwende LWintersonnenwende

Der Zweck der Steinsetzung zu der noch weitere, heute verschwundene Anlagen gehörten scheint bis heute unklar zu sein, obwohl bereits die ein- deutige Ausrichtung auf ihren früheren Gebrauch schließen lässt. Doch dazu hat Bob G. Lind eine überzeugende Theorie veröffentlicht die in der Fachwelt immer noch auf Ablehnung stößt.bis. Ausgerichtet auf den Son- nenuntergang während der Wintersonnenwende stellten die 60 Steine von Ales Stenar einen prähistorischen Sonnenkalender dar. Dabei folgten die Steine die den Umriss des Schiffes bilden der Geometrie einer Raute. Innerhalb der 60 Steine hat Lind 12 an die Haupthimmelsrichtungen ge- bundene Sonnensektoren ausgemacht, wobei jeweils einer der Zeit von ca. 1,5 Stunden entspricht.

SonnenjahrkalenderDer Sonnenkalender

Er wurde gleichzeitig durch den Schattenwurf eines im Mittelpunkt der Raute stehenden, geneigten Stabes markiert. Gründe für einige Abweich- ungen aus diesem System sieht er in mehreren falsch verstandenen Re- staurierungsversuchen der Steinsetzung . Allein die Funktion der Stein- setzung als Sonnenkalenders verbietet die Datierung auf die Zeit nach der Völkerwanderung. Auch ein Vergleich mit vormetrischen Maßen zeigt ein ähnliches Ergebnis. Weder die frühe schwedische Elle, noch der Fuß, oder auch das Maß der Wikinger zeigen ein ganzzahliges Ergebnis , wie dies das Megalithische Yard ermöglicht. Umgerechnet hat die Raute dann eine Länge von 82 MY und eine Breite von 23 MY. Die Summe beider Zahlen ergibt 105, die sich wieder in die Faktoren 3x5x7 zerlegen lässt. In dieser Rechnung stellt die Zahl 82 auch ein Symbol der Weltachsen dar. Neben den 8 Hauptrichtungen die auch durch Steine markiert sind gibt es zwei weitere: oben und unten.

Ales Stenar Plan1Die Geometrie von Ales Stenar

Aber auch die Flächenberechnung lässt eine mehrfache Codierung der Steinsetzung erkennen. Wird die Fläche nach der Rautenformel A=0.5xexf bemessen, so erhält man die Zahl 943. Diese Zahl stellt wiederum ein Ab- bild er Raute selbst dar. Ihre 9 Elemente bilden sich aus der Summe der   4 Eckpunkte, den dazwischen liegenden 4 Seitenlängen und der daraus entstehenden Fläche. In der 8 er 82 verbirgt sich aber auch die Doppel- raute in der zugleich auch die 23 erscheint. Sie liefert gleichzeitig die geometrische Form die als Grundlage für die Rune Dagaz der älteren Futhark-Runenschrift diente.

Plan DagazDoppeltraute

Sie diente auch als magisches Zeichen und symbolisierte die Mitte des Tages oder auch des Jahres. Damit steht sie für die positive Energie des Lichts im Zenit seiner Wirkung. Diese Codierung dürfte mit ein weiteres Indiz dafür sein, dass Ales Stenar nicht nur kalendarische Funktionen erfüllte, sondern auch als Kultort diente.
Bilder: Bob G. Lind /www,alesstenar.com / Wintersonnenwende / Sonnenschema Kalender / Zeichnung – Ansicht Westen/ Användare Jorchr– Wikipedia Sonnenbarke/ Guillaume Blanchard,Borislav CC BY-SA 2.5

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