Der Bussen, Beltane und die Heuneburg

Blick zum Bussen

Vor der Heuneburg erstreckt sich ein unvergleichliches Panorama das vom Bussen und bei klarer Sicht bis zum Säntis im Nordwesten reicht.    In der flachen Landschaft die die Heuneburg umgibt,  bleibt der Bussen jedoch der einzige markante Hochpunkt. Heute ist er einer der am meist besuchtesten Wallfahrtsorte und gilt als heiliger Berg Oberschwabens. Zahlreiche Sagen beschreiben diesen mythischen Ort, wie die eines Schatzes, der noch in dem Berg ruhen soll. Um ihn zu heben, muss     man durch den alten Turm Nachts um zwölf Uhr in den Berg hinabsteig- en. Kann man dort, ohne gleich die Flucht zu ergreifen, den Anblick dreier Schreckensbilder ertragen, wird man Eigentümer des Schatzes vom Bussen. Ein weiteres schreckliches Erlebnis beschreibt die Sage von   den drei riesengroßen feurigen Männer die dort an manchen Tagen mit- einander fechten, so dass Feuerfunken meilenweit weit über den Berg fliegen.   Wohl noch bekannter ist die Sage vom `Bussakindle´, das junge Paare zu erwarten haben wenn sie auf den Berg pilgern. Hintergrund dieser Sage  ist die Vermutung, dass der Bussen bereits in vorrömischer Zeit der Ort eines Fruchtbarkeitskultes war. Auch der Name des Berges selbst Bussens kann man wohl zu diesen Indizien zählen. Dem trägt auch die Deutung des Flurnamens Rechnung, die die Abstammung in den Worten Buss oder Budd sieht, die einer Verwandschaft zum bayrische Busserl, dem Kuß andeuten.

st Baptist BussenSt. Baptist auf dem Bussen

Heute steht dort die Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist auf dem Bussen, in der in einem Gnadenbild die schmerzhaften Muttergottes verehrt wird. Eine Vorgängerkirche ist dort seit dem Jahr 805 belegt. In einer Urkunde des Jahres 892 wird der heilige Leodegar von Autun als Patron genannt, der aber um 1430 von Johannes dem Täufer abgelöst wurde. Der erste Altar der schmerzhaften Gottesmutter wurde wohl um 1221 im Zisterziens-erkloster in Schönau errichtet. Auf einer Synode in Köln, wurde dieser Gedenktag 1423 auf den vierten Freitag nach Ostern festgesetzt. Seit dem 15. Jahrhundert stellte die Kunst die volkstümliche Mater dolorosa mit den Schwertern in der Brust dar. Dass der Tag Heute am 15.September gefeiert wird ist Papst Pius VII zu verdanken der ihn 1814 zum Dank für seine geglückte Heimkehr aus der fünfjährigen, durch die Franzosen verhängten Gefangenschaft, auf dieses Datum verlegte.
Seit 2015 versuchen Archäologen mit Grabungen nach eine mögliche Verbindung der Heuneburg zum Bussen nachzuweisen. Doch wesentlich einfacher lässt sich dies bereits bei der Betrachtung der Burggeometrie erkennen. So weist ihre Nordwestkante und der schmalzulaufende Teil in Richtung des Berges. Doch allein diese Richtung ist nur ein Teil der komplexen Heuneburggeometrie. Eine weitere Richtung entsteht durch den Sonnenaufgang am 1.Mai. Bereits in vorchristlicher Zeit war dies im römischen eich ein Feiertag der Bona Dea oder wurde im keltischen Raum als Beltane gefeiert.

Heuneburg Plan  SonneHeuneburg Geometrie

Diese Richtung bestimmt, ausgehend von den beiden südwestlichen Ecken, den Knickpunkt den Walles und die Lage des Haupttores. Wird   die Linie verlängert, so trifft sie die Mitte des Ortes Uttenweiler, der Stadt der seligen Uta. Der Name Uta der aus dem althochdeutschen Begriff ot, Reichtum entstand, bedeutet `die Reiche´. Über die wahrscheinlich im Jahr 722 verstorbene Uta von Uttenweiler ist sind ihrer Legende kaum etwas überliefert. Jedenfalls berichtet sie, dass Uta auf Grund ihrer sprich- wörtlich Aufopferungsbereitschaft und vor allem wegen ihrer Kinderliebe schon zu ihren Lebzeiten verehrt wurde. Ihr zu Ehren 1449 ein Augustiner- kloster erbaut, wobei die Mönche aber ein distanziertes Verhältnis zu der Seligen hatten. Dennoch ist der Ort bis heute das Ziel der jährlich statt-findenden Wallfahrten die auf den Dautenberg bei Uttenweiler führen, wo heute die Uta-Kapelle steht.

Heuneburg Plan  Sonne 2Heuneburg, der Bussen und Uttenweiler

zus BussenDie Heuneburg und der Bussen

Was die drei Orten verbindet, ist in der Sonnenlauf am 1. Mai. Während  sie von der Heuneburg aus betrachtet am 1. Mai über Uttenweiler aufgeht, so geht sie von der Kirche in Uttenweiler aus gesehen an diesem Tag über dem Bussen wieder unter.
Heute wird der 1. Mai eist nur noch als Tag der Arbeit oder Vorbereitung für die Walpurgisnacht gesehen. Die erinnert an die heilige Walburga, die die germanisch – angelsächsische Göttin Walburg ersetzte. Auch die bereits erwähnte Bona Dea. die gute Göttin, war eine reine Frauengottheit deren Name von den Priesterinnen geheim gehalten wurde. Bona Dea war mit dem Wolfsgott Faunus, dem Beschützer von Bauern und Hirten verbund- en. Hauptmerkmale waren ihre heilende Kraft und die weibliche Fruchtbar- keit. Im irisch-keltischen Kalender hieß der Tag `der erste Sommerliche` und markierte den Beginn des hellen Sommerhalbjahres, dass das dunkle Winterhalbjahr ablöste. Eine der Erklärungen sieht in den Worten bel, leuchtend und teine das Feuer, also das leuchtende Feuer als Symbol der strahlenden Sonne den Ursprung des Namens. Im Brauch des Maibaumes hat der alte Fruchtbarkeitskult bis heute überdauert.  Dieser Reichtum spiegelte sich ebenso im Name Uta wieder,  deren männliches Pendant Ottmar, im Mittelalter ein beliebter Namen für Grafen, Herzöge und Könige war. Dank weitreichender Handelsbeziehungen war er auch der Heune- burg zu eigen, bis ein Feuer im 5. Jahrhundert v. Chr. ihr ein jähes Ende bereitete.

Bilder: Wikipedia – Blick von Heudorf zum Bussen/ Andreas Praefcke, CC BY 3.0 – St. Baptist / Dietrich Kriege, CC BY-SA 3.0 , Simulation: Stellarium, Sunearthtool

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