Augsburg und das Fest der Ceres

Unter dem Pseudonym Joseph Fischer vom Peterhof verfasste der Schulrektor der Elias-Holl Schule in Augsburg den 40-erJahren ein Buch mit dem Titel `Augsburger Frauen´. Darin beschreibt er auch eine der Stadt treu verbundene Göttin mit dem Namen Cisa. Sie soll lange vor dem Vordringen der Römer vom keltisch-vindelikischen Volke als Förderin des Kornbaues und Pflanzens und als Göttin der Fruchtbarkeit hoch verehrt worden sein. Ihr Heiligtum vermutete er auf dem gleichen Platz an dem später der Perlachturm errichtet wurde.

Augbsugr CisaCisa auf dem Perlachturm

Im Verlauf der Stadtgeschichte unterlag der Name mehreren Deutungs-versuchen. Sie reichten von der Interpretation der Cisa als Isis, als Ceres, oder auch als Kybele reichten. Selbst die Stadt, deren Wurzeln heute eindeutig im Name Augustus zu suchen sind, soll soll einige Zeit den Namen Cisara getragen haben. Heute scheinen die Ursprünge geklärt zu sein, denn der Name wird auf die etwa 30 n. Chr. gegründete römische Stadt, zurückgeführt, die seit dem 3. Jahrhundert unter dem Namen Augusta Vindelicum bekannt ist. In dem Wort Vendelicum lebt auch der bereits erwähnte Name des keltischen Stamm der Vindeliker weiter, in dessen Siedlungsgebiet die Stadt und der Regentschaft von Kaiser Augustus gegründet wurde. Aus der Zeit des 9. Jahrhunderts sind mehrere Abwandlungen des Namens bekannt, die aber alle auf den Namen des römischen Kaisers zurückzuführen sind. So ist aus dem Jahr 826 der Name Augusburuc und aus dem Ende des 9. Jahrhunderts der Name civitas Augustensis id est Ogesburc, bekannt.

Augustus GlyptothekKaiser Augustus mit Bürgerkorne, München Glyptothek

Augustus, auch der Erhabene genannt war der Großneffe und Haupterbe von Gaius Iulius Caesars. In zähem Kampf gewann er von 31 v. Chr. bis 14 n. Chr. alle Machtkämpfe um die Nachfolge des ermordeten Regenten. Am Ende war er Alleinherrscher des Römischen Reiches und begründete nach langen kriegerischen Auseinandersetzungen die nach ihm benannte Friedensperiode, die Pax Augusta. Sein Name `der Erhabene´ war ein Ehrennamen den der Senat Octavian am letzten Tag des Staatsakts vom Januar 27 v. Chr. Verliehen hatte,
Mit zahlreichen Maßnahmen, bei denen ihm üppige Kriegsbeute des besetzten Ägypten zu Hilfe kam, förderte Augustus einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung im Reich. Er entließ ein Drittel der Legionäre und Dank einer neuen Rechtssicherheit kehrte in den Provinzen Ruhe ein, denn sie hatten bis zu diesem Zeitpunkt am meisten unter den von Kontributionen und Truppenaushebungen gelitten. Augustus hatte auch frühzeitig erkannt, dass nur eine im ganzen Reich praktizierte einheitliche Religion den Zusammenhalt gewährleistete.

Ceres  LouvreDie fruchttragende Ceres, Louvre in Paris

Eine der Göttinnen die er besonders unterstützte war Ceres, eine eine alte italische Göttin. Sie wurde von den Römern als Herrin der Erdkräfte, des Wachstums und des Reifens verehrt. In Rom wurde sie in einem Tempel auf dem Aventin verehrt, den Augustus nach seiner Zerstörung durch ein- en Brand wieder erneuern ließ. Bis in die spätrömische Zeit blieb er eines der wichtigsten Heiligtümer der Stadt. Während es vor der Kaiserzeit noch getrennte Kulte der phrygischen Göttin Kybele und der Ceres-Demeter gab, sollen beide im Laufe der Zeit zu einer Gestalt verschmolzen sein. Diese Entwicklung lenkt den Blick auf ein Symbol, das in Augsburg an vielen Stellen zu finden ist, den Pinienzapfen oder auch die Zirbelnuss genannt.

Kybele Getty MuseumKybele, Paul Getty Museum

Da der Pinienzapfen eine Vielzahl von Kernen enthält, galt er über lange Zeit als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens und wurde auch zu einem Symbol der Göttin Kybele. In der griechischen Mythologie tauchte der Pinienzapfen auch als Bacchus-, oder auch als Phallussymbol auf. In Bildnissen der Kybele ist er ein Attribut der Fruchtbarkeitsgöttin und Be- schützerin der Städte. Aus diesem Grund wurde sie meist auf einem Thron sitzend mit einer Mauerkrone auf dem Kopf dargestellt. Aber nicht nur Kybele hatte dieses Symbol, auch die Rätien stationierte Legion trug sie als Feldzeichen. Betracht man nun die Ausrichtung des Kastells, so offenbart sich innerhalb der Ausrichtung die auch her nicht willkührlich ge- wählt sein kann bei den beiden Hauptachsen eine komplexe Bildthematik.

Augsburg  Plan1Kastell Augsburg, 2. bis 4. Jhd. n. Chr

So ist in nordöstlicher Richtung der via decumanta unschwer ein Sonnen- aufgangspunkt auszumachen. Hier beginnt die Sichtung der Sonne am 12. April, dem Tag des Beginns der Ludi Cereris, den Spielen zu Ehren der Göttin Ceres. Das Fest der Getreidegöttin schloss sich unmittelbar an das Ende der Ludi Megalenses an, die am 11. April endeten. Am gleichen Tag war der hellste Stern des Adlers, dem Symbol Jupiters, sichtbar, bis er die Fluchtrichtung der via prätoria erreichte. Dann verblasste er in der aufgehenden Sonne. Auch im Christentum wurde von der einstigen Tradition der Ceresverehrung nur wenig abgewichen. So ist es nicht verwunderlich dass die Längsachse des im 11. Jahrhundert errichteten Domes `Unserer Lieben Frau vom Guten Rat´ nur wenig von der alten Ausrichtung abweicht und auf den Sonnenaufgangspunkt des 26. Aprils zielt. Gerade eine Woche Abstand zum Ende alten Ceresfestes, das am 19. April endete sollten genügen um die Tradition vergessen zu lassen.
Der römische Dichter Ovid beschreibt Ceres auch als weise Gesetzgeberin. Ihre Fackel die ein Symbol des eleusinischen Mysterienkult war galt auch Wegeleuchte. Die Ausrichtung des Kastells auf den Tag der Ceres macht die Existenz einer später vom Volk verehrten Göttin Cisa durchaus wahrscheinlich. Jedenfalls lebt ein Teil ihrer Eigenschaften
im Bild Marias weiter, der der im 8. Jahrhundert erbaute Dom `Unserer Lieben Frau vom guten Rat´ geweiht ist.

Augsburg Plan2die Kontiuität in Augsburg, Dom `Unserer Lieben Frau vom guten Rat´

Bilder: Jüdisch-historischer Verein Augsburg: Cisa auf dem Perlachturm/ Wikipedia / Bibi Saint-Pol, Kaiser Augustus / Statue der fruchttragenden Ceres (Louvre, Paris) ChrisO,CC BY-SA 3.0/ Pinenzapfen Vatikan, lance_mountain , http://www.flickr.com/photos/lance_mountain/138343253/  Simulation: Sunaerttools, Stellarium

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