Das Licht und die Grabkapelle

Rotenberg 2Grabkapelle auf dem Rotenberg

Im Zeitalter der Monarchie dienten Ehen auch dazu, die politischen Ver- hältnisse zwischen zwei Staaten zu verbessern. So hatte die Teilnahme Württembergs am Rußlandfeldzug Napoleons das Verhältnis mit dem Zarenreich, trotz der engen verwandschaftlichen Verbindungen merklich abgekühlt.

KöniginKatharinaKönigin Katharina Pawlowna, Franz Seraph Stirnbrand, 1819

Eine Möglichkeit dieses wieder zu normalisieren bot sich in der Heirat zwischen der verwitweten Tochter des russischen Zaren, Großfürstin Katharina Pawlowna und dem württembergischen Kronprinzen Wilhelm . Nur wenige Monate nach der im Januar 1816 in St.Petersburg geschlos- sene Ehe trat König Wilhelm I sein schweres Regierungsamt an, denn  das Land war von Missernten und Hungersnöten geplagt. Nur zwei Jahre zuvor ereignete sich eine folgenschwere Vulkanexplosion in Indonesien, die Europa den Sommer ohne Sonne bescherte. Sie führte nicht nur zu einem Temperaturabfall, sondern auch zu lang anhaltenden Regenfällen.

KönigWilhelm IKönig Wilhelm I. von Württemberg im Jahr 1827

Katharina Pawlowna nahm sich sofort dem Schicksal der Bevölkerung    an und wurde durch die Gründung eines `Zentralen Wohltätigkeitsvereins bekannt, in dem sie gemeinsam mit bürgerlichen Männern und Frauen an der Linderung der Not arbeitete. Doch ihre Ehe war überschattet durch das kurz nach der Heirat wieder aufgeflammte Verhältnis des Königs mit der italienischen Adligen Blanche de la Flèche.
Als Katharina Pawlowna ihn im Januar 1819 in Scharnhausen mit seiner Geliebten entdeckte, fuhr sie im offenen Wagen zur nach Stuttgart zurück. Kurz darauf verstarb sie an den Folgen einer schweren Erkältung. In der Folge entfalte der König zahlreiche Aktivitäten um sein Verhältnis zu ver- tuschen. Wohl auch aus diesem Grund entstand ein Bauwerk, dass das Morgenblatt für gebildete Stände schon vor der Fertigstellung als `ein Meisterstück der Baukunst´ bezeichnete und es mit den `schönsten Denkmälern des Alterthums´ vergleicht. In der Tat dürfte die Grabkapelle eines der letzten Bauwerke gewesen sein, bei dem die Ausrichtung auf Sonnenaufgangs- oder Untergangspunkte noch eine entscheidende    Rolle spielten.

Burg WürttembergBurg Württemberg

Sie entstand zwischen 1820 und 1824 nach dem Entwurf des italienisch- en Hofbaumeisters Giovanni Salucci an dem Ort, an dem einst die Burg Wirtemberg stand, die Stammburg des Hauses Württemberg. Während das Äußere der Grabkapelle an Palladios Villa Rotonda erinnert, lässt der Kuppelraum im Eingangsgeschoss die Assoziation an das Pantheon in Rom wach werden. In Beschreibungen des Bauwerk ist von einem herr- lichen Ausblick über das Neckartal die Rede, doch allein der genügt nicht die dem Bauwerk zugrunde liegende Symbolik zu erklären. die bestim- mende Punkt für die Ausrichtung der Grabkapelle liegt tatsächlich im Südwesten, wo die Sonne am Abend des Reformationstages hinter dem Horizont verschwindet. Damit lieferte Luthers reformatorische Entdeck- ung, dass Gott selbst in Jesus Christus die Sündenschuld der Menschen.
tilgt, den Gedanken für die Ausrichtung der Kapelle.

Grabkappele Rotenberg PlanAusrichtung der Grabkapelle

 Allerseelen zählt neben dem einem Tag zuvor gefeierten Allerheiligen zu den Hochfesten des liturgischen Kalenders. Der Gedenktag für die Ver- storbenen geht zurück auf den Abt Odilo von Cluny und ist in Rom seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts bezeugt. Theologisch eng verknüpft ist der Feiertag mit der Vorstellung vom Leiden der Verstorbenen in einem Fegefeuer, dessen Qualen mit Hilfe von Gebeten, Fasten oder Almosen verkürzt werden konnten. Der Ausrichtung auf das Jenseits folgt auch die Symbolik der Architekturbauteile. Während die Zahl vier als Sinnbild der vier Himmelsachsen sich in den Portiken widerspiegelt, wird der Innen- raum mit sein 16 Säulen durch die auf den Sonnenuntergangspunkt aus- gerichtete Längsachse in 2×8 Säulen geteilt.

Salucci BleistiftzeichnungSalucci, Bleistiftzeichnung des Kuppelraumes

Da nach 7 Tagen mit dem 8. Tag eine neue Woche beginnt war die Zahl 8 bereits bei den Kirchenvätern ein Symbol für den Neubeginn und stand damit auch für den Tag der Auferstehung des Herrn.In der christlichen Zahlensymbolik des Mittelalters verkörpert die Zahl 8 den glücklichen An- fangs, die Neugeburt und des Neubeginns und damit auch o die geistige Wiedergeburt. Vor diesen Hintergrund ist die Zahl auch das Symbol der Taufe und prägte in der Gestalt eines Oktogons die Gestaltung zahlreicher Baptisterien des Mittelalters. Als Zahl des Gleichgewichtes symbolisiert die Zahl 8 auch die acht Richtungen der Windrose.
Diese Bedeutung wird in der Grabkapelle durch die Einbeziehung der vier Evangelisten überlagert, die in vier Mauernischen um das Zentrum grupp- iert sind. Seit dem 4. Jahrhundert werden die Matthäus, Markus, Lukas  und Johannes, die als Autoren der vier biblischen Evangelien gelten, durch vier geflügelte Symbole dargestellt: Ein Mensch, oder auch das Sternbild Aquarius steht für den Evangelist Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes. Dieser Zuordnung geht zurück auf die Visionen des Propheten Ezechiel, der im 1. Kapitel seines Buches vier Gesichter schildert, die ihm während einer Vision am Himmel erschienen. Doch hinter diesen Gesichtern Ezechiels stand in Wirklichkeit eine Erken- ntnis der frühen Astronomen Mesopotamiens. Bereits 4000 v. Chr. gab es die 4 Wächtersterne, die das Jahr in vier Jahreszeiten unterteilten.  Da- mals waren es noch Antares aus dem Sternbild Scorpion, Aldebaran aus dem Stier, zusammen mit den Plejaden, der Stern Spica aus dem Stern- bild Jungfrau und der Stern Regulus aus dem Löwen. Bei Ezechiel jedoch steht diese Vierergruppe, nach dem griechischen Begriff Tetramorph ge- nannt, steht für die Ordnung der Überlieferung die zu Beginn des Christ- entums aus einer Vielzahl konkurrierender Schriften bestand.
Ohne die Hintergründe der Symbolik zu kennen, ist nicht mehr möglich  Botschaften wie die, die der Grabkapelle zu lesen. So stehen die Aus- richtung und die Symbolik dieses Bauwerk für eine Geisteswelt, die       uns heute in großen Maß fremd geworden ist.

Bilder Wikipedia commons, Grabkapelle,Xocolatl / Burg Württemberg, Königin Katharina Pawlowna/ König Wilhelm I. von Württemberg im Jahr 1827 – Scan von Robert Uhland, 900 Jahre Haus Württemberg,Wuselig – gablenberger-klaus, Kuppel
Simulation: sunearthtools

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