Die Götter von Tawern,

Temepel Tawwern 2 rekonstruierter Tempel in Tawern

Eine kleine, eher unspektakuläre Tempelanlage liegt auf dem Mezzen-  berg bei Tawern. In ihrer Konzeption zeigt sich aber bereits ein Gedanke, der wenige Jahrhunderte später die Ausrichtung zahlreicher Kirchen-bauten bestimmen sollte: die heilige Baulinie. Sie wirde bestimmt durch den Sonnenaufgangswinkel eines, oder mehrere Patrozinien, den Gedenk- tagen von Schutzheiligen der Kirche. Dabei addieren sich die über dem Äquinoktium liegenden positiven Winkeln mit den negativen unterhalb der Tag- und Nachtgleiche zu einem Gesamtwinkel der die heilige Baulinie bestimmte. Einst lag der Ort an einer wichtigen römischen Straße, die die Städte Trier und Metz miteinander verband. Als interessanteste Funde im Ort werden die Reste einer alten Schmiede gewertet, die ein unverzicht- barer Bestandteil des Reisens mit Pferden war.
Der Tempelbezirk auf dem südöstlichen Ausläufer des Mezzenberges wurde im 1. Jahrhundert fertiggestellt wurde noch bis ins späte 4. Jahr- hundert benutzt. Unter der Leitung des Rheinischen Landesmuseums Trier wurde das Areal von 1986 bis 1987 freigelegt und die Bauwerke teilweise rekonstruiert. In diesem Zug wurde an der Nordwestecke einer der Tempel ein 15m tiefer Brunnenschacht freigelegt, in dem Spolien und Weihesteine gefunden wurden.

Tawern Tempel und BrunnenTempel mit Brunnenschacht

Einer unter ihnen war Mercurius und Apollo geweiht, während ein Stein- relief die Göttin Epona auf einem Pferd sitzend zeigt. Ein ebenfalls im Brunnenschacht gefundener Kopf aus Kalkstein wurde als Teil einer überlebensgroßen Statue des Gottes Mercurius interpretiert, die heute      um den Körper ergänzt in der Ausstellung zu sehen ist.

Mercuriusrömscher Gott Mercurius

 Im römischen Festagskalender wird Mercurius, der Gott des Handels,   des Gewerbes, des Reichtums und des Gewinns am 15. Mai gefeiert.  Sein Name leitete sich von dem lateinischen Wiort merx, für Ware ab. Innerhalb er römischen Mythologie wurde er mit dem griechischen Götterboten Hermes gleichgesetzt, dessen Attribute er ebenfalls über- nahm. So wurde Mercurius nicht nur ein Gott des Handels, sondern auch gleichzeitig Bote der Götter und ein Führer der Seelen von Verstorbenen   in die Unterwelt. Als weit gereister wies Verwirrten den Weg und sorgte   als Gott des Zufalls ebenso für das glückhafte Finden des Ziels. Abge- bildet wurde Mercurius mit einem Heroldsstabs in seiner linken und dem marsupium, einem Geldbeutel aus dem Balg eines kleinen Tieres in der rechten Hand. Entweder hatte er einen Reisehut oder aber, wie beim rekonstruierten Kopf in Tawern, Flügel die direkt aus dem Haarlocken sprießen.

Apollo Hasu des AugustusApollo , Fresko aus dem Haus des Augustus

Am 6.Juli begannen die Ludi Apollinaris, die Spiele zu Ehren Apollos. Er war ein Sohn des Zeus und galt in der Antike als einer er mächtigsten Götter. Seine Fähigkeiten waren sehr vielfältig.Obwohl ein Treffer seiner Pfeile den Tod bedeutete, hatte er wie sein Sohn Äskulap, die Fähigkeit    zu heilen. Sein Attribut war die Lyra, die er von Hermes bei einem Tausch- geschäft erhalten hatte. Deshalb standen auch Sänger und Musiker unter seinem besonderen Schutz. In den Erzählungen wird der Gott der Sonne und des Lichtes immer als strahlende Schönheit beschrieben. Deshalb wird er auch meist nur mit den Attributen Lyra, Lorbeerkranz und Opfer- schale dargestellt. Der in ganz Griechenland beliebte Apollokult fand auch schon früh Einzug in die römische Götterwelt, wo besonders dessen heil- ende Kraft unterstrichen wurde. Recht bald entwickelte sich Apollo zum Gott  der Musen und ersetzte dabei den griechischen Gott Dionysos als Gott des Zheaters. Aus diesem Grund wurden 212 v.Chr. die Ludi Apollinares gestiftet, die alljährlich vom 6. bis zum 13. Juli abgehalten wurden.

 Tawen und EponaPferdegöttin Epona

Die dritte, für die Ausrichtung des Tempels maßgebende Richtung ist der Sonnenaufgang am Tag der ursprünglich keltischen Pferdegöttin Epona. Sie war die Tochter des Mars und der keltischen Muttergöttin Rhiannon.    In der Mythologie wird Rhiannon als die Göttin im goldenen Gewand geschildert, die als unsichtbare Zauberin, von Vögeln begleitet auf einer weißen Stute über das Land reitet. Aus Irland gibt es Überlieferungen, in denen berichtet wird, wie noch im 11Jahrhundrt irische Könige symbolisch mit einer weißen Stute verheiratet wurden. In früheren Zeiten verkörperte das Pferd Kraft, Energie, Beweglichkeit und Ausdauer. Doch es stand auch für die Fülle der Natur, denn erst die Domestizierung des Pferdes hatte es dem Menschen ermöglicht große Viehherden zu halten und damit eine größere Bevölkerung zu ernähren. Ähnlich den irischen Vorstellungen wurde Epona ursprünglich als göttliche Stute gesehen und in der Gestalt eines Pferdes abgebildet. In späteren Darstellung wurde sie, wie in Tawern, seitlich auf dem Rücken eines Pferdes sitzenden, dargestellt. Mit dem Vordringen der Römer wurde Epona zu einer Schutzgöttin der römischen Reiterei, wobei ihrer Funktion auch kriegerische Funktionen zugeordnet wurden.

Tawen Plan1Die Baulinie des Tempels von Tawern

Addiert man nun die Azimutwinkel der Sonnenaufgangspunkte unter Ein- beziehung der Geländehöhen, so zeigt das Ergebnis die Baulinie des re- konstruierten Tempels von Tawern, der mit seiner Ausrichtung alle Feier- tage vereint. Dies ist ein weiteres Indiz für die Vermutung, dass auch in römischer Zeit wichtige Anlagen nach astronomischen ereu8gnissen aus- gerichtet wurden. Wie Tawern bietet auch die nicht weit entfernte Stadt Trier dafür ein gutes Beispiel.

Bilder: Wikipedia / V. Köhler. – by-sa/3.0/ Tempel mit Brunnen und Frontalsicht/ von Cody escadron delta – Apollo im Haus des Augustus http://www.roemisches-tawern. – Mercurius – Simulation: sunearthtools

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