Lenus-Mars und der Martberg

Martberg Tempel 2

Marttberg Tempelbezirk

Allzu oft wird der römische Gott Mars auf seine Rolle als Gott des Krieges reduziert. Diese Rolle, in der er dem griechischen Gott Ares gleichgestellt wurde, erfüllte er aber erst viel später, denn ursprünglich hieß er Mars Silvanus und war ein Vegetationsgott. Seine unterschiedlichen Facetten, die er in seiner Geschichte erhielt, hatten Mars zu einem über die Grenzen Roms beliebten Gott gemacht.

MarsAres-Mars

Als Mars Silvanus hatte er wilde, aber auch friedlichen Züge. Sie passten zum Monat März, der nach ihm benannt wurde. Es war er Monat in dem der Winter während eines Rituals ausgetrieben und Feldopfer in  Gestalt von Ferkel, Lamm oder Kalb zu Ehren des Gottes Mars dargebracht wurden. Mit dem Ende des Winters begann auch einst das römische Jahr, das erst durch die julianische Kalenderreform 45 v. Chr. auf den 1. Januar vorverlegt wurde. In der weiteren mythologischen Entwicklung des Mars spiegelte sich die altialische Lebensform, die geprägt war von Feldarbeit und dem Heeresdienst innerhalb einer Bürgerarmee. Da es vor der Reg- entschaft des römischen Staatsmannes und Feldherrn Gaius Marius noch keine Berufsarmee gab, wurde das Heer im Abstand von 5 Jahren durch Censoren ausgehoben. Der Zeitraum war dem Mars geweiht und so wurden auch die gleichen Tiere wie für das Fruchtbarkeitsfest geschlacht- et. Mit diesen Opfern, die als Bild auch auf den Standarten auftauchten, sollte das Heer rituell gereinigt werden. Wie im Frühling, so fand auch im Herbst, am 15. Oktober, ein  rituelles Fest zu Ehren des Mars statt. Es wurde das Oktoberpferd oder lateinisch Equus October genannt. Wie bei den feiern im März wurden Spiele zu Ehren des Kriegsgottes abgehalten.
In Rom waren die Wagenrennen mit Zweiergespannen auf dem Marsfeld der Mittelpunkt der Feiern.

wagenlenker KopieWagenlenker- Bodenmosaik

Wie der Name des Festes Equus October andeutet, wurde nach     Rennen das rechte Pferd des siegreichen Zweigespannes dem Gott Mars als Opfer dargebracht. Vermutlich wurde es durch den Oberpriester des Mars, den Flamen Martialis, außerhalb der rituellen Stadtgrenze, des Pomeriums, mit einem Speer getötet. Der Begriff Pomerium stellt die lateinische Verkürzung von post moerium, einem Gebiet hinter der Mauer dar. In der Antike galt dies für die Grenze zwischen eigentlichem Stadt- gebiet und Umland. Übertragen auf den Tempelbezirk war es der Bereich, der vor der Grenze des heiligen Bezirkes lag. Spuren dieser einstigen Einteilung finden sich im heutigen Ortsnamen von Pommern der südlich des Martberges liegt.

Lenus Mars KopieInschrift Lenus-Mars

Eine weitere Facette des Mars wurde im nördlichen Gallien unter dem Namen Lenus Mars verehrt. Er zählte dort zu den Stammesgöttern der Treverer. Seine große Wertschätzung lässt sich daran ablesen, dass ihm die gallische Bezeichnung Lenus vorabgestellt wurde. Über die Entstehung des Namens gibt es mehrere unterschiedliche Theorien. Als sinnfälligste erscheint jedoch die von Helmut Birkhan, der die Entstehung des Namens im lateinischen Wort lenis, das lind oder milde bedeutet. Ei n ähnlich kling- endes Wort mit gleicher Bedeutung gab es in er nordischen Sprache, wo sich das germanischen Wort lendō aus dem indogermanischen Wortes lēno entwickelt hatte. Die wenigen Inschriften beschreiben seine Rolle nur unzureichend. Aus dem Grund wird er auch dem gallischen Smertrios, einem Mars-Hercules identifziert. In seiner Hauptfunktion war Lenus-Mars ein Schutz und Heilgott dem Tempel mit medizinische Heilquellen in Trier, dem antiken Augusta Treverorum, und auf dem Martberg geweiht waren. Funde zeigen, dass beide Orte nicht erst seit römischer Zeit bedeutende Pilgerstätten waren. So war das Quellheiligtum in Trier, `Am Irmenwingert´, schon in vorrömischer Zeit ein religiöses Zentrum der Treverer, in dem neben dem Stammesgott Lenus auch gallo-römische Quellgöttinnen ver- ehrt wurden. Auch auf dem Mons Martis, dem Marsberg, wurde mit dem Bau der Umgangstempel ein seit keltischer Zeit bestehendes Heiligtum weitergeführt.
Die Umgangstempel hatten im Vergleich zu den sonst üblichen Podiums-tempeln vier gleichberechtigte Ausrichtungen. Die meist einfachen Bauten bestanden im Wesentlichen aus dem überdachten Umgang und der Cella, deren Wände in Stein gemauert und um einiges höher als der Umgang waren. Dass der Ort dem Gott dem Heilgott der Treverer geweiht war, zeigt die Inschrift eines Weihesteines in der ein Grieche sich für die Heil- ung bedankt. Während beim Tempel von Tawern noch Bezüge zwischen Sonnenauf- gangspunkten und den Feiertagen römischer Götter herge- stellt werden können, scheidet hier dieser Gesichtspunkt aus. Doch die vier Achsen   bieten den Vorteil sie auf mehrere Ereignisse am Nacht- himmel auszu-richten. Unter diesen gibt es auch eine Übereinstimmung am Tag des Oktoberpferdes, wo der hellste Stern des Löwen am Abend in der süd-östlich verlaufenden Achse auftaucht.

Martberg SterneMartberg – Sternsichtung

Er symbolisiert nicht nur den Mars-Herkules, sondern könnte auch Be- standteil der Theurgische Medizin auf dem Marsberg gewesen sein. Zu dieser Zeit war das Heilwesen keinesfalls nur auf die Anwendung von Wasser beschränkt, sondern nutzte auch das astrologische Wissen.     Die Volksfrömmigleit der Römer hatte dieser Wissenschaft neben and- eren magischen Künsten seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. eine ungeheure Bedeutung beschert. So wurde auch dem Sternzeichen Löwe im Homo signorum, der Übertragung der 12 Tierkreiszeichen auf den menschlichen Körper, die Körperteilen Bauch, Rücken und das Organ Herz zugeordnet. Aus Sicht der astrolog- ischen Medizin bot dabei der Umgangstempel natürlich die besten Möglich-keiten im Rahmen des Heilvorganges in Kontakt mit den jeweils passen- den Tierkreiszeichen zu treten.

Tierkreismann KopieTierkreismann, Darstellung um 1500

 

Bilder: pommern-mosel.de/ Martberg Tempelbezirk – Simulation/Stellarium

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